Entscheidungen in Planungs- und Realisierungsprozessen

Entscheidungen in Planungs- und Realisierungsprozessen

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Unsere Planungs- und Bauprozesse basieren auf Entscheidungen: Entscheidungen der Besteller, der Verwaltung, der Bauherren, der ­Planer und der Ausführenden. Entscheidungen, die täglich in unserer Arbeit gefällt werden müssen. Entscheidungen sind die Grundlagen unseres Handelns. Ohne Entscheidungen kein Handeln, ohne Handeln keine Projekte, ohne Projekte keine Realisierungen.

Wir sind also darauf angewiesen, dass alle am Prozess Beteiligten ihre Entscheidungen zeitgerecht und kompetent im Sinne des Gesamtziels fällen. Ausbleibende oder verspätete Entscheidungen führen zu Projektverzögerungen und Mehrkosten, aber auch zu Missstimmungen und damit nicht selten zu  personellen und emotionalen Problemen, die wiederum das Projekt und die daran Beteiligten massiv belasten. Umstände, die es zwingend zu vermeiden gilt.

Unsere Projektorganisationen werden immer komplexer. Planer und Ausführende verlieren sich in einem Wald von Beratern, Experten, Prüfern und Controllern. Es hat sich eine Kultur eingebürgert, in der sich keiner mehr traut, Entscheidungen selbst zu fällen. Entscheidungen werden je länger, je mehr nur noch auf Entscheidungsgrundlagen abgestützt, die durch Zweit- oder sogar Drittmeinungen bestätigt wurden. Wieso wird nicht mehr entschieden?
Für Entscheidungsfindungen gibt es unzählige Methoden: Methoden, deren Wahl von diversen Faktoren wie beispielsweise der Informationslage oder den Zeitverhältnissen abhängig ist. ­Jeder Entscheid, auch wenn er nach noch so ­guten objektiven Kriterien gefällt wurde, ist immer auch geprägt durch die subjektiven Präferenzen und Erfahrungen des Entscheidungsträgers. Kein Entscheid kann folglich 100 Prozent richtig sein. Es wird bei allen Entscheidungen andere Meinungen und Vorstellungen geben. Dies gilt es zu akzeptieren. Dauernde Kritik an gefällten ­Entscheidungen und Entscheidungsträgern, verbunden mit rasch folgenden Forderungen nach persönlichen und finanziellen Konsequenzen, schafft eine Angstkultur.

Wo müssen wir ansetzen? Wollen wir wieder ­entscheidungsfreudige Mitarbeiter, müssen wir eine Organisation und eine Umgangskultur schaffen, die es erlauben, dass Entscheidungen wieder zeitgerecht gefällt werden können. Wir müssen lernen, Entscheidungen zu akzeptieren, und nicht jedes Mal darüber zu diskutieren, wie viel bei längerer Entscheidungsfindung noch hätte herausgeholt werden können und wer nun die Schuld dafür trägt, dass nicht das vermeintliche Maximum heraus­geholt wurde. Wenn wir nicht wieder dahin gelangen, dass wir unsere Entscheidungen nach der 80/20-Regel fällen können, so erweisen wir unserer Branche, den Projekten und den Auftraggebern einen Bären­dienst. Terminverzögerungen, Kosten­explosionen und ein unattraktives Umfeld für ­unsere Mitarbeiter, von denen es so oder so schon zu wenige gibt, sind die Folgen. Folgen, die wir heute spüren. Tun wir etwas dagegen:

- Setzen wir fach- und sozialkompetente ­Entscheidungsträger ein.
- Regeln wir Organisation und Verantwortlichkeiten klar und eindeutig und halten uns daran.
- Lernen wir, Entscheidungen zu akzeptieren.
- Unterstützen wir unsere Entscheidungs­träger bei der Wahrnehmung ihrer durch den Entscheid übernommenen Verantwortung.

Wir sind alle gefordert und haben es selbst in der Hand, einen Schritt in die richtige Richtung zu unternehmen.
 
Frank Straub, dipl. Bauing. ETH/SIA, Präsident usic Regionalgruppe Zürich, Vorsitzender der Geschäftsleitung
der F. Preisig AG, Bauingenieure und Planer, Zürich