Experten dringend gesucht

Experten dringend gesucht

Gefäss: 
Seit Anfang August und bis Ende Dezember können Hauseigentümer für ihre Liegenschaften einen Gebäudeenergieausweis mit Beratungsbericht für nur 200 Franken erstellen lassen. Der Ansturm auf diese Einführungsaktion ist gewaltig: Über 6000 Bestellungen gingen in den ersten Tagen ein. Doch nun fehlen die Experten.
 
Der neue Gebäudeenergieausweis (Geak) ist bereits zwei Wochen nach seiner Einführung am 3. August eine Erfolgsgeschichte: «Die Nachfrage stellt alle Erwartungen in den Schatten. Bereits sind mehr als 5000 der insgesamt 15 000 verfügbaren «Gutscheine» reserviert. Und es zeichnet sich ein Mangel an Experten ab», heisst es in einem Schreiben der Geak-Betriebszentrale, das in den ersten Augusttagen an Bau-, Haustechnik- und Energiefachleute in der ganzen Schweiz versandt wurde.
 
Zur Erinnerung: Der Bund unterstützt Hauseigentümer, die für ihre Liegenschaften einen Geak mit Beratungsbericht (siehe Stichwort) erstellen lassen wollen: An die Kosten von 1200 Franken für die Ausstellung eines Geak zahlt die Bundeskasse 1000 Franken an den Experten, der den Ausweis ausstellt. Dieser bewertet die Qualität der Wärmedämmung von Fassaden, Fenstern, Dach und Kellerdecke sowie die Gesamtenergieeffizienz und gibt Empfehlungen für die Verbesserung des Energiehaushalts. Die Hauseigentümer bezahlen lediglich den Restbetrag von 200 Franken. Die Aktion ist auf 15 000 Geak-Exemplare beschränkt und dauert bis Ende Jahr.
 
«Ende der ersten Aktionswoche waren schon 6000 «Gutscheine» für die Ausstellung eines Geak samt Beratungsbericht gebucht», sagt Armin Binz, Leiter der zuständigen Minergie Agentur Bau in Muttenz BL. Binz: «In den ersten beiden Tagen der Aktion erhielten wir 2000 Gesuche pro Tag». Der aktuelle Stand der Gesuche liegt bei 10 000. Die Aktion gilt für Gebäude, die vor 1990 erstellt wurden und in den letzten fünf Jahren keine umfassende Sanierung erfahren haben.
 
So erfolgreich die Aktion des Bundes angelaufen ist, hat sie doch einen Haken: Gebäudeenergieausweise und die dazugehörigen Berichte mit Sanierungsempfehlungen können nur von zertifizierten Experten ausgestellt werden, und davon gibt’s zur Zeit lediglich etwas mehr als 500. Binz bestätigt die Expertenknappheit unumwunden: «Die Zahl der Experten ist zur Zeit der limitierende Faktor an der ganzen Aktion». Viele der bereits zertifizierten Geak-Experten seien nämlich bereits bis Ende des Jahres ausgebucht. Die letzten Beratungsberichte müssen bis 24. Dezember fertiggestellt sein. «Es ist aber ein gutes Resultat, dass wir in der ersten Woche mit rund 400 Experten in die Aktion einsteigen konnten», betont Binz.
 
Wer sich als Geak-Experte zertifizieren lassen will, muss entweder eine Ausbildung in der Richtung Heizung/Lüftung/Klima oder Energie vorweisen oder gleichwertige, langjährige Berufserfahrung auf diesen Gebieten (siehe Stichwort). Ausserdem ist eine ganztägige Schulung zu absolvieren. Die Zertifizierung ist auf fünf Jahre befristet und kann unter bestimmten Bedingungen erneuert werden.

Ansturm verständlich

Der Ansturm auf die Gebäudeenergieausweise ist durchaus verständlich: Der Preis von 200 Franken im Rahmen der Einführungsaktion ist ein werthaltiges Schnäppchen. Es enthält nicht nur die energetische Klassifizierung eines Gebäudes, sondern auch Empfehlungen über Sanierungsmassnahmen, einen Vergleich von Kosten und Nutzen verschiedener Massnahmen sowie ein Vorgehenskonzept. Ab Januar 2010, wenn der Bund die Geak nicht mehr finanziell unterstützt, wird es wesentlich teurer: Gemäss der Kalkulationshilfe zur Erstellung der Gebäudeausweise darf ein Experte für die Ausstellung eines Geak – ohne Beratungsbericht – 400 bis 600 Franken für ein Einfamilienhaus, 500 bis 800 Franken für ein Mehrfamilienhaus und 700 bis 1200 Franken für ein Schulhaus oder einen Verwaltungsbau in Rechnung stellen.
 

StiCHWORT

Der Gebäudeenergieausweis der Kantone (Geak) geht auf die Initiative der Konferenz Kantonaler Energiedirektoren (EnDK) zurück und ist seit 3. August in der ganzen Schweiz erhältlich. Bis Ende Jahr subventioniert der Bund die ersten 15000 Geak inklusive Beratungsbericht mit je 1000 Franken, sodass Hauseigentümer lediglich 200 Franken auslegen müssen. Dafür erhalten sie die energetische Klassifizierung (ähnlich wie bei Elektrogeräten) eines Gebäudes in den Qualitätsabstufungen von A bis G, Vorschläge zur energietechnischen Verbesserung des Gebäudes sowie ein Vorgehenskonzept. Die energietechnische Beurteilung und die Ausstellung des Geak erfolgen durch einen zertifizierten Experten. Zur Geak-Expertenschulung zugelassen sind Ingenieure HLK, Ingenieure FH mit MAS oder Nachdiplom Energie (und Bau), diplomierte Energieberater und Haustechnikplaner TS sowie Fachleute mit Zusatzausbildung CAS-Modul Gebäudeausweis/Energieberater. Weiter haben Energiebeauftragte, Bauingenieure und Architekten mit mindestens zwei Jahren Berufserfahrung im Gebäudebereich innerhalb der letzten fünf Jahre ebenfalls Zugang zur Geak-Expertenschulung. Die Zertifizierung ist auf fünf Jahre befristet und verlängert sich automatisch um denselben Zeitraum, sofern der Experte in den ersten fünf Jahren mindestens 25 Geak ausgestellt hat und zwei Weiterbildungskurse besucht hat.