Einsprache gegen das Projekt "Aarewasser"

Einsprache gegen das Projekt "Aarewasser"

Gefäss: 
Die Wasserverbund Region Bern AG und Energie Wasser Bern haben gegen den kantonalen Wasserbauplan Einsprache erhoben. Grund: Das über 100 Millionen Franken teure Hochwasserschutzprojekt entlang der Aare zwischen Thun und Bern beeinträchtige mehrere Trinkwasserfassungen.
 
Das Projekt "Aarewasser", das gegenwärtig öffentlich aufliegt, nehme zentrale Anliegen der Wasserversorgungen zu wenig ernst, hielten die Unternehmen fest. So dürften die Schutzmassnahmen nicht dazu führen, dass weniger Trinkwasser zur Verfügung stehe oder dessen Qualität gefährdet sei.
Und genau dies befürchten die Unternehmen aber, wie Bernhard Gyger, Geschäftsführer Wasserverbund Region Bern AG, auf Anfrage der SDA ausführte. Wird die Aare in Kiesen im Gebiet der Wasserfassungen verbreitert, hat das Wasser laut Gyger weniger Fliessstrecke vom Fluss bis zur Fassung zu überwinden. Weil die Uferschichten auf dieser Strecke das Wasser reinigen, könnte sich dies langfristig negativ auf die Wasserqualität auswirken. Gyger geht davon aus, dass deshalb zwei oder drei der bestehenden fünf Fassungen in Kiesen aufgehoben werden müssten.
 
In der Belpau soll die Aare bei Hochwasser gezielt unbebautes Land fluten. Auch dort befinden sich Trinkwasserfassungen, die dann gemäss Gyger unbrauchbar würden. Er verstehe nicht, warum der Fluss gerade an jenen Orten verbreitert werden müsse, wo sich Wasserfassungen befinden. – Sorgen bereitet Gyger auch die Wasserleitung im Aaretal, weil diese durch die Bauarbeiten wegen Erschütterungen oder Setzungen beschädigt werden könnte. Eine Verlegung der Leitung komme nicht in Frage, weil sie heute das freie Gefälle nutzt und somit keinen Strom braucht.

Suche nach neuen Quellen schwierig

Die Unternehmen befürchten Konsequenzen für Stadt und Agglomeration Bern. Die Wasserfassungen in Kiesen und in der Belpau sind die Hauptlieferanten für das Wasser in der Bundesstadt. Denn die Suche nach neuen Quellen wäre aufwändig. "Man kann Wasser nur bei grossen Grundwasserströmen fassen und nicht einfach nach Belieben", erklärt Gyger. Als weitere Möglichkeit könnte Bern sein Wasser aus anderen Regionen beziehen. Diese wäre aber wiederum mit Kosten verbunden.
 
Man habe mehrmals das Gespräch mit dem Kanton gesucht und auf die Bedeutung der Wasserfassungen hingewiesen, schreiben die Unternehmen in ihrer Medienmittelung. Weshalb die Anliegen seiner Meinung nach unberücksichtigt blieben, ist für Gyger unverständlich. (sda)
 

Das Projekt

Mit "Aarewasser" soll der Fluss zwischen Thun und Bern in den kommenden 25 Jahren mehr Platz erhalten. Aufgegleist wurde das Projekt nach der Hochwasserkatastrophe von 1999. Geplant sind Massnahmen an 25 Stellen in 18 Gemeinden. Dazu gehört etwa auch die umstrittene Ausweitung in der Berner Elfenau. Die Massnahmen dürften Kanton, Bund und Gemeinden über 100 Millionen Franken zu stehen kommen. (sda)