Ein Dorfkern mit Wohnflächen

Ein Dorfkern mit Wohnflächen

Gefäss: 
Teaserbild-Quelle: zvg
Mit dem Wohnquartier "Drei Eichen" soll in Samstagern ein neues Zentrum entstehen. Realisiert werden neben zwei Platzbauten, deren Erdgeschosse für gewerbliche und öffentliche Zwecke reserviert sind, auch Wohngebäude verschiedenen Typs.
 

Links zu Beteiligten

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Elektroingenieur:
Müller & Müller AG, Zürich + Wilen, ww.hmag.ch
 
Erdbau / Rückbau:
Johann Müller AG JMS, Schmerikon, www.jms.ch
 
Türen aus Metall:
Walter Steiner, Samstagern / Richterswil, www.metswsteiner.ch
 
Kücheneinrichtungen: 
Sanitas Troesch AG, Jona, www.sanitastroesch.ch
 
 
 
 
Die Vorzüge des Dorfes Samstagern in der Gemeinde Richterswil ZH liegen auf der Hand: Es befindet sich nahe dem See, ist ländlich geprägt, nur 25 Kilometer von der Stadt Zürich entfernt und zudem steuergünstig. In den letzten 30 Jahren hat sich die Bevölkerungszahl deshalb von 600 auf über 2500 erhöht. Für die Neuankömmlinge müssen nun Wohnungen und vor allem ein neues Zentrum geschaffen werden. Ein solcher fehlt im Ort, was in der Entstehungsgeschichte begründet ist.
 
Früher war das Gebiet von alten, knorrigen ­Eichen umgeben, die zur Herbstzeit Ummengen von ­Eicheln abwarfen. Eiligst wurden diese von den Bauern in der Umgebung eingesammelt und als Schweinefutter verwendet. Allerdings führte die Ernte regelmässig zu endlosen Streitereien, weshalb man 1568 eine Allmendordnung einführte, die besagte: «Die Eichellese ist nur an Samstagen von einer Betzeitglocke zur andern gestattet.» Bald bezeichneten die Leute das Einsammeln der Eicheln nur noch als «go samstagere». Als dann nach 1700 das heutige Strassen­dörfchen entstand, taufte man es vermutlich in Verbindung mit jenem Brauch auf den Namen Samstagern. Seither ist jedoch viel Zeit vergangen und der Wald längst verschwunden. «Nicht mal ein Wappenbild erinnert an die Eichen, weil Samstagern als Ortsteil von Richterswil kein ­eigenes hat», sagt Urs Baumann von der Urs Baumann AG. Der Bauingenieur ist in der Gegend aufgewachsen und kennt den Ort wie seine Westentasche. Er erzählt, dass die Streusiedlung, bestehend aus den einzelnen Bauernhöfen, später um einige Häuser entlang der Hauptstrasse erweitert wurde. Für die wenigen Dorfbewohner brauchte es kein Zentrum. Dies ändert sich mit dem jüngsten Bevölkerungswachstum jedoch schlagartig.
 

Öffentlich und doch privat

Die Lücke schliessen will nun die Allmendkorporation Richterswil – die grösste Landbesitzerin der Ortschaft. Baumann, der auch Präsident der Korporation ist, erklärt: «Inmitten von Samstagern besitzen wir ein 18 000 Quadratmeter grosses Landstück, das sich hervorragend für unser Vorhaben eignet. Dank seinen Dimensionen können auf ihm sowohl Wohnungen als auch Dienstleistungsflächen realisiert werden. Zentrales Element der Gesamtüberbauung wird ein gut proportionierter, attraktiver Dorfplatz sein, der vielfältig nutzbar ist.» Mit diesem Konzept schaffe die Überbauung nicht nur einen Ausgleich zwischen dem knappen Wohnraumangebot und den vielen Arbeitsplätzen in kleineren und mittleren Gewerbebetrieben, sondern auch ein zentral gelegener Dorfkern.
 
Für die Planung der Wohnüberbauung wurden sechs Architekturbüros eingeladen. Das Rennen gemacht hat das Projekt «Samstag nachmittag» der Leutwyler Partner Architekten AG in Zug. Laut dem Jury-Bericht besticht ihr Konzept durch die differenzierte, präzise und angemessene Setzung der Gebäude innerhalb des Gestaltungsperimeters. Die planerische Herausforderung bestand darin, die verschiedenen Anliegen auf dem Areal auf spielerische Art und Weise zusammen zu ­führen. Gelöst haben die Architekten diese ­Aufgabenstellung, indem sie zwei grössere ­Wohngebäude geschaffen haben, in denen sich Dienstleistungsflächen, aber auch Mietwohnungen befinden. Zwischen den beiden Gebäuden liegt der Dorfplatz. Dadurch öffnet sich das Areal gegen aussen und demonstriert so seinen öffentlichen Charakter. Von diesen beiden grösseren Platzbauten aus entwickelt sich die Siedlung nach Süden hin zu einem geschlossenen Bereich, wo die Architekten zuerst zwei Wohnhäuser mit Miet- und danach sechs Gebäude mit Eigentumswohnungen geplant haben. Das Areal klingt mit einer Reihenhausstruktur aus, in denen sich Einfami­lienhäuser mit eigenen Gärten befinden. Im Norden des Areals verbindet das offene Wegnetz die Siedlung mit dem Dorf und ist durch verschiedene Spiel- und Ruheflächen gleichzeitig auch Begegnungszone. Zwei separate Tiefgaragen bringen den Individualverkehr in den Untergrund und machen damit die naturnah gestaltete Umgebung zum Lebens- und Erholungsraum.

