Ein Strassentunnel für Stonehenge

Ein Strassentunnel für Stonehenge

Gefäss: 

Vierspurig und 2.9 Kilometer lang ist der Strassentunnel, der dereinst unter Stonehenge hindurchführen soll. Das Bauvorhaben, mit dem die Behörden die Situation auf der chronisch überlasteten Fernverkehrstrasse in der Nähe des Steinkreises entschärfen wollen, besorgt Archäologen und Denkmalschützer. Sie fürchten, dass im Zuge der Bauarbeiten noch unentdecktes, wertvolles Kulturgut verloren geht.

Die prähistorische Anlage ist eine heilige Stätte für Neodruiden und neuzeitliche Heiden, vor allem aber ist sie eines der grössten Touristenmagnete Grossbritanniens: Stonehenge. In der Nähe befindet sich die A303. Die Fernverkehrsstrasse verbindet Basingstoke in Hampshire mit Honiton in Devon und ist chronisch massiv überlastet. Um die Situation zu entschärfen, soll sie ausgebaut werden. Ein wichtiger Teil des Projekts ist die Untertunnelung von Stonehenge mit einer 2.9 Kilometer langen, vierspurigen Strasse.  

Das Vorhaben sorgt schon länger für Kontroversen. Der Grund: Der neue Verkehrsweg zerteilt den archäologisch bedeutsamen Grund. Denn Stonehenge ist „nur“ ein Teil einer viel grösseren Anlage. So gehören etwa noch eine Festung aus der Eisenzeit dazu, mehrere Hundert Meter umfassende Mauerwerke und verschiedene Hügelgräber. Dasselbe gilt für die sogenannte Stonehenge Avenue, ein nach der Sommersonnenwende ausgerichteter, zwischen 2600 und 1700 v. Chr. angelegter Weg, der zum Avon-Fluss führt.

Vor allem Archäologen und Denkmalschützer fürchten, dass mit dem Bau wertvolles und bisher noch unentdecktes Kulturgut für immer zerstört wird. Zumal Forscher vorletztes Jahr rund drei Kilometer von Stonehenge entfernt unter dem Boden einen Steinkreis  entdeckten, der um ein Vielfaches grösser als Stonehenge selbst ist. Ausserdem dürften die Lichter des Tunnels die Sicht auf den Sonnenuntergang während der Wintersonnenwende behindern, wenn Tausende zwischen den riesigen Steinen den kürzesten Tag des Jahres zelebrieren.

Trotzdem haben die Behörden dem rund zwei Milliarden Pfund teuren Bauvorhaben grünes Licht erteilt. Noch bis 5. März kann sich die Bevölkerung zu den Bauplänen äussern. Bei Highways England ist man zuversichtlich, dass die Bauarbeiten im 2020 starten können – und 2029 beendet sind. (mai)