Ein Museum im Rausch der Farben

Ein Museum im Rausch der Farben

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Teaserbild-Quelle: sauerbruch hutton architekten, Berlin
Künstler und Wissenschafter haben sich über die Jahrhunderte immer wieder neue Systeme ausgedacht, um Ordnung in die Welt der Farben zu bringen. Darum und um die Farbe in Architektur und Design geht es in der aktuellen Ausstellung im Winterthurer Gewerbemuseum.
 
 
Farben sind sinnliches Phänomen. Farben ziehen oder stossen manchmal gar ab. Designer, Architekten und Künstler müssen täglich „Farbe bekennen“ oder vielmehr sich für Farben entscheiden. Aber wie findet man die passende Farbe? Und vor allem, wie lassen sich die Farben ordnen? Solche Fragen versuchen Natur- und Geisteswisseschafter, Dichter und Künstler seit Jahrhunderten zu beantworten. Dabei suchten sie nach Systemen, die das Phänomen Farbe beschreiben oder messbar machen. Was dabei herauskam zeigt das derzeit das Gewerbemuseum Winterthur. Denn ihre Werke sind oft selbst überraschende und überwältigende sinnliche Erlebnisse. Sie ermöglichen ein Eintauchen in Tausende von Farbmustern, in handkolorierte Farbkreise und sorgfältig komponierte Farbharmonien.
 
Die Ausstellung präsentiert aktuelle und historische Darstellungen, räumliche Modelle und virtuelle Animationen verschiedenster Farbsysteme. Daneben werden künstlerische Umsetzungen, Farbkompositionen zu Musik und Konzepte aus den Bereichen von Architektur und Stadtraum vorgestellt, die in der Auseinandersetzung mit Farbsystematik entstanden sind. Von Farbentwürfen von Bruno Taut über die Farbklaviaturen von Le Corbusier bis hin zu aktuellen Farbstudien des Farbraums der Stadt Zürich oder zur wilden Farbgestaltung der Stadt Tirana wird der vielfältige Umgang mit der Farbgestaltung thematisiert. (mai/mgt)
 
 
Weitere Informationen: www.gewerbemuseum.ch
 

Ausstellungshöhepunkte

Interaktive Reise durch den Runge-Farbraum
Philipp Otto Runge (1777-1810), einer der bedeutendsten deutschen Maler der Frühromantik, hatte als Erster die Idee entwickelt, die Welt der Farben auf einer Erdkugel abzubilden. Mit dieser Farbkugel entwarf Runge vor 200 Jahren das erste umfassende räumliche Farbmodell. Für die Ausstellung wurde eine interaktive Station entwickelt, die den Besuchern ermöglicht, den Farbkörper Runges im virtuellen Raum zu bereisen. Neben der neu entwickelten Computersimulation, sind auch die originalen Werke von Runge zu sehen.
 
Form- und Farbtransformation in Bewegung
Der Schweizer Künstler Hans Hinterreiter (1902-1989) hat eine Bilderwelt aufgebaut, die auf dem Thema von systematischen Farb- und Formordnungen basiert. Hans Hinterreiter hat davon geträumt, daraus eine bewegte Bildwelt, ein Form- und Farbwandelspiel generieren zu können – musikalisch begleitet. Erst nach seinem Tod realisieren nun Urs Beat Roth und Ulrich Bachmann nach der Idee von Hinterreiter einen 6-teiligen Film, der die Farb- und Formtransformationen Hinterreiters im Zusammenspiel mit Musik von Johann Sebastian Bach in Bewegung zeigt.
 
Farbatlas Zürich
Jede Stadt hat ihr eigenes Farbprofil. Aus der Überzeugung heraus, dass die Farbe unsere Lebensräume massgeblich mitgestaltet, führte das „Haus der Farbe“ eine fünfjährige Forschungsarbeit zu urbanen Farbräumen durch. Insgesamt wurden in der Stadt Zürich 41'000 Gebäude erfasst, woraufhin der "Zürcher Farbfächer" mit 115 verschiedenen Fassadenfarben erstellt wurde. Resultat des Forschungsprojektes ist das Bild eines einzigartigen Farbkolorits von Zürich, ein urbaner Farbkosmos. In der Ausstellung wird das soeben abgeschlossene, vielschichtige Projekt erstmals umfassend präsentiert.
 
Rauminstallation „Farbrausch“
Am Anfang der Installation „Farbraum“ von Gabriele Wenger-Di Gabriele stand ein Abfallberg, von 17 Studentinnen und Studenten vom „Haus der Farbe“ in den Strassen Zürich Oerlikons bewusst eingesammelt: Strassenmüll, Zivilisationsspuren, achtlos Weggeworfenes und Verlorengegangenes. In unterschiedlichen Kombinationen von jeweils drei Objekten wurden daraufhin die ganz spezifischen Farbklänge eruiert. Entstanden ist daraus ein begehbarer Farbraum mit 5'500 verschiedenen Farbkarten, die in ihrer Anordnung dem Prinzip des Chaos folgt.