Empa: Schweizer Umweltpreisträger will Haus neu erfinden

Empa: Schweizer Umweltpreisträger will Haus neu erfinden

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Teaserbild-Quelle: Bild: Empa
Im Rahmen der Swissbau in Basel erhielt die Empa den Schweizer Umweltpreis für einen nachhaltigen Dämmputz. Doch das ist nur eine unter vielen Anstrengungen des Preisträgers, das Bauen neu zu erfinden.

Etwa die Hälfte des Energiebedarfs der Schweiz wird durch Gebäude verursacht, und jedes Jahr werden zehn Tonnen Baumaterialien pro Person verbaut.
 Um weniger fossile Energie zu importieren und den Rohstoffverbrauch
senken, müssen neuartige Gebäude entwickelt und in der Praxis
 erprobt werden. Es ist in kaum einem Wirtschaftsbereich so schwierig wie in der Baubranche, neue Konzepte und Ideen am Markt umzusetzen, so die Empa in einer Pressemitteilung. Der Grund seien hohe Investitionskosten, die über lange Zeiträume amortisiert werden müssen, waszu einer geringen Risikobereitschaft führe, die durch die hohe Regeldichte weiter reduziert wird. Um neue Ideen und Konzepte rascher als bisher auf den Markt zu bringen, baut die Empa Demonstrationsprojekte, die unter realen Bedingungen gebaut, bewohnt, genutzt und während dieser Phase wissenschaftlich begleitet werden.

Forschungsgebäude für Universitäten und Bauwirtschaft
Die Empa (Eidgenössische Materialprüfungs- und Forschungsanstalt) und ihr Schwesterinstitut, die Eawag für Wasserforschung, realisieren auf ihrem gemeinsamen Campus in Dübendorf mit Unterstützung des ETH-Bereichs und der öffentlichen Hand die Forschungs- und Technologietransferplattform NEST – ein Versuchs- und Demonstrationsgebäude für Baulösungen der Zukunft. Beteiligt sind führende Wirtschaftspartner der Baubranche, Fachhochschulen und in- und ausländische Universitäten.

NEST (das Kürzel steht für «Next Evolution in Sustainable Building Technologies») wird der Empa und der Eawag unter anderem als Gästehaus für Forscherinnen und Forscher aus aller Welt dienen. Die Bewohner sollen das Haus nutzen und evaluieren. Doch NEST erforscht nicht nur neue Wohn- und Arbeitsformen, sondern auch Energieflüsse und Versorgungstechnik der Häuser von morgen. Die Forschungsmodule werden vom zentralen Backbone aus mit Wasser, Wärme, Elektrizität und Internetanschluss versorgt, die Nutzungsdaten der einzelnen Module detailliert ausgewertet. Das Backbone soll gemäss Planung Anfang 2015 fertig gestellt sein. Parallel werden die ersten Forschungsmodule installiert werden. Vier Teams haben mit der Umsetzung ihrer Module bereits begonnen. Zusätzlich zu den bestehenden Partnern aus Wissenschaft und Industrie sucht die Empa nach eigenen Angaben stets weitere innovative Firmen, die NEST nutzen wollen, um neue Produkte und Systeme zu entwickeln.

Schweizer Umweltpreis für Dämmputz „Sustainable“
Im Rahmen der Swissbau in Basel wurde am Dienstag der Schweizer Umweltpreis verliehen. In der Kategorie „Innovation“ zählte die Abteilung Bautechnologie der Empa zu den Gewinnern. Zusammen mit der Fixit AG, einem Schweizer Putzhersteller, ist es dem Preisträger gelungen, unter der Verwendung von nanoporösem Aerogelmaterial sowie Kalk eine Putzmischung zu entwickeln, die über eine geringe Wärmeleitfähigkeit verfügt. Der neue Dämmputz „Sustainable“ ist sowohl im Aussen- als auch im Innenbereich anwendbar. Die den Preis dotierende Stiftung lobte insbesondere den hohen Grad an Innovation, Ressourcenschonung und Umweltrelevanz. Die Innovationsleistung der EMPA liege in der Rezeptur des Dämmputzes, die im Vergleich zu aktuellen Materialien und Systemen ohne Dämmverlust sehr effizient auch maschinell einlagig in Dicken bis zu acht Zentimeter problemlos aufgespritzt werden kann. Das mag zwar wie ein kleiner Beitrag zur Ressourcenschonung erscheinen, kann jedoch in der Summe eine grosse Wirkung zeitigen. Nicht nur bei Ersatzneubauten, sondern auch bei unzähligen denkmalgerechten Renovierungen und Sanierungen von Altbauten, die in der Schweiz anstehen.(tw/empa)