ETH gewinnt Regatta mit digitalen Betonkanus

ETH gewinnt Regatta mit digitalen Betonkanus

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Teaserbild-Quelle: Manuela Talenta

An der diesjährigen Betonkanu-Regatta in Brandenburg (DE) siegten ETH-Studierende mit ihren zwei Kanus in den Kategorien „innovativste Konstruktion“ und „schwerstes Kanu“. Die Boote wurden erstmals mithilfe digitaler Fabrikationstechnologien hergestellt.

Die deutsche Betonkanu-Regatta ist ein Studentenwettbewerb, der seit 1986 alle zwei Jahre von der deutschen Zementindustrie organisiert wird. Die diesjährige Austragung fand am Wochenende statt und lockte 120 Mannschaften aus ganz Europa nach Brandenburg an der Havel. Auch die ETH Zürich war dabei – sie nimmt seit 2005 mit ihrem Betonkanuverein an der Veranstaltung teil. Heuer bauten die Studierenden im Rahmen zweier Bachelorarbeiten ihre zwei Kanus zum ersten Mal mittels digitaler Fabrikationstechnologie – und siegten.

Schalung und Armierung vereint

Die „Queen ElisamEshTH“ räumte in der Kategorie „innovativste Konstruktion“ ab. Gebaut wurde das Boot – das in seiner Form an ein traditionelles indianisches Kanu erinnert – mit dem „Mesh-Mould“-Verfahren. Hierbei wird mit Hilfe eines Roboters ein Netz von frei wählbarer Form „gedruckt“, das danach mit Beton gefüllt wird. Nach der Aushärtung wird die Schalung also sozusagen zur Armierung. Von hier stammt auch der Name: Mesh-Mould heisst so viel wie Netz-Schalung. Eine besondere Herausforderung stellte der Beton dar. „Er durfte weder zu fest noch zu flüssig sein“, erklärte Hannes Heller anlässlich der Kanu-Taufe an der ETH Hönggerberg letzte Woche. Der Student gehört zum Team, das die „Queen ElisamEshTH“ konstruiert hat. Das Füllen des Netzes mit Beton verglich er mit Spätzle machen.

Bewegliche Gleitschalung

Auch beim zweiten Kanu der ETH – das mit seinen 293 Kilogramm die Kategorie „schwerstes Kanu“ für sich entschied – war die Konsistenz des Baustoffs das A und O. Für die „S2D2“ wandte das Team das „Smart Dynamic Casting“ (SDC) an. Hierbei bewegt ein Roboter eine Gleitschalung kontinuierlich nach oben und formt so das Kanu. „Ein paar Mal kam bei den Versuchen ein regelrechter Fladen raus, weil die Festigkeit des Betons nicht stimmte“, erinnert sich Teammitglied Matthias Hächler. Man sei sich lange nicht sicher gewesen, ob es jemals klappen würde. Die zweite Herausforderung war die Gleitschalung, die das Team extra zu diesem Zweck konstruiert hatte. „Wir wollten, dass unser Kanu in der Mitte etwas breiter ist, weshalb die Schalung beweglich sein musste“, erklärt der studierende Bauingenieur. Das sei äusserst tricky gewesen.

ETH siegte nicht zum ersten Mal

Tricky oder nicht: Der Erfolg macht alle fehlgeschlagenen Versuche wett. Und das, obwohl das Ziel „nur“ ein Sieg in der Disziplin „innovativste Konstruktion“ war. Diese hat die ETH Zürich bereits 2013 gewonnen. Das damalige Kanu war erst am Tag des Wettbewerbs direkt vor Ort betoniert worden. Auch die Kategorie „leichtestes Kanu“ ging schon nach Zürich. 2011 nahm die ETH mit einem lediglich 17,5 Kilogramm schweren Boot teil. Das stellte einen Rekord dar, der der dieses Jahr jedoch von der TU Graz (ihr Kanu war lediglich 16,65 Kilogramm schwer) gebrochen wurde. (pd/mt)

Mehr zu den beiden Fabrikationstechnologien erfahren Sie in einer der nächsten Print-Ausgaben des Baublatts