Eine Schabe oder ein Kristall?

Eine Schabe oder ein Kristall?

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Das musée de confluences, Visualisierung (Coop Himmelb(l)au)

Lyon hat ein neues museales Flaggschiff: das musée de conflunences. Der architektonisch aussergewöhnliche Bau wird von seinen Erschaffern mit den Worten „Kristall“ und „Wolke“ beschrieben. Die NZZ sieht in ihm eher eine „Riesenschabe mit Inox-Panzer“.

Erbaut auf dem aufgeschütteten Schwemmland an der Südspitze der Halbinsel von Lyon, da, wo Rhône und Saône zusammenfliessen, hat das neue musée de confluences schon jetzt Geschichte geschrieben. Denn alles an dem Bau des Wiener Architekturbüros Coop Himmelb(l)au ist aussergewöhnlich, wie die NZZ schreibt: seine Architektur, seine prominente Lage, sein Programmkonzept seine Baukosten. Weniger ein futuristisches Luftschloss als eine dekonstruktivistische Trutzburg, mute das Museum in seiner monochromen Massivität an wie eine gigantische graue galaktische Schabe, deren Chitinpanzer bei der Landung ramponiert worden sei und die darum, hier gestaucht, da auseinandergezogen, ebenso ungelenk wie unsymmetrisch auf merklich weniger Beinen dasitze als vor ihrem Abflug, heisst es. Den „Kopf“ bilde gemäss diesem Vergleich ein einziges helmartiges Facettenauge aus rund 2000 Glasscheiben, den „Körper“ ein langgezogener Leib mit 17‘000 dreieckigen Inox-Schuppen. Die Architekten nennen ihr Werk freilich nicht Schabe, sondern beschreiben den „Kopf“ und den „Körper“ als „Kristall“ und „Wolke“.

Den Bau darf man ruhig als monumental beschreiben. Nur schon der Sockel bringt es auf eine Länge von 180 Metern, eine Breite von 90 Metern und eine Höhe von acht Metern. Er besteht aus 14‘000 Kubikmetern Sichtbeton. Der 25‘000 Tonnen schwere „Körper“ der NZZ-Schabe wird von 14 Pfeilern und drei Treppen- und Aufzugsschächten getragen. (pd/mt)

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