Ein Ja, das nicht reicht

Ein Ja, das nicht reicht

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Teaserbild-Quelle: zvg, Cemagg GmbH

Im süddeutschen Weil am Rhein muss der Gemeinderat über ein neues Einkaufszentrum entscheiden. An der Urne kamen die nötigen Ja-Stimmen nicht zusammen. Der Einkaufstourismus in Grenznähe könnte die Preise in die Höhe treiben.

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zvg, Cemagg GmbH
Visualisierung des geplanten Einkaufscenters «Dreiländergalerie» in Weil am Rhein

Weil am Rhein ist für viele Baslerinnen und Basler ein Einkaufsparadies – dank Eurokurs und direkter Tramverbindung. Ein weiteres Shopping-Center soll die süddeutsche Grenzstadt noch attraktiver zu machen. Im Westen der Innenstadt sollen auf 16 500 Quadratmeter Fläche 60 Läden und Gastrobetriebe sowie ein Parkhaus mit 550 Plätzen entstehen. 70 bis 85 Millionen Euro soll der Bau kosten.

Am Sonntag musste die Bevölkerung über die Pläne der Hamburger Investorengruppe Cemagg GmbH befinden. Mit 4647 zu 3060 Stimmen erteilten die Weiler der "Dreiländergalerie" ihren Segen. Das Quorum von 25 Prozent, das es für die Gültigkeit einer Abstimmung in Weil am Rhein braucht, wurde aber verfehlt: Bloss 20,3 Prozent sämtlicher Stimmberechtigten sprachen sich für das neue Center aus.

Das bedeutet: Der Weiler Gemeinderat muss am 28. Juli selber über das Projekt entscheiden. Das Ergebnis ist unschwer vorauszusagen: Der Gemeinderat hat im Vorfeld dem Vorhaben zugestimmt und dürfte dem Mehrheitsentscheid an der Urne folgen. Bereits Ende 2018 könnte der neue Konsumtempel seine Pforten öffnen.

"Überschweizerung" befürchtet
Das Projekt ist auf beiden Seiten der Grenze umstritten: Während viele deutsche Bewohner der Stadt eine Zunahme des Verkehrschaos am Zoll, überfüllte Trams und Ströme von Schweizer Einkaufstouristen fürchten, ist der Schweizer Detailhandel nicht erpicht auf neue ausländische Konkurrenz.

"Es zeichnet sich eine Überschweizerung im süddeutschen Raum ab, was zu Preiserhöhungen führt - nur steigen die deutschen Löhne nicht", sagte Patrick Erny vom  Basler Gewerbeverband gegenüber "20 Minuten". Bereits heute fahren Lörracher in den Norden, um einzukaufen, weil die Preise in Grenznähe gestiegen sind. Das Basler Gewerbe hofft auf einen Kannibalisierungseffekt unter den süddeutschen Einkaufszentren. "Das würde die Situation für den Schweizer Detailhandel nicht verbessern, aber zumindest auch nicht verschlechtern", sagte Erny.

Laut einer von den Investoren in Auftrag gegebenen Studie wird der umliegende Detailhandel unter dem neuen Center nicht leiden. Zudem werde die "Dreiländergalerie" rund 335 000 neue Kunden anlocken und einen Jahresumsatz von knapp 70 Millionen Franken erzielen, von dem die gesamte Wirtschaft in der Grenzregion profitieren könne. Entworfen wurde das neue Center vom international renommierten Architekturbüro Chapman Taylor. Es soll auch architektonische Akzente setzen. So besteht die Fassade vor der Glasfront aus perforierten Metallpaneelen. (stg)