Ein Turm für Katars tote Bauarbeiter

Ein Turm für Katars tote Bauarbeiter

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Turmhohes Denkmal: So stellen sich die Architekten ihr Denkmal vor. 8zvg)

Während sich Katar für die Fussball-WM 2022 vorbereitet und neue Stadien entstehen, sieht es auf den Baustellen der Prestigeprojekte katastrophal aus. Sklavenartige Arbeitsbedingungen und Hunderte von Todesfällen unter den Bauarbeitern. Zwei Architekten haben ein Denkmal für sie entworfen. Obwohl es nie gebaut wird, erinnern sie damit an einen beinahe aus den Medien verschwundenen Skandal.

Zu Jahresbeginn veröffentlichte die indische Botschaft traurige Zahlen: 2012 starben 237 indische Gastarbeiter auf Katars WM-Baustellen, im 2013 waren es 218. Ähnliche Zahlen vermeldete damals die Botschaft Nepals: Sie sprach von 200 Todesfällen im 2013. Als diese Zahlen bekannt wurden, sorgte dies weltweit für einen Aufschrei. Zwar kündigte Katar letzten Mai Arbeitsrechtsreformen an. Der internationale Gewerkschaftsbund monierte aber damals, dass es auch weiterhin keinen Mindestlohn gebe, dass auch weiterhin kein wirksames System gewährleiste, dass die Arbeitsnormen eingehalten würden und dass keinerlei Massnahmen angekündigt worden seien, die verhindern, dass ausländische Arbeitskräfte in Katar ums Leben kommen oder verletzt werden.

An diesen Zuständen hat  sich bisher offenbar wenig geändert. Denn auch an der Session des Internationalen Olympischen Komitees (IOK) von vergangener Woche waren derlei Zustände ein Thema: Menschenrechtsgruppen wie Amnesty International, Human Rights Watch und Terre des Hommes wandten sich in einem offenen Brief ans IOK und forderten die Mitglieder auf, bei künftigen Vergaben von Spielen etwa Menschenrechte und menschenwürdige Arbeitsbedingungen hoch zu gewichten.

Zaha Hadid als Inspiration

Axel de Stampa und Sylvain Marcaux,  die sich mit ihrem „1week1project“ spontaner Architektur verschrieben haben und auf der dazugehörigen Website wöchentlich eine Architektur-Idee posten, haben sich für die toten Gastarbeiter ein riesiges Denkmal ausgedacht, das mit jedem weiteren Opfer in die Höhe wachsen soll. Das Konzept dahinter ist einfach: Für jeden verstorbenen Bauarbeiter wird ein weiterer  Balken aufgetürmt. Macaux erklärte gegenüber dem Newsblog  „thefastcoexist.com“ dass ihn Zaha Hadid inspiriert habe. Sie hätte gesagt, dass sie mehr über die Situation im Irak besorgt sei und dass Arbeiter für Architekten massgebend seien. Sie habe nichts mit ihnen zu tun. Es sei Sache der Behörden, sich um das Problem zu kümmern. „Die Tatsache, dass eine der bekanntesten Architektinen solches sagt, gab den Anstoss.“ Es sei traurig. Denn eigentlich könnten solche Baustellen auch Orte sein, an denen Architekten und ihre Partner der Welt zeigen könnten, dass man gemeinsam etwas tolles erreichen könne, so Marcaux.  

Als idealen Ort für ihr Werk stellen sich Marcaux und de Stampa die Wüste bei Doha vor, weil man das Denkmal so auch von der Stadt her gut sehen könnte weil es nahe bei der Skyline der Stadt stünde. (mai)