Erfolgreicher Tunnel macht Sorgen

Erfolgreicher Tunnel macht Sorgen

Gefäss: 
Drei Jahre nach seiner Eröffnung stösst der weitgehend einspurig ausgebaute Lötschberg-Tunnel an seine Kapazitätsgrenzen. Ähnliches gilt auch für die Zufahrtsstrecken. Das neugegründete „Lötschberg-Komitee“ fordert deshalb neben anderem den umfassenden  Ausbau des Tunnels.
 
Seit ihrer Eröffnung des Basistunnels im Jahr 2007 hat der Personenverkehr laut dem Komitee auf der Lötschbergachse um 73 Prozent zugenommen. Zudem hat sich der Güterverkehr seit 2000 fast verdoppelt. Ein Ausbau des Personen-Fernverkehrs ist ohne einen Weiterausbau des Tunnels und teilweise auf der Lötschbergachse nur auf Kosten des Regional- und des Güterverkehrs möglich. „Der Lötschberg-Basistunnel ist so erfolgreich, dass uns das schon wieder Sorgen macht“, stellte Berner Verkehrsdirektorin Barbara Egger-Jenzer an der Gründungsversammlung des Lötschberg-Komitees im Berner Rathaus fest. Und der Vorsteher des Walliser Verkehrsdepartements, Staatsrat Jacquel Melly, betonte, dass der Lötschberg zusammen mit dem Gotthard eine der wichtigen Transitachsen im europäischen Schienennetz sei. Die Beseitigung der vorhandenen Engpässe sei deshalb von gesamteuropäischem Interesse.
 
Das Komitee will sich dafür einsetzen, dass die Nord-Süd-Achse im Konzept von Bahn 2030 ein grösseres Gewicht erhält. Es sieht sich nicht in Konkurrenz zum Gotthard, denn für einen gut funktionierenden Nord-Süd-Verkehr braucht es beide Achsen. Konkret fordert das Komitee den Ausbau des zurzeit grösstenteils einspurigen Lötschberg-Basistunnels. Ziel ist der 30-Minuten-Takt für die Intercity-Züge ins Wallis und mehr Kapazitäten für den Güterverkehr. Ebenfalls ausgebaut werden müssen die Zufahrtsstrecke im Aaretal zwischen Bern und Thun und der Bahnhof Bern. Ein weiterer Juradurchstich zwischen Basel und Olten ist sowohl für die Gotthard- als auch für die Lötschbergachse erforderlich.
 
Dem Lötschberg-Komitee gehören etwa 160 Persönlichkeiten aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft an. Unterstützt wird es auch von den Kantonen Bern, Wallis, Basel-Stadt, Basel-Land, Solothurn, Neuenburg und Thurgau. Zusammen mit den Bundesbehörden und den übrigen Kantonen will sich das Komitee für eine nachhaltige Finanzierung des öffentlichen Verkehrs einsetzen. Das vom Bund entwickelte Konzept eines Bahninfrastrukturfonds geht seiner Ansicht nach in die richtige Richtung. (mai)
 
 

Bahn 2030

 
Das vom Parlament in Auftrag gegebene Projekt „Bahn 2030“ steckt als Rahmenkonzept in der Planung. Dabei geht es um ein Investitionsvolumen von 12 und 21 Milliarden Franken. Die „Bahn 2030“ sollen die wichtigsten Engpässe beseitigen und einen spürbaren Angebotsnutzen für den Personen und Güterverkehr schaffen. Der Ausbau der Bahninfrastruktur soll nach den finanziellen Möglichkeiten tranchenweise umgesetzt werden. Voraussichtlich ihm April 2011 geht die „Bahn 2030“ als Gegenvorschlag zur VCS-Initiative in die Vernehmlassung.
 
 

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