Einer für alle, alle für einen

Einer für alle, alle für einen

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Teaserbild-Quelle: G. Bally/Keystone
Der 40. Wakkerpreis geht an neun Waadtländer Gemeinden: Der Schweizer Heimatschutz zeichnet Bussigny, Chavannes, Crissier, Ecublens, Prilly, Renens, St-Sulpice, Villars-Ste-Croix und Lausanne aus für ihre vorbildliche, identitätsstiftende Gebietsentwicklung.
 
Gleich neun Gemeinden hat der Schweizer Heimatschutz mit dem Wakkerpreis 2011 geehrt. Er wolle keine Postkartenidylle diesmal auszeichnen, sondern eine Vision, begründet der Heimatschutz die Wahl. Die städtebauliche Neuorganisation eines Teilgebiets des Kantons Waadt habe eine Dynamik des Wandels ausgelöst. Diese ziele darauf ab, die Wohnqualität der Bewohner zu verbessern. Der Verein lobte den gemeinsamen Willen der Preisträger, den «Quartiergeist» zu stärken in einem Umfeld, das nicht von vornherein identitätsstiftend wirke.

Ordnung statt Chaos

Der einst landwirtschaftlich geprägte Westen von Lausanne hat sich chaotisch entwickelt. Das Resultat ist eine wenig attraktive Agglomeration, beherrscht von Verkehrsachsen, Eisenbahnknoten, Parkplätzen, Einkaufszentren, Lagergebäuden und Brachen. Diese schnelle und verzettelte Verstädterung hat zu Umweltverschmutzungs- und Verkehrsproblemen geführt mit direkten Auswirkungen auf die Lebensqualität, was die soziale und wirtschaftliche Entwicklung der Region gefährdete.

Im Jahr 2000 haben sich der Kanton Waadt und die neun Gemeinden auf ein Baumoratorium geeinigt, um über die Zukunft der Region nachzudenken, die heute 75'000 Bewohner zählt und rund 50'000 Arbeitsplätze bietet. Die neun Gemeinden sind über ein politisches Abkommen miteinander verbunden. Als Werkzeug haben sie sich den Richtplan für Lausanne West, SDOL (Schéma directeur de l’Ouest lausannois), gegeben. Seit 2003 ist das zuständige Büro mit sechs Personen damit beauftragt, die Zukunft eines der wichtigsten Wachstumspole der Westschweiz neu zu überdenken und zu gestalten. L’Ouest lausannois wird zur Stadt und bereitet sich auf die Ankunft von 20'000 bis 30'000 neuen Bewohner vor, ohne dabei seine Identität zu verlieren.

Vorbildliche Koordination

Die ursprüngliche Vision nimmt in konkreten, untereinander koordinierten Projekten Form an. Bahnhöfe, Anlagen für ein Tram, Pärke, restrukturierte und neu belebte Quartiere, all diese Vorhaben werden nach den Prinzipien der nachhaltigen und aufeinander abgestimmten Entwicklung vorangetrieben. Eine entscheidende Phase stellten die letzten beiden Jahren dar, als die ersten Baustellen der im Rahmen des SDOL geplanten Bauten begonnen wurden.

Mit partizipativen Verfahren und Teststudien haben die Gemeindebehörden und das Büro des SDOL die Bewohner in den Wandlungsprozess einbezogen. Das systematische Ausschreiben von Architekturwettbewerben für Projekte ab einer gewissen Grösse führte zu qualitätsvolle Lösungen. Die besten Beispiele dafür sind die neue Place du Marché, die in Renens wieder ein eigentliches Zentrum schafft, die ehemalige Industriebrache Malley oder der Bahnhof Renens.

Vierte Auszeichnung für Kanton Waadt

Wie l‘Ouest lausannois haben sich auch andere Agglomerationen in der Schweiz im toten Winkel der Gesellschaft entwickelt. Heute stellen diese Gebiete eine grosse Herausforderung für Politik und Gesellschaft dar: ungezügelter Verbrauch von Bauland, überlastete Verkehrsachsen oder gesichtslose urbane Räume.

Mit der Verleihung des Wakkerpreises 2011 an die Gemeinden von Lausanne West will der Schweizer Heimatschutz die Behörden ermuntern, ihre vor zehn Jahren in Angriff genommenen Bemühungen fortzusetzen. Nach Saint-Prex (1973), Montreux (1990) und Yverdon-les-Bains (2009) ist es das vierte Mal, dass der Wakkerpreis an eine Gemeinde oder Region des Kantons Waadt geht. Die offizielle Preisübergabe findet am 18. Juni 2011 im Rahmen einer öffentlichen Feier statt. (mgt/mrm)