Ecopop: Massiver Fachkräftemangel

Ecopop: Massiver Fachkräftemangel

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Ein Gutachten der Universität Basel erwartet bei Annahme der Ecopop-Initiative bis 2030 riesige Lücken auf dem Schweizer Arbeitsmarkt. Alleine im Gesundheitswesen würden bis dahin bis zu 110'000 Stellen unbesetzt bleiben.  Aber auch in anderen Bereichen wären die Auswirkungen laut den Gutachtern dramatisch, bei den Ingenieursberufen prognostizieren sie bei einer Annahme 25‘000 offene Stellen.

Wie entwickelt sich der Arbeitsmarkt in den nächsten Jahren und Jahrzehnten in verschiedenen Branchen? Wo liegen ungenutzte Arbeitskräftepotenziale brach? Und welche Auswirkungen hätte eine Annahme der Ecopop-Initiative? Diesen Fragen ging ein Team um die Arbeitsmarktökonomin Conny Wunsch der Universiät Basel in einem vom schweizerischen Arbeitgeberverband initiierten Gutachten auf den Grund.

Aus nahe liegenden Gründen stossen die Entwicklungsperspektiven für den Arbeitsmarkt bei einer allfälligen Annahme der Ecopop-Initiative auf das grösste Interesse. Das Basler Gutachten prognostiziert nämlich für den Fall einer Annahme der Initiative bis 2030 riesige Lücken auf dem Schweizer Arbeitsmarkt, die auf die Wirtschaft unseres Landes gravierende Auswirkungen hätten. 

Auch wenn die Unterschiede von Branche zu Branche unterschiedlich sind, werden nahezu alle Branchen von einem drückenden Mangel an Arbeitskräften betroffen sein. Die grösste Lücke orten die Wissenschaftler im Gesundheitswesen. Mit Ecopop werden dort bis in 15 Jahren zirka 110'000 Arbeitskräfte fehlen. Dank flexibler Arbeitszeiten und Teilpensen gibt es im Gesundheitswesen schon heute kaum mehr brachliegende Arbeitskräftepotentiale. Ähnlich dramatisch dürfte die Situation bei den Ingenieursberufen mit zirka 25'000 werden, und im Bildungsbereich mit  rund 20'000 fehlenden Arbeitskräften. Weitere grosse Lücken prophezeien die Autoren des Gutachtens auch bei den Technikern, im Bereich Marketing, Treuhand und Tourismus erwartet. 

Das Fazit von Conny Wunsch: "Bei einer stark eingeschränkten Nettozuwanderung wird sich der zukünftige Arbeits- und Fachkräftebedarf nicht ohne erhebliche Wachstumseinbussen decken lassen." Das heisst, die Schweiz wird auch weiterhin auf ausländische Arbeitskräfte angewiesen bleiben, ist das

Droht eine arbeitsmarkterchtliche Regulierungswelle?

Nachdem der Wirtschaftsstandort schon seit Jahren auf vielen Ebenen unter zunehmendem Regulierungsdruck leidet, der viele Unternehmen belastet, tritt die Ecopop-Initiative eine weitere arbeitsmarktliche Regulierungswelle los. Die Schweiz würde als Produktions- und Dienstleistungsstandort massiv an Attraktivität verlieren. Was sich wiederum sehr negativ auf das Investitionsklima auswirken würde. In der Schweiz würden international ausgerichtete  Unternehmen künftig noch mehr im Ausland investieren, forschen und entwickeln. Und vermehrt könnten auch KMU  den Schritt ins Ausland wagen, weil sie personell nicht mehr dotierbare Abteilungen und Dienstleistungen ins Ausland verlagern (müssen), um zu überleben. Mit solchen Massnahmen einhergehend würden in der Schweiz Stellen und Knowhow abgebaut.  Aber auch für national und lokal ausgerichtete KMU könnte das neue Ecopop-Regime zu einer existenziellen Bedrohung werden, weil sie wichtige personelle Lücken nicht mehr auffüllen können.  

Wegbrechende Investitionen in den Bereichen Wirtschaftsbau und Wohnungsproduktion als Folge einer Annahme der Ecopop-Initiative lassen auch für die Auslastung der Bauwirtschaft wenig Gutes erwarten. Dazu kommt, dass eine derart lahmende Wirtschaft auch das Steuersubstrat tangiert und als Folge davon bei Bund, Kantonen und Gemeinden  die Investitionsneigung, bedingt durch zunehmend defizitäre Haushalte zurückgeht. 

Auch ohne Ecopop schwierige Situation

„Die Annahme der Ecopop-Initiative würde auch unser gesellschaftliches Leben negativ beeinflussen“, kommentiert Valentin Vogt, Präsident des Schweizerischen Arbeitgeberverbandes, das Gutachten.

Auch Rita Ziegler, Leiterin des Universitätsspitals Zürich, glaubt nicht, dass sich unter Ecopop-Bedingungen die Qualität des Schweizer Gesundheitssystems aufrechterhalten liesse. Man dürfe nicht die Rekrutierungsmöglichkeiten derart einschränken und erwarten, dass die Versorgung einer immer älter werdenden Bevölkerung trotzdem sichergestellt sei. „Und man sollte sich auch bewusst sein, dass wir bei Weitem nicht das einzige westeuropäische Land sind, dessen Gesundheitssystem auf Zuzug aus dem Ausland angewiesen ist.“ In Zukunft dürfte es auch ohne Ecopop schwierig werden, qualifiziertes Personal zu finden.

Zur Situation für den Fall einer Annahme der Ecopop-Initiative äusserte sich Urs W. Berner, CEO und VR-Präsident der Urma AG, die in Rupperswil 70 Angestellte beschäftigt. Davon brächten 80 Prozent eine Ausbildung im MEM-Bereich mit, so Berner. Doch obwohl man im Betrieb acht Ausbildungsplätze anbiete, Homeoffice, Teilzeitbeschäftigung und Weiterbildungen fördere, sei es Jahr für Jahr schwieriger, auf dem Schweizer Arbeitsmarkt die nötigen Leute zu finden. Komme die Ecopop-Initiative durch, werde es nicht mehr möglich sein, den heutigen Personalbestand zu halten: „Spätestens dann nicht, wenn die Babyboomer-Generation sich ins Pensionsalter verabschiedet. Diese Schrumpfkur ist fatal.“ (mai)

250 Kondome pro Einwohner der Schweiz

Die Ecopop-Initiative meint es zwar nicht so gut mit der Schweizer Wirtschaft, dafür aber um so mehr mit der Welt, weil sie in den Ländern des Südens im Rahmen der Entwicklungshilfe jährlich 200 Millionen Franken für Familienplanung einsetzen will. Das ergäbe, bei einem Grosshandels-Stückpreis von 10 Rappen, stolze 2 Milliarden Kondome. Umgerechnet auf die Schweizer Bevölkerung, würde jeder Einwohner bzw. jede Einwohnerin 250 Kondome an die Welt verschenken. (mai)