Dreispitz: Mehr Wohnungen, keine Bahn mehr

Dreispitz: Mehr Wohnungen, keine Bahn mehr

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Die Transformation des Basler Dreispitz-Areals der Christoph Merian-Stiftung (CMS) nimmt nach einem Jahr Denkpause wieder Fahrt auf: Geplant werden gezielt mehr Wohnungen und ein "Wirtschaftspark" ohne Wohnungen. Weg fällt die Güterbahn, was Platz gibt für eine neue Veloachse.

Vor Jahresfrist hatten die Grundeigentümerin CMS, die Gemeinde Münchenstein und die beiden Basel angekündigt, die 2008 mit einem städtebaulichen Rahmenvertrag für den ganzen Dreispitz aufgegleiste Nutzungsplanung aufzugeben. Das ehrgeizige Vorhaben habe sich als schlicht "nicht tragbar" sowie juristisch und politisch wacklig erwiesen, sagte CMS-Präsident Lukas Faesch am Montag vor den Medien.

Nach vielen Gesprächen mit den rund 100 Baurechtnehmenden auf dem Dreispitz mit insgesamt rund 500'000 Quadratmetern plant die CMS nun statt eines grossen Wurfs koordinierte kleinere Würfe. So ist im Westteil ein Wirtschaftspark vorgesehen, zwecks Konfliktminderung weiterhin ohne Wohnanteil. Dies begrüssen die Wirtschaftsverbände explizit, ebenso, dass die Planung nun etappiert erfolgt.

Neue Wohnungen an den Siedlungsrändern

Neue Wohnungen zwischen den Firmen plant die CMS vor allem im Nordteil bis zum Leimgrubenweg, der ans Basler Gundeldingerquartier anschliesst, sowie im Osten beim Ruchfeld. Mit der Migros, die den Nordzipfel teils als Parkfläche nutzt, wird anhand einer gemachten Potenzialstudie das Mögliche ausgelotet.

Nach diversen Nutzer-Wechseln ist laut Faesch die Nachfrage nach der Dreispitz-Güterbahn so "drastisch eingebrochen", dass diese per 2016 eingestellt wird – die Migros behält indes ihr Zuliefergleis. Für die Firmen werden die Mieten entsprechend billiger, und zudem werden so gegen 70'000 Quadratmeter Gleis-Flächen frei für neue Nutzungen, darunter eine durchgehende Verbindungsachse für Velos und Fussgänger.

Solche neuen öffentlichen Räume und Flächen sind funktional eigentlich Allmend (gemeinschaftlichen Eigentums). Baudirektor Hans-Peter Wessels versprach denn auch, die CMS nicht allein zu lassen mit den Kosten etwa für Feuerwehr oder Strassenunterhalt. Was in Zukunft wie genau aufgeteilt wird, sei noch auszuhandeln.

Tram-Ast-Idee gestorben

Allseits als beispielhaft gelobt wurde das neue Kunstfreilager im Ostteil. Laut dem Baselbieter Raumplanungsamtsleiter Martin Kolb hat es dort inzwischen 800 Studierende und gut 250 neue Arbeitsplätze. Die daneben liegende Frankfurtstrasse soll übrigens als zusätzliche interne Erschliessungsachse dienen und umliegende Strassen entlasten.

Nicht mehr gefragt ist hingegen die Idee einer neuen Tramverbindung quer durch den Dreispitz. CMS-Direktor Beat von Wartburg hält Wohnnutzungen primär dort für sinnvoll, wo der öffentliche Verkehr schon ist, also entlang der bestehenden Tramgleise des 11-ers und des 10-ers.

Von Wartburg sprach von einem gewissen Handlungsdruck für die gemeinnützige CMS, weil zwei grosse Stahl- und Röhren-Firmen im Südteil weggezogen sind, was die Mieteinnahmen empfindlich reduziere. An deren Stelle seien künftig auch Wohnungen, Läden und Gewerbe denkbar.

Doppelt soviele Arbeitsplätze

Klappt die "pragmatisch" neu angeschobene Transformation, so hofft von Wartburg angesichts all der Ideen der Baurechtsnehmenden langfristig auf eine Verdoppelung der Zahl Arbeitsplätze auf dem Dreispitz. Als Vertreter der Dreispitz-Firmen lobte Beat Rauss, dass diese endlich direkt angesprochen würden bei der Planung.

Heute sind gegen 400 Unternehmen mit etwa 4000 Arbeitsplätzen im Dreispitz- Areal angesiedelt. Hinter all den Planungen steht weiter eine Entwicklungsvision, die das Architekturbüro Herzog & de Meuron im Auftrag des Kantons Basel-Stadt und der CMS 2002 ausgearbeitet hatte.

Die Gemeinde Münchenstein, auf deren Gebiet die Hälfte des Dreispitz' steht, hat laut Gemeindepräsident Giorgio Lüthi vor zwei Wochen von den neuen Plänen erfahren. Der Kanton müsse den Dreispitz nun im Richtplan umbenennen von einem Arbeitsplatzgebiet zum "dynamischen Entwicklungsgebiet", fordere seine Gemeinde. Sie habe noch viele Fragen, etwa ob die Kapazitäten des 11-er Trams reichen. (sda)