Energiewende in der falschen Zone

Energiewende in der falschen Zone

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Die Berner Kantonsregierung fordert die Gemeinden auf, die Energiewende lokal umzusetzen. Das hat sich Bolligen zu Herzen genommen: Mit Fernwärme aus einer neuen Holzschnitzelheizung sollen jährlich 1,8 Millionen Liter Heizöl gespart werden. Doch der Kanton blockiert das Ansinnen, weil der ideale Standort der Anlage in der Landwirtschaftszone liegt.

Vor einiger Zeit besuchte Rudolf Burger, parteiloser Gemeindepräsident der Berner Vorortgemeinde Bolligen, eine Tagung des Kantons zum Thema Energiewende. Regierungsrätin und Energiedirektorin Barbara Egger-Jenzer (SP) sagte dort, dass globale Zielsetzungen wenig nützten, wenn sie nicht «vor und hinter der eigenen Haustüre, im eigenen Dorf, in der eigenen Stadt» umgesetzt würden. Sie schloss mit dem Appell an die Gäste, doch auch in ihrer Gemeinde einen Beitrag zur Energiewende zu erbringen. Burger ging ermutigt zurück in die Agglo, schliesslich war man im 6000-Seelen-Dorf Bolligen seit zwei Jahren daran, genau das zu tun. Wenige Tage später erfuhr er, dass ausgerechnet der Kanton ein Vorhaben der Bolliger  zur Nutzung erneuerbarer Energien torpediert.

Darum geht es: Die Heizanlagen verschiedener grösserer Überbauungen in Bolligen sind in die Jahre gekommen und müssen in nächster Zeit erneuert werden. Die Studie eines renommierten Ingenieurbüros kam zum Schluss, dass mehrere dieser nicht allzu weit auseinanderliegenden Wohngebiete sowie das Hallenbad  durch eine Fernwärmeversorgung miteinander verbunden werden könnten. Sparpotenzial: 1,8 Millionen Liter Heizöl – pro Jahr. Zwölf Standorte für eine Holzschnitzelheizung als Heizzentrale wurden geprüft. Nur einer wäre ideal: eine Parzelle mit einem alten Holzschopf, etwas oberhalb des Dorfes gelegen. Der Eigentümer ist gewillt, das Landstück an die Gemeinde abzutreten. Ein Konsortium plante die Anlage durch. Lokales Holz als Energieträger, das ist genau das, was der Kanton fördern will, dürfte sich nicht nur Gemeindepräsident Burger gedacht haben.

Doch es gibt ein Problem: Die ideale Parzelle liegt in der Landwirtschaftszone. Für den Bau der Heizung müssten 1700 Quadratmeter Land (etwa ein Viertel eines Fussballfelds) umgezont werden. Doch genau dies verbietet der Kanton Bern seinen Gemeinden im Moment. Schuld daran ist die Revision des kantonalen Richtplans, der aufgrund des 2014 in Kraft getretenen neuen eidgenössischen Raumplanungsgesetzes angepasst werden muss. SVP-Regierungsrat Christoph Neuhaus, Vorsteher der Justiz-, Gemeinde- und Kirchendirektion (JGK), sagt unmissverständlich: «Es gibt keine Ausnahmen.»

Zwar gäbe es in Bolligen ein zonenkonformes Grundstück für die Heizzentrale, doch dieses ist durch Altlasten einer Deponie möglicherweise kontaminiert, liegt direkt neben dem Bach Worble und dem Bahnhof Bolligen, was den Leitungsbau und die Zufahrten verkompliziert. Hinzu kommt: der Standort leidet häufig unter einer meteorologischen Inversionslage. Das heisst, dass der Rauch der Holzschnitzelheizung im Winter nicht abziehen könnte und sich über dem Dorf festsetzen würde.

Im Verlaufe des nächsten Jahres soll der Bundesrat den neuen Berner Richtplan bewilligen. Doch dann könnte es für das Bolliger Fernwärmenetz bereits zu spät sein: «Wenn nicht bald das Okay aus Bern kommt, müssen wir unsere Heizung ersetzen. Ohne Fernwärme ist nur eine Ölheizung wirtschaftlich sinnvoll», sagt David Scheidegger, Liegenschaftenverwalter einer Bolliger Überbauung. So wird das kaum etwas mit der Energiewende. (aes)