EU: Wenig Schutz für die Artenvielfalt

EU: Wenig Schutz für die Artenvielfalt

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Buntbrache im Berner Seeland. - Bei einer Buntbrache handelt es sich um einen mit Wildkräutern angesäten, mehrjährigen Streifen auf stillgelegtem Ackerland. (Raphaël Arlettaz, Universität Bern)

Nachdem die EU die Gemeinsame Agrarpolitik überarbeitet hat, wurde sie von einem internationalen Expertenteam mit Schweizer Beteiligung unter die Lupe genommen. Die Fachleute kamen zu einem vernichtenden Schluss: Sie taugt zu wenig, um der schwindenden Artenvielfalt etwas entgegenzusetzen.   

Buntbrache im Berner Seeland. - Bei einer Buntbrache handelt es sich um einen mit Wildkräutern angesäten, mehrjährigen Streifen auf stillgelegtem Ackerland. (Raphaël Arlettaz, Universität Bern)

Immer grössere landwirtschaftliche Nutzflächen, die teils äusserst intensiv bewirtschaftet werden, prägen zunehmend die Landschaft Westeuropas und auch die der neuen EU-Mitgliedstaaten. Im Zuge dieses Trends verringern sich vielerorts sowohl Artenvielfalt als auch ökologisch wertvolle Agrarlandschaften. Um diese Entwicklung einzudämmen, hat die EU ihre Gemeinsame Agrarpolitik überarbeitet. Die Verordnungen wirken sich auf rund die Hälfte der Landfläche der EU aus. Zudem steckt hinter der Gemeinsamen Agrarpolitik ein Gesamtbudget von 360 Milliarden Euro.

Ein Team von Wissenschaftlern – darunter auch Raphaël Arlettaz vom Institut für Ökologie und Evolution der Universität Bern und von der Schweizerischen Vogelwarte Sempach – hat nun die Gemeinsame Agrarpolitik unter die Lupe genommen. In ihrer Studie ziehen die Fachleute ein vernichtendes Fazit: Die Gemeinsame Agrarpolitik taugt kaum etwas. Schuld sind die vielen Ausnahmeregelungen. So müssen etwa Betriebe die weniger als zehn Hektaren umfassen keine Fruchtfolgen anbauen oder vielmehr brauchen sie nicht in einem bestimmten Rhythmus unterschiedliches Getreide, Obst oder Gemüse anzupflanzen. Ursprünglich war vorgesehen gewesen, Betriebe, die kleiner als drei Hektaren sind, von dieser Auflage zu befreien. Dies bedeutet, dass diese Pflicht für rund vier Fünftel aller Betriebe entfällt. „So werden Umweltverordnungen zu stark verwässert“, kommentiert Arlettaz.

Damit bleibt es den EU-Mitgliedern überlassen, Strategien zu finden, die sie der schwindenden Artenvielfalt entgegensetzen. Zumal die Autoren der Studie zumindest eine Sache positiv sehen: Auch wenn die EU-Vorgaben nicht ausreichen, so lassen sie noch immer genug Spielraum, um mehr zu tun, als die Gemeinsame Agrarpolitik verlangt. (mai)