Ein Times Square für Mumbai

Ein Times Square für Mumbai

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Es ist eines der ältesten Stadtteile Mumbais: Das Khala-Goda-Viertel. Geht es nach der indischen Zentralregierung, wird es bald aus der Stadt verschwinden. Es soll mit einer Geschäfts- und Einkaufsmeile nach dem Vorbild des New Yorker Times Square ersetzt werden. Dem Ansinnen weht seitens Denkmalschützern und Anwohnern ein eisiger Wind entgegen. Sie wollen das Projekt mit aller Macht verhindern.

Nach Bekanntwerden der Regierungspläne haben die Anwohner zu umfassenden Protesten aufgerufen. Ihre Ablehnung begründen sie sie etwa mit er durch den Umbau zu befürchtende Lärm- und Staubbelastung sowie der sich damit verbundene abzeichnende Mangel an verfügbaren Parkplätzen. Unterstützung bekommen die möglichen Nachbarn des indischen Times Square aber auch von nationalen Denkmalschützern. „Diese Pläne sind womöglich sogar illegal, weil sie die strikten Baurichtlinien Indiens für historische Gebiete verletzen“, erklärt Maneck Davar, Ehrenvorsitzender der Kala Ghoda Association, einer Non-Profit-Organisation, die sich für den Schutz von Kulturgütern engagiert. Prinzipiell sei es zwar positiv zu werten, dass die Regierung das Viertel aufpolieren wolle. „Das Modell des Times Square ist aber ein Reinfall und passt hier absolut nicht “, so sein vernichtendes Urteil.

Derweil sieht man es anders bei der staatsnahen Maharastra Tourism Devolop Corporation:  „Wir werden ein gewaltiges Volksfest veranstalten, mit Jongleuren und allem, was dazugehört. Es wird sehr geschäftig zugehen“, erklärte Valsa Nair Singh, Managing Director der Organisation, die direkt dem Tourismusministerium untersteht. Wie es in einer Stellungnahme der Corporation heisst, gehen die aktuellen Pläne der Regierung „wirtschaftlich gesehen genau in die richtige Richtung“. Die Einnahmen aus dem Tourismussektor seien ein zunehmend wichtiger Antriebsmotor für die indische Wirtschaft. „Wenn wir die Geschäftsreisenden in Mumbai dazu bringen könnten, nur eine Nacht länger zu bleiben, wäre das ein wichtiger Zugewinn“, sagt Singh.

Dass die indische Regierung ausgerechnet den Tourismussektor auserkoren hat, um zusätzliches Geld in die eigenen Staatskassen zu spülen, kommt nicht von ungefähr. Gerade Mumbai ist als Hauptstadt des Bundesstaates Maharashtra nicht nur das Handels- sondern auch das kulturelle und wirtschaftliche Zentrum des Landes. Alleine im vergangenen Jahr haben mehr als vier Millionen ausländische Touristen die Hafenstadt besucht. Das ist die höchste Besucherzahl in ganz Indien. (mai/mgt)