Ein Designer ist auch eine Ziege

Ein Designer ist auch eine Ziege

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Mit Hilfe besonderer Arm- und Beinverlängerungen versuchte ein britischer Forscher und Designer in der Innerschweiz als Ziege zu leben. Vor kurzem hat er für sein skurriles Forschungsprojekt den Ig-Noble-Preis erhalten.

Weil Thomas Thwaites genug von der Mühsal seines menschlichen Daseins hatte, beschloss er vor etwas mehr als zwei Jahren einen Ausflug in die Tierwelt zu unternehmen. Ursprünglich wollte sich der Designer mittels eines Exoskeletons in einen Elefanten verwandeln und auf allen Vieren die Alpen überqueren. Nachdem er aber zum Schluss gekommen war, dass ein solches Projekt seine physischen Kräfte übersteigt und dass die grauen Riesen unter ähnlichen Problemen wie Menschen leiden, verwarf er die Idee. „Elefanten können traurig und wütend werden, und sie können sogar unter posttraumatischen Stress-Symptomen leiden“, erklärte er gegenüber dem britischen Newsportal "MailOnline". Dies seien genau die Dinge in seinem Leben gewesen, von denen er genug gehabt habe. Und so entschied er sich stattdessen für ein Leben als Ziege, um in den Alpen unter freiem Himmel zu schlafen, Gras zu kauen sowie um in einer Herde und vor allem „im Jetzt zu leben“.

Bis es so weit war, bedurfte es eines grossen Aufwands. Schliesslich musste Thwaites wie eine Geiss gehen aber auch verdauen können: Er entwickelte dafür entsprechende Vorder- und Hinterbeinverlängerungen sowie einen Pansen zum Umbinden. Den künstlichen Tiermagen konzipierte er so, dass er das angekaute Gras dort hinein spucken konnte und danach dann die Pflanzen darin so aufbereitet wurden, dass Thwaites sie schliesslich essen konnte. Damit ausgerüstet kraxelte später er auf Weiden in der Nähe von Wolfenschiessen NW umher. Allerdings war es nicht leicht: Die Teilnahme am Herdenleben gestaltete sich schwierig, seine Kunstläufe schmerzten und es war nachts in der freien Natur zu kalt und unbequem.

"Ein alter Menschheitstraum"

Alles nur ein schräger Spass aus einer Laune heraus? Das groteske Unterfangen hatte einen durchaus ernsten Hintergrund: Die Verwandlung in ein Huftier ist laut Thwaites im Laufe der Zeit zu einem Forschungsprojekt zum Thema geworden, wie nahe man mit Hilfe modernster Technologien „dem alten Menschheitstraum“ kommt, sich bestimmte Charakteristiken von Tieren anzueignen.

Mittlerweile hat er ein Buch über sein Leben als Bergziege geschrieben („GoatMan: How I Took a Holiday from Being Human“),  das vor einigen Monaten erschienen ist. Und er wurde für sein Projekt letzte Woche mit dem Ig-Noblepreis für die schmachvollste Studie in der Kategorie Biologie geehrt. Allerdings muss sich Thwaites die Auszeichnung mit einem Landsmann teilen, mit dem Tierarzt Charles Forster, der verschiedene Male in der Wildnis als Dachs, Otter, Reh, Fuchs und als Vogel gelebt hat.

Der alljährlich verliehene Ig-Noble-Preis ist eine satirische Auszeichnung, deren Name auf einem Wortspiel beruht: ignoble bedeutet im Englischen so viel wie schändlich, schmachvoll oder unwürdig. Damit einem Forschungsprojekt diese Ehre zu Teil wird, muss es „Menschen zuerst zum Lachen, dann zum Nachdenken bringen“. Vergeben wird der Preis von der in Cambridge (USA) erscheinenden Zeitschrift Annals of Improbable Research. (mai)

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