Eine halbe Milliarde mehr für die Schiene

Eine halbe Milliarde mehr für die Schiene

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Der Nachholbedarf beim Unterhalt des SBB-Schienennetzes ist grösser als angenommen. Laut Netzzustandsbericht 2013 ist hauptsächlich die Belastung der Gleise schuld: Sie werden intensiver befahren als früher, zudem sind die Züge schwerer, schneller und beschleunigen stärker. - 2012 hatte man mit Kosten für den Nachholbedarf beim Unterhalt mit 1,8 Milliarden Franken gerechnet, nun sind es 2,3 Milliarden.

Interne und externe Analysen haben laut Mitteilung der SBB ergeben, dass die Fahrbahn in den vergangenen Jahrzehnten im Verhältnis zur wachsenden Belastung zu wenig erneuert und unterhalten worden ist. Die Gleisanlagen könnten nicht wie bisher angenommen 37 Jahre, sondern nur 33 Jahre lang genutzt werden, heisst es weiter.

Seit letztem Jahr überprüft die SBB den Zustand ihrer Gleisanlagen mit einem neuen Diagnosefahrzeug. Weil dieses präzisere Messwerte als das alte liefert, wurden dreimal mehr Schienenschäden festgestellt wie im 2012. So sind heuer 5100 Schienenfehler ausfindig gemacht worden - im Jahr zuvor stellte man  gerade mal 1600 fest.

Insgesamt investierte die SBB 129 Millionen mehr in den Netzunterhalt als geplant. Für diesen Fehlbetrag müsse das Unternehmen selbst aufkommen, sagte Sprecher Christian Ginsig auf Anfrage. „Dafür braucht es schmerzhafte Sparanstrengungen.“ Massnahmen sind laut Ginsig etwa die verzögerte Wiederbesetzung von freien Stellen in der Verwaltung oder das Hinausschieben von Projekten. Sicherheit, Pünktlichkeit und Kundenanliegen würden von den Sparmassnahmen nicht tangiert. Geprüft werden auch Sparmöglichkeiten beim Ausbau. Zumal die SBB dieses Jahr und 2015 die SBB wegen des Unterhalts Defizite in ähnlicher Höhe erwartet. Der Grund dafür liegt in der geltenden Leistungsvereinbarung: Sie sieht fixe Beträge für den Unterhalt vor. Genügen diese nicht, müssen die SBB die Mehrkosten selbst bezahlen. Mit dem Inkrafttreten des Bahninfrastruktur-Fonds (FABI) soll es laut den SBB ab 2016 eine Lösung geben.

Wie diese aussieht, ist noch offen. Zurzeit laufen Gespräche der SBB mit dem Bundesamt für Verkehr (BAV). Dies bestätigte BAV-Sprecher Andreas Windlinger. Voraussichtlich werde der Bund über den Bahninfrastruktur-Fonds ab 2016 an die zusätzlichen Unterhaltskosten der SBB einen Beitrag leisten.

Bahnhof Bern in kritischem Zustand

Im Netzzustandsbericht beurteilt die SBB Substanz, Sicherheit und Verfügbarkeit ihrer Infrastrukturanlagen. 2013 waren rund 71 Prozent in einem sehr guten oder guten Zustand und 22,5 Prozent in einem „mittleren“ Zustand. 6,5 Prozent der Einrichtungen wurden als schlecht oder mangelhaft beurteilt.

Neu als kritisch ausgewiesen wurde im Bericht unter anderem die Bausubstanz des Bahnhofs Bern. Laut Bericht sind im Zusammenhang mit einer separaten Risikostudie Mängel bezüglich Erdbebensicherheit der Tragstruktur entdeckt worden. Die Studie schlägt entsprechende Ertüchtigungsmassnahmen an den Perrondächern und beim Parkhaus Grosse Schanze vor. Die SBB wollen diese bis 2025 umsetzen. Als kritisch bewertet wurde auch der Zugang zum Bahnhof Bern sowie die Zugänge zu den Bahnhöfen Lausanne, Biel, Effretikon und Genf.

Als „akut kritisch“ ist keine Anlage eingestuft worden. Der Bericht zeige insgesamt einen guten Zustand der SBB- Infrastrukturanlagen, resümieren die SBB in der Medienmitteilung. Im Vergleich zum Vorjahr habe die Sicherheit leicht gesteigert werden können. Die SBB führt dies insbesondere auf den laufenden Ersatz der Zugsicherungsanlagen Signum und ZUB zurück.

Dennoch muss die SBB auch Versäumnisse nachholen, aus den Jahren 1995 bis 2010 Versäumtes. Die vernachlässigte Pflege der Schienen hat beispielsweise vorzeitige und ungeplante Schienenwechsel auf der Neubaustrecke Mattstetten BE - Rothrist AG zur Folge. Auch ein Zugunfall in Schwerzenbach ZH im Februar 2013 wurde auf eine beschädigte Schiene zurückgeführt. (mai/sda)