Ein Grand Canyon unter Grönlands Eis

Ein Grand Canyon unter Grönlands Eis

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Teaserbild-Quelle: Christine Zenino, flickr, CC
Unter dem ewigen Eis Grönlands verbirgt sich eine gigantische Schlucht, vergleichbar mit dem Grand Canyon in Arizona. Sie ist rund 750 Kilometer lang, an manchen Stellen bis zu 800 Meter tief und bis zu zehn Kilometer breit. Zu diesem Schluss kommt ein Forscherteam der Universität Bristol.
 
Christine Zenino, flickr, CC
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Christine Zenino, flickr, CC
Unter den Massen aus Eis lässt der Grand Canyon grüssen.
 
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In einer Studie werteten die Wissenschaftler hauptsächlich von der Nasa gesammelte „Tausende von Kilometern von Radardaten“ der vergangenen Jahrzehnte aus. Erhoben worden sind diese Daten mittels Radar, einem sogenannten Ice Penetrating Radar (IPR). Dieser nutzt elektromagnetische Wellen, die das Eis durchdringen können und vom darunterliegenden Gestein reflektiert werden. Aus den zurückgeworfenen Wellen lässt sich dann die Topografie des Grundes errechnen oder vielmehr rekonstruieren. „Ein 750 Kilometer langer Canyon, der während Millionen von Jahren erhalten geblieben ist, ist nicht nur eine atemberaubende Entdeckung“, sagt David Vaughan von der British Antarctic Survey in Cambridge. „Sie hilft uns auch Grönlands Vergangenheit zu verstehen.“ Laut den Radardaten dürfte die Riesenschlucht schon vor 3,5 Millionen Jahren gross genug gewesen sein, um grosse Wassermengen nordwärts ins Meer zu führen – mit einem Gefälle von zirka 30 Centimeter pro Kilometer.
 
Noch heute dürfte der Canyon als eine Art riesiger Entwässerungskanal dienen. Die britischen Wissenschaftler nehmen an, dass er noch heute Schmelzwasser abtransportiert. Zudem könnte die Riesenschlucht laut den Forschern auch die grossen eisfreien Kanäle erklären, welche Forscher in der Mündung des Petermann-Gletschers im Norden der Insel entdeckt haben. Sie sind laut dem Wissenschaftsmagazin „Bild der Wissenschaft“ ein bis zwei Kilometer breit und haben sich von der Unterseite des Schelfs 200 bis 400 Meter weit ins Eis hinein gefressen. Bisher habe man gedacht, dass der sich erwärmende Ozean diese seltsamen Formationen erzeugt habe. Die Wissenschaftler nehmen an, dass das aus dem Canyon fliessende Schmelzwasser die Kanäle ins Eis gegraben hat.
 
„Nachdem auf Google Street View Städte rund um den Erdball zu sehen sind und es zahllose digitale Karten gibt, die von der Siedlungsdichte bis zur Zufriedenheit der Bevölkerung alles abbilden, müsste man meinen, dass die Erde vollständig kartiert und erforscht ist“, sagt Jonathan Bamber, Leiter des Wissenschaftlerteams. „Unsere Untersuchung zeigt aber, dass es noch immer viel zu entdecken gibt.“ (mai)
 
 
Der Film zeigt wie der Canyon aussehen könnte. (Englisch)