Ein Schornstein ist auch ein Kunstwerk

Ein Schornstein ist auch ein Kunstwerk

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Teaserbild-Quelle: Quelle: CF Moller

Kamine von Kraftwerken sind normalerweise keine schönen Bauwerke, obwohl sie die Landschaft prägen. Anders in London: Auf der Greenwich-Halbinsel ist kürzlich ein Heizkraftwerk fertiggestellt worden, dessen Schornstein als goldene Skulptur daherkommt.

In Grossbritanniens Hauptstadt London erhebt sich eine goldene Skulptur 49 Meter hoch in den Himmel. Ein neuer Wohnturm? Ein Kirchturm? Nein, die Landmarke ist nichts weiter als ein Kamin. Er gehört zum Heizkraftwerk „Low Carbon Energy Center“, das kürzlich eingangs der Landzunge Greenwich Peninsula, direkt am Eingang zum Blackwall-Tunnel, fertiggestellt wurde. In diesem Gebiet entsteht in den nächsten Jahren ein neuer Stadtteil mit mehr als 10‘000 neuen Gebäuden und über 300‘000 Quadratmetern Büroflächen. Auch der Schweizer Stararchitekt Santiago Calatrava soll hier seinen Fussabdruck hinterlassen. Von ihm stammt der Entwurf zu einem Kulturtempel (baublatt.ch berichtete) auf der Peninsula Place.

Das 3000 Quadratmeter grosse Heizkraftwerk stammt aus der Feder von CF Moller und ist laut Website des dänischen Architekturbüros das „grösste neu gebaute Heizkraftwerk in einem Wohngebiet in Europa“. Es soll 10‘000 Haushalte mit Fernwärme versorgen. Die offenkundigste Besonderheit an diesem ansonsten eher schlichten Bauwerk – ein schwarzer Kubus – ist der golden verkleidete Schornstein. Die Skulptur wurde vom britischen Künstler Conrad Shawcross entwickelt. Sie besteht aus hunderten von dreieckigen Platten, die sich gefaltet über den gesamten Kamin verteilen, wodurch einzigartige geometrische Muster gebildet werden. Sie brechen die Oberfläche visuell und schaffen einen ungleichen Relief-Effekt. Die einzelnen Platten sind perforiert, um einen Moiré-Effekt zu erzeugen. In der Nacht schafft eine integrierte Beleuchtung eine alternierende Reihe von Lichtspielen. Der Kunstbau trägt den Namen „The Optic Cloak“.

Das Kraftwerk soll ausserdem die Energieerzeugung „entmystifizieren“, wie auf der Website nachzulesen ist. Will heissen, dass im Inneren ein weiss ausgekleidetes Besucherzentrum eingerichtet wurde, das eine interaktive Lernerfahrung bietet. Auch von aussen kann man dort hineinsehen, denn aus dem Kubus wurde ein grosses Sichtfenster herausgeschnitten. (mt/pd)