Dunkle Wolken über dem Regenwald

Dunkle Wolken über dem Regenwald

Gefäss: 
Teaserbild-Quelle: nasa.org
In Brasiliens Amazonas-Gebiet hat die Abholzung des Regenwaldes in den vergangenen Monaten deutlich zugenommen. Das belegen Daten zweier unterschiedlicher Institute in Brasilien, die die Regierung in BrasÌlia am Donnerstag in Alarmzustand versetzte.
 
nasa.org
Quelle: 
nasa.org
Rodungen im Amazonasgebiet: die fischgrätartigen Strukturen weisen auf Gebiete hin, wo abgegholzt wird.
 
Besonders betroffen ist der Bundesstaat Mato Grosso. Dort stieg die Waldzerstörung gemäss Satelliten gestützten Analysen des staatlichen Institutes für Weltraumforschung (Inpe) von August 2010 bis April dieses Jahres um 43 Prozent. Zuvor hatte das Institut Imazon ebenfalls unter Berufung auf Satellitenbilder gemeldet, dass in dem für Soja-Anbau bekannten Bundesstaat Mato Grosso allein im vorigen April 243 Quadratkilometer Wald abgeholzt worden seien und damit 537 Prozent mehr als im entsprechenden Monat des Vorjahres. Umweltministerin Izabella Teixeira sprach bei einer Pressekonferenz von einer "haarsträubenden und untypischen" Abholzung. Allein im März und April seien Wälder auf einer Fläche von 593 Quadratkilometern gerodet worden. Dies ist eine Fläche grösser als der Kantons Basel-Landschaft. Laut Teixeira sollen die Abholzungen bis Juli gestoppt werden. Gegen Verantwortliche illegaler Rodungen soll rigoros vorgegangen werden. Vieh, das auf solchen Flächen weidet, oder Bepflanzungen werden künftig beschlagnahmt. Einer der Hauptgründe für die extensiven Rodungen ist die Gewinnung von Weideflächen und Anbauflächen für Soja.
 
Vorerst soll mit Experten und Vertretern der Bundesbehörden eine Notfallkommission gebildet werden. Dabei werden sich auch jene Bundesstaaten beteiligen, in denen die Regenwald-Zerstörung am ausgeprägtesten ist. Abgeklärt wird auch, weshalb die Abholzungen so sprunghaft angestiegen sind. Die Behörden von Mato Grosso prüfen derzeit alle grösseren Grundbesitze um so die Gründe zu klären.
 
Wissenschaftsminister AloÌsio Mercadante sagte, dass die skrupellosen Abholzungen gemacht werden, im Glauben, dass sie unentdeckt bleiben würden. Neue Techniken wie Satelliten-Beobachtungen, erlauben jetzt aber eine intensivere, lückenlosere Überwachung. In Brasilien läuft eine hitzige Debatte über eine Verschärfung der Waldgesetze. Die Agrarlobby läuft gegen wichtige Punkte des so genannten Còdigo Florestal Sturm - zum Beispiel gegen die Auflagen zur Wiederaufforstung illegal abgeholzter Flächen. Die entsprechende Abstimmung über den Gesetzesentwurf wurde im Parlament deshalb schon mehrmals verschoben.
 
Der tropische Regenwald in Brasilien erstreckt sich auf etwa 5,3 Millionen Quadratkilometern, von denen sich fast ein Drittel, rund 1,7 Millionen Quadratkilometer in Staatshand befinden. Am Weltklimagipfel 2009 in Kopenhagen hat sich Brasilien dazu verpflichtet, seinen Ausstoss an klimaschädlichem Kohlendioxid bis 2020 um 36 bis 39 Prozent zu verringern. Dazu sollen die Abholzungen in den Amazonas-Gebieten um 80 Prozent reduziert und die Emissionen in Landwirtschaft, in der Eisen- und Stahlindustrie und bei der Energieerzeugung verringert werden. (sda/mai)