Ein Kraftwerk, zwei Staaten

Ein Kraftwerk, zwei Staaten

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Das Eidgenössische Departement für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation (Uvek) hat der Gemeinschaftskraftwerk Inn GmbH (GKI) die Konzession zur Nutzung der Wasserkraft des Inns erteilt. Gleichzeitig bewilligte das Uvek den Bau eines Kraftwerks zwischen Martina (CH) und Prutz (AU). Wie das Uvek mitteilt, geschah dies im Einvernehmen mit den Behörden des Kantons Graubünden und des Landes Tirol.
 
Bei dem Projekt geht es um einen 2,5 Kilometer langen Stausee mit einem 15 Meter hohen Stauwehr in Tschlin GR, nahe der österreichischen Grenze. Zur Stromerzeugung soll das Wasser im Druckstollen zum Kraftwerk im österreichischen Prutz geleitet und dann wieder dem Inn zugeführt werden. Damit könnte das Kraftwerk jährlich rund 417 Gigawattstunden Strom pro Jahr produzieren und damit etwa 90'000 Haushalte versorgen. Insgesamt will man rund 350 Millionen Euro investieren. An der GKI beteiligt sind die Engadiner Kraftwerke AG in Zernez GR mit 14 Prozent, das österreichische Stromunternehmen Verbund mit 50 Prozent und die Tiwag-Tiroler Wasserkraft AG mit 36 Prozent.
 
Das Wasserkraftwerk ist Gegenstand eines Abkommens zwischen der Schweiz und Österreich, das im August 2008 in Kraft getreten ist. Gesuchstellerin ist die GKI, eine österreichische Gesellschaft mit Sitz in Landeck (Tirol) und einer Zweigniederlassung in Martina (Gemeinde Tschlin, GR) Graubünden). Entsprechend dem Schweizer Anteil an den Wasserkräften des Inns, ist die Engadiner Kraftwerke AG laut Uvek mit 14 Prozent am Stammkapital der GKI beteiligt. Das Hauptinteresse an der Realisierung der vorgesehenen Anlagen liege auf österreichischer Seite, heisst es in der Mitteilung des Uvek. So könne Österreich von seinem grösseren Wasserkraftanteil profitieren. Zudem verbessern die Anlagen gemäss Uvek die Abflussverhältnisse des Inns in Österreich.

Widerstand ennet der Grenze

Das Gesuch für das Gemeinschaftskraftwerk war im April 2007 eingereicht worden. Nach verschiedenen, von den Schweizer und Österreicher Behörden im Einvernehmen mit dem Kanton Graubünden veranlassten Projektoptimierungen haben sich beide Staaten im Mai geeinigt. Im vergagangenen Juli genehmigte die Tiroler Landesregierung das Projekt. Wie Peter Molinari, Geschäftsführer der Engadiner Kraftwerke, gegenüber Regionaljournal Graubünden von Schweizer Radio DRS, erklärte, sind gegen das Projekt mehrere Einsprachen beim Umweltsenat in Wien eingereicht worden. Molinari rechnet mit einem Entscheid in 12 bis 16 Monaten. Die gut organisierten Projektgegner in Österreich bestehen nicht nur aus Umweltverbänden, sondern auch aus einem grossen Teil der Bevölkerung der Region. Sie stören sich an der Entnahme eines Grossteils des Flusswassers auf einer Flusslänge von knapp 30 Kilometern und fürchten nebst einem verkümmerten Flussabschnitt auch ein Absinken des Grundwasserspiegels und der Luftfeuchtigkeit. Ob auch in der Schweiz Einsprache erhoben werde, sei schwierig einzuschätzen, sagte Molinari. Bisher habe es keine relevanten Einwände gegeben. (mai/sda)
 
Weitere Informationen: www.gemeinschaftskraftwerk-inn.com