Ein Stahlnetz für Weltraumschrott

Ein Stahlnetz für Weltraumschrott

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Teaserbild-Quelle: Flickr/keithfiore
Der Schrott, der die Erde umkreist, stellt nicht nur für Raumschiffe und Satelliten eine Gefahr dar. Japanische Wissenschaftler wollen nun den Weltraummüll zusammen mit einer Fischernetzfirma entsorgen.
 
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Die Erde ist von einer Hülle aus Schrott umgeben.
 
Rund eine halbe Million Schrottteile fliegen im Weltraum umher. Zum Teil düsen sie mit bis zu 28’000 Stundenkilometern durchs All. Die Folge: zahllose Schäden an Raumschiffen und Satelliten. Doch das ist nicht die einzige Gefahr, die von sogenannter «Space Debris» im All ausgeht. So könnten Kollisionen unkontrollierbare Kettenreaktionen auslösen und sogar die Kommunikationsnetzwerke der Erde zerstören, warnt ein US-Bericht.
 
Die japanische Raumfahrtagentur Jaxa will nun eine Lösung für das Problem gefunden haben: Laut ihren Experten könnten das Problem des Weltraummülls Fischernetze lösen. Jaxa will nun zusammen mit der Fischernetzfirma Nitto Seimo ein gigantisches Netz in das Weltall errichten, das wie eine Müllabfuhr den ausserirdischen Schrott einsammelt.
 
Das Netz besteht aus besonderen Ein-Millimeter-Metallfäden und ist mehrere Kilometer gross sein. Es soll mit einem Satelliten es in die Erdumlaufbahn katapultiert werden. Dann startet es seine Runde um die Erde und sammelt dann auf seinem Weg den Schrott ein. Weil es sich dabei elektrisch lädt, nähert es sich wegen der magnetischen Felder allmählich wieder der Erde. Und dabei, so der Plan der japanischen Wissenschaftler, verglüht es beim Eintritt in die Atmosphäre mitsamt seinem Inhalt.

Schrott fischen

Einen ähnlichen Plan hegte schon Russland, allerdings in etwas kleineren Dimensionen: Der Müll sollte durch Hunderte wesentlich kleinerer Netze in die Atmosphäre oder gar in den Südpazifik umgeleitet werden. Dieser und andere Lösungsvorschläge wurden immer wieder fallen gelassen. Auch ob das japanische Projekt umsetzbar ist, wird sich erst noch zeigen. „Vorerst gilt es, die Umsetzung abzuwarten. Es gibt bisher unzählige Ideen des Einfischens der Space Debris, die wieder in der Schublade verschwanden“, sagt Andreas Schütz, Sprecher des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt. Denn eine wesentliche Hürde sei die hohe Geschwindigkeit der Schrottteile von bis zu 28’000 Stundenkilometern, weshalb auch Auffangnetze erdumkreisende Bewegungen machen müssten. Das Aufräumen bezahlen werden aus laut Schütz die Staaten übernehmen müssen, die den Weltraummüll verursacht haben. „Seit Mitte der 90er-Jahre werden ausgediente Teile aus dem Erdorbit entweder zurückgeführt oder in solche Bahnen gebracht, dass sie keine Gefahr mehr darstellen.“ Die meisten im Weltall befindlichen Teile stammten aus der Zeit davor.
 
Trotzdem fehlen verbindliche Gesetzen für den Weltraumschrott bislang weitgehend; was sowohl seine Entsorgung als auch die Haftung bei Kollisionen betrifft. Rechtswissenschaftler haben vor Kurzem einen entsprechenden Prinzipienkatalog im Völkerrecht gefordert. Weil dabei aber die jeweiligen Verursacher zur Kasse gebeten werden sollen, harzt die Diskussion aber. (mai/mgt)