Energiewende: "Dreckstrom" schrittweise verteuern

Energiewende: "Dreckstrom" schrittweise verteuern

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Teaserbild-Quelle: Bild: wikimedia, CC

Swissolar und WWF Schweiz wollen, dass Strom aus Kernenergie und fossilen Energieträgern mittelfristig verteuert wird. Damit könne die Schweiz den Umbau des Energiesystems hin zu erneuerbaren Energien und die AKW-Stillegung beschleunigt finanzieren.


Die Allgemeinheit zahle heute doppelt, teilten der Industrieverband Swissolar und die Naturschutzorganisation WWF Schweiz am Montag laut sda mit. Dies einerseits für die Förderung von erneuerbaren Energien und andererseits für die ungedeckten Kosten, die bei der Produktion von "dreckigem Strom" anfielen.
 
Mit der angedachten Abgabe wollen beide Organisationen sowohl Strom aus inländischer wie auch ausländischer Produktion besteuern. Ins Visier nehmen sie neben Atomstrom und Strom aus fossilen Quellen auch den sogenannten "Graustrom", also Strom, dessen Herkunft nicht bekannt ist.

 
Die Abgabe wollen die beiden Verbände entweder bei den Stromlieferanten oder bei den inländischen Produzenten und Stromimporteuren erheben. Eine Besteuerung auf der Ebene der Verbraucher sei hingegen zu aufwändig. WWF und Swissolar stützen sich dabei auf eine Studie des Beratungsunternehmens Infras, die sie in Auftrag gegeben hatten. Mittelfristig soll diese bei 10 Rappen pro Kilowattstunde Strom aus Kohle, Gas oder Atomkraft liegen. Damit kämen jährlich 1,1 bis 1,8 Milliarden Franken zusammen.
 
Ein durchschnittlicher Haushalt, der auf nicht erneuerbaren Strom setzt, müsste gemäss der Studie mit der neuen Abgabe rund 25 Franken pro Monat mehr bezahlen. Diese Erhöhung halten die beiden Verbände sowohl für die Wirtschaft als auch für die privaten Haushalte für "verkraftbar". Wichtig sei allerdings eine schrittweise Einführung.
 
Mit dem Geld sollen erneuerbare Energien gefördert werden - es soll also etwa in den Fonds für die Kostendeckende Einspeisevergütung (KEV) fliessen. Ein weiterer Verwendungszweck für die Abgabe wäre gemäss der Organisationen die AKW-Stilllegung. Die "Dreckstrom-Abgabe" trage dazu bei, dass die Schweiz ihre Stromversorgung bis spätestens 2035 vollständig auf erneuerbare Energien umstellen könne, hiess es am Montag. Es ist dies das Zeitlimit, auf das die Umweltverbände bei der Umsetzung der Energiestrategie 2050 drängen.
 
Petition mit 20'000 Unterschriften geplant
Ihre Forderung nach einer Abgabe auf "Dreckstrom" wollen der WWF und Swissolar nun mittels einer Petition beim Bundesrat und beim Parlament deponieren. Laut Swissolar-Geschäftsleiter David Stickelberger sollen 20'000
Unterschriften bis zur Herbstsession der eidgenössischen Räte gesammelt werden. Ein positiver Nebeneffekt der Abgabe wäre laut den beiden Verbänden, dass die Wasserkraft wieder konkurrenzfähige würde. Unter anderem wegen
marktverzerrender Subventionen für erneuerbare Energien lassen sich Wasserkraftwerke derzeit kaum rentabel betreiben.(tw/sda)