Eine E-Pferdekutsche für den Abfall

Eine E-Pferdekutsche für den Abfall

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Teaserbild-Quelle: zvg
In Zusammenarbeit mit der Gemeinde Avenches und einem Freiburger Ingenieurbetrieb hat die Forschungsanstalt Agroscope den Prototyp einer E-Kutsche vorgestellt. Allerdings wird dem elektrisch betriebenen Fahrzeug nach wie vor ein Pferd vorgespannt. Es soll beim Einsammeln von Abfällen zum Einsatz kommen.
 
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Pilotversuch in Avenches: Müllsammeln mit der Elektrokutsche.
 
Landläufig herrscht wohl die Meinung vor, dass einer Kutsche ein Pferd vorgespannt wird, weil ihr ein eigener Antrieb fehlt. Doch in Zeiten, in denen Radfahrer dank E-Bikes nicht mehr trampeln müssen, ist die Entwicklung einer Kutsche mit pferdeentlastendem Elektromotor eigentlich nur konsequent.
 
Was auf den ersten Blick absurd erscheint, macht bei näherer Betrachtung allerdings durchaus Sinn. Denn der Einsatz von Pferden erlebt anscheinend ein Comeback. Immer mehr Gemeinden würden sich für den Einsatz von Pferden interessieren, schreibt die Forschungsanstalt Agroscope. Besonders in Frankreich sei das Interesse gross.
Weil die natürliche Zugkraft des Pferdes beschränkt sei, müsse allerdings elektrische Unterstützung her. Heute würden wirtschaftliche Aspekte und Sicherheit grossgeschrieben und die Mehrheit der Nutzer wünsche, dass mit nur einem vorgespannten Pferd gearbeitet werden könne. Und dessen natürliche Zugkraft ist beschränkt. Die E-Kutsche soll all diesen Ansprüchen Genüge leisten.

Kommunalarbeiten mit der E-Kutsche

Agroscope hat, gemeinsam mit der Gemeinde Avenches und einem Freiburger Ingenieurbetrieb das Projekt zur „Nutzung des Pferdes für Kommunalarbeiten dank einer E-Kutsche“ vorgestellt. So werden im Städtchen Avenches in einem Pilotversuch Abfälle mit der Pferdekutsche eingesammelt.
 
Der Prototyp des elektrisch betriebenen Gespanns vereint gemäss Agroscope Rentabilität und das Wohlbefinden des Pferdes. Die Kutsche verfügt über ein System zur Messung und Unterstützung der Zugkraft des Tieres und verleiht dem Gespann so mehr Leistungsfähigkeit und Ausdauer. Bei den für dieses Experiment eingesetzten Pferden handelt es sich ausschliesslich um Freiberger Hengste, die im Besitz des Schweizerischen Nationalgestüts stehen.

Mehr Pferd im öffentlichen Raum

Mit diesem Projekt, ist man bei Agroscope überzeugt, würde eine ökologische, praktische und lärmfreie Lösung für den Nahverkehr vorgestellt. Schliesslich verschlängen Kommunalarbeiten wie zum Beispiel die Müllabfuhr normalerweise grosse Mengen an Kohlenwasserstoff, da die motorisierten Nutzfahrzeuge ständig anhalten, neu starten, beschleunigen und wieder abbremsen müssen. Doch nicht nur aus ökologischen Gründen glaubt Agroscope an die E-Kutsche. So schreibt die Forschungsanstalt: «Tradition und Technologie werden in diesem Projekt in Einklang gebracht – aber damit noch nicht genug; hinzu kommt eine bedeutende soziale Komponente, da die Pferdekutsche insbesondere bei der sozialen Integration von Jugendlichen oder Behinderten viel Potenzial bietet.» (mrm/mgt)