Käufer wählen Küche und Bad aus

Bis auf die drei Strukturreihenhäuser, für die man auf dem Areal noch die Baugrube erstellen muss, und die südliche Reihe der Eigentumswohnungen sollen alle Gebäude im Verlauf des nächsten Jahres fertiggestellt werden. So können die Nutzer im Winter 2012 die beiden Platzbauten, in denen auch Alterswohnungen und eine Kindertagesstätte untergebracht sind, sowie die beiden Miethäuser beziehen. Und im Sommer des gleichen Jahres die nördliche Reihe der Eigentumswohnungen. Die südliche und die drei Reiheneinfamilienhäuser stehen im Frühling beziehungsweise im Herbst 2013 für die Nutzer bereit. Fertig erstellt ist hingegen die Tiefgarage im nördlichen Teil des Geländes. Die zweite muss noch gebaut und soll unterhalb der Reiheneinfamilienhäuser realisiert werden. Die Besucherparkplätze dagegen befinden sich ausserhalb der Siedlung entlang der Fälmistrasse – der Anbindungsstrasse der Siedlung. Noch sind die Bauarbeiter aber mit den Rohbauten der sechs Eigentums- und mit denjenigen der zwei Mietwohnungshäuser sowie mit den vorderen Platzbauten beschäftigt. Wegen der Sommerferien sind aber nur wenige Handwerker vor Ort.
 
Anzutreffen sind sie in der Nähe der Platzbauten und in den Eigentumswohnungen. In letzterem müssen in den Küchen die Kabel gezogen werden. «Dass man diese Arbeit erst jetzt ausführt, ist ungewöhnlich», räumt Baumann ein. Der Grund liegt darin, dass nicht der Architekt, sondern der Käufer bestimmt, wie die Küche und das Bad auszusehen haben. «Während des Rohbaus wusste man deshalb noch nicht, wo was wohin kommt.» Aus diesem Grund habe man warten müssen, bis die Käufer ihre Entscheidung getroffen hätten. Erst danach konnten die Bauarbeiter die elektrischen Arbeiten in Angriff nehmen.
 

Runde Ecken als Herausforderung

Währenddessen ist man bei den Platzbauten ­damit beschäftigt, die Fassade anzubringen. «Wir haben uns für eine hinterlüftete Eternit-Fassade entschieden, die Schindeln nachempfunden ist», sagt Baumann. Ihr Vorteil: Sie sind handlich und im Unterhalt günstig. Ausserdem widerstehen sie laut Baumann Wind und Wetter ohne Weiteres. Pro Platte sind zehn Schindeln ausgebildet. Die Elemente werden einfach nebeneinander und aufeinander getuckert. Wie Fassadenbauer Thommy Rylll erklärt, schafft ein Mann alleine pro Tag etwa zwölf Quadratmeter Fläche. «Die schwierigste Aufgabe steht uns aber noch bevor.» Die Ecken des Gebäudes sind nämlich rund. Und die ­Platten nicht biegsam. «Deshalb müssen wir die Elemente zerschneiden, damit man jede einzelne Schindel montieren kann.» Pro Ecke sind das 6000 Stück, die die Fassadenbauer von Hand anbringen ­müssen. Die runden Ecken lässt Ryll jetzt aber erst einmal aussen vor. Denn zuerst muss noch die ebene Fläche fertiggestellt werden. Ryll ­fehlen nur noch ein paar wenige Meter, dann ist er oben auf dem Dach.
 
Von dort aus ist das gesamte Areal überblickbar. Man sieht Ummengen an Materialien und Produkte, die für den Innenausbau auf dem Gelände parat liegen. In einer oder zwei Wochen gehts los. «Dann werden zahlreiche Firmen und ihre Bauarbeiter vor Ort sein», sagt Baumann. ­Während dieser Arbeiten spielt es auch keine Rolle, dass der Untergrund, auf dem gebaut wird, eigentlich uneben ist. «Überall dort, wo es nötig ist, füllen wir den Boden mit Erdreich auf. Zum Schluss, wenn die Bauarbeiten beendet sind und der Boden eben ist, begrünen wir das Gelände überall dort, wo keine Wege ­führen.»
 
Als besondere Massnahme werden am Eingang der Siedlung drei Eichen gepflanzt. «Sie sollen an die ursprüngliche Bedeutung von Samstagern und an die alten, knorrigen Eichen sowie an die Lese erinnern», sagt Baumann. Um dieser ­Besonderheit Ausdruck zu verleihen, ist die ­Bauherrschaft auch dazu übergegangen, die Siedlung, die ursprünglich «Samstag nachmittag» geheissen hat, «Drei Eichen» zu nennen. (Florencia Figueroa)
 
 

Übrige Beteiligte

Bauherr: Allmendkorporation Richterswil
Architekt: Leutwyler Partner Architekten, Zug