Elegant mäandrierende Wohnsiedlung

Elegant mäandrierende Wohnsiedlung

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Teaserbild-Quelle: zvg
Welche städtebaulichen und architektonischen Überlegungen stehen hinter der neuen Wohnüberbauung Schutzengel? Der folgende Beitrag vermitteln einen Einblick in die Ideen und Absichten der Projektverfasser.
 
 
 
Von Erich Leutwyler
 
Die Wohnüberbauung Schutzengel ist Teil des übergeordneten Überbauungskonzepts «Stadion- und Boss­ard- Areal»/«Gesamtkonzept Neue Eissportanlagen Herti Zug». Das lange Zeit brach gelegene Areal liegt seeseitig der westlichen Ausfallachse (General Guisan-Strasse) in einem mehrheitlich in den 1950er- und 1960er-Jahren bebauten Wohngebiet. Mit Ausnahme von zwei neueren Sporthallen passierte in diesem Gebiet lange Zeit wenig. Das Wettbewerbsprojekt aus dem Jahr 2004 und die 2011 fertig gestellten Neubauten geben der stark verdichteten Bauweise von Zug West einen Abschluss. Die Suche des Entwurfs nach einer neuen Massstäblichkeit und der städtebaulichen Auf­wertung wurden bereits in den ersten Modellbaustudien ersichtlich (siehe Foto Arbeitsmodell). Die neuen Volumen der Baukörper begleiten die abgedrehten Strassenzüge der General Guisan-Strasse und der Allmendstrasse und übernehmen mit mehreren Knicken deren leicht gekurvten Verlauf. Die neue Überbauung gewährt dem Arenaplatz einen räumlichen Abschluss und verbindet diesen diagonal mit dem Stierenmarkt­areal. Durch das mäandrierende Zurückversetzen der zwei obersten Geschosse wird die Gebäudehöhe optisch gebrochen und nimmt damit den Höhenbezug zum niedrigeren Ensemble um das Restaurant Brandenberg auf.
 
Wohnungstypologie und Fassade
Die heutige attraktive Fassade entwickelte sich aus der Absicht, dass trotz der grossen Bauvolumen eine Massigkeit und Gleichförmigkeit vermieden und die Überbauung trotz seiner dispersen Umgebung eine hohe Wertigkeit vermitteln sollte. Das einfache Prinzip mit einem springenden, sich jedes zweiten Geschoss der identischen Wohnung zuschlagbaren Zimmers verleiht der Südfassade das heutige charakteristische Bild. Das Thema der versetzen Fensteröffnungen wurde um das ganze Haus herum gewoben und mit grossen Öffnungen nordseitig in den obersten beiden Geschossen ergänzt. Die eingefügten Balkone der Nordfassade dienen auch dem Schutz vor Strassenlärm. Das Bild ist interagiert mit dem Innenleben der Wohnungstypologie. Während in den Regelgeschossen 3 ½- und 4 ½-Zimmer Geschosswohnungen angeboten werden, wechseln diese in den oberen beiden Geschossen zu grösseren, teilweise vertikal verbundenen Wohnungen. Diese Zäsur im Wohnungsmix spielt mit der schönen Seesicht der obersten Wohnungen und der sich durch den südlichen Volumenrücksprung ergebenden attraktiven Terrasse. Die Grosszügkeit der obersten beiden Wohngeschosse wird durch die Baumnischen beim Zugang zu den Wohnungen unterstrichen. Aber auch die Effizienz der Wohnflächen konnte optimiert werden, da sich durch diesen Wohnungswechsel mehrere Treppenkerne nur bis zum 5. Obergeschoss ziehen.
 
Architektur und Konstruktion
Während entlang der General Guisan-Strasse die Wohnungsgrundrisse durch eingestellte Nasszellen in einen Nacht- und Tagbereiche geteilt sind, bieten die niedrigeren Bauten entlang der Allmendstrasse von Osten nach Westen durchgängige Tagesräume an. Verschiedene Konstruktionsdetails unterstreichen die architektonischen Absichten der Projektverfasser. Das haptische Kleid mit den weiss geschlämmten Klinker- Verblendern soll mit den prägnant gesetzten Fenster­öffnungen kontrastieren. Gegen Norden zum Eisstadion und zur Strasse sind die Öffnungen aussen fassaden­bündig gesetzt und bilden einen harten Abschluss, während sich die Fassade nach Süden zu einer raumhaltigen Loggienschicht erweitert.
 
Der Verfasser ist Partner im Büro Leutwyler Partner Architekten mit Büros in Zug und Zürich.
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Informationen

Umgebungskonzept

 
Durch die Situierung der Bauvolumen entlang der General Guisan- und der Allmendstrasse entsteht Richtung See ein geschützter, halbprivater Aussenraum. Zusammen mit dem bestockten Damm im Osten entsteht eine innenhofähnliche Situation. Als Kontrast zum urbanen Vorplatz des Eisstadions wird ein üppiger Grünraum gestaltet, der als Teil des städtebaulich wichtigen Grünkorridors zwischen Lorzenebene und See interpretiert wird. Die Zufahrt für die Feuerwehr erfolgt über befahrbare Grünflächen (Schotterrasen). Im Süden des Bossard-Areals akzentuieren Einzelbäume und Baumgruppen den Fussweg und schaffen gegenüber der Jugend­herberge einen geschützten Aussenraum. Im Norden der Bebauung wird die für die General Guisanstrasse typische Platanenreihe weitergeführt. Entlang der Strasse wird die Absenkung mit einer Hecke oberhalb der Mauer begleitet. Die Südliche Allmendstrasse wird zu einer Begegnungszone und bleibt weiterhin eine wichtige öffentliche Verbindung zwischen Eisstadion, Stierenmarktareal und dem See. Dieser Strassen­raum differenziert sich im Charakter zur nördlichen Allmendstrasse; durch Solitärbäume und Baum­gruppen werden Akzente gesetzt.
 
Jessica Garms, Appert & Zwahlen GmbH,Landschaftsarchitekten BSLA, Cham
 
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Leutwyler Partner Architekten AG

 
Das von Erich Leutwyler im Jahr 1997 gegründete Architekturbüro Leutwyler Partner Architekten AG mit Hauptsitz in Zug und Zweigniederlassung in Zürich ist in den Hauptbereichen Arealentwicklungen, Wettbewerbe sowie Planung und Realisierung tätig. Zur Hauptsache handelt es sich dabei um Neu- und Umbauten von Wohn-, Schul- und Infrastrukturobjekten. Das Büro beschäftigt zurzeit 37 Mitarbeitende und bearbeitet aktuell unter anderem folgende – häufig über Wettbewerbsverfahren oder Projektentwicklungen akquirierte – Grossprojekte:
  • Wohnüberbauung Hello Baar Zug, 200 Wohn­einheiten (2010–2012)
  • Zentrumsüberbauung Samstagern, 100 Wohn­einheiten, div. Nutzer (2010–2012)
  • Chämberg Hünenberg-See, 6 exklusive Stadtvillen (2011–2013)
  • Wohnüberbauung Obstgarten Hedingen (2011–2013)
  • Wohnüberbauung Suttergut Burgdorf, 150 Wohneinheiten (2011–2013)
  • Wohn- und Geschäftshäuser am Postplatz Zug (2012–2015)
  • Unterführungen und Ausbau Bahnhof Oerlikon (2011–2016)
  • Tuwagareal Wädenswil, ZHAW, Wohnen und Gewerbe (2013–2016)