Dorfteil mit Stadtflair

Dorfteil mit Stadtflair

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Teaserbild-Quelle: Katrin Ambühl
Bauland in Zentrumsnähe ist rar. In Rothrist hat die Gemeinde vor Jahren mit weitsichtiger Planung den Grundstein für ein neues Quartier gelegt. Hier sollen dereinst 1200 Menschen leben, einkaufen und ihre ­Freizeit verbringen. Nun werden die ersten zwei Baufelder bebaut.

 

 

 

Katrin Ambühl
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Katrin Ambühl
Wo heute noch gebaut wird, lädt bald ein Einkaufszentrum zum Bummeln ein.

 

Eisige Temperaturen und zäher Hochnebel tauchen diesen Teil von Rothrist in ein tristes Licht. Ein riesiger Acker und eine Baustelle mit vier Kränen liegen direkt neben der Hauptstrasse, die vom Dorf hinausführt. Das Areal schliesst an den Dorfkern an und ist nur wenige hundert Meter vom Bahnhof und einen Steinwurf von der Aare entfernt. Eine durchaus attraktive Lage also, ideal zum Wohnen und Arbeiten. Genau dies ist das Ziel des Gesamtprojekts Areal Breiten: Hier soll  in den nächsten 15 Jahren schrittweise ein ganzes Wohnquartier mit Läden, Dienstleistungen und mit einem öffentlichen Park entstehen. Es soll das Zuhause von Singles, Paaren und ­Familien werden, ein durchmischtes Quartier für 1200 Menschen. 2007 stellte die ­Gemeinde Rothrist das Siegerprojekt des ­Gestaltungsplanwettbewerbs vor, das vom Büro Metron AG stammt.
Im vergangenen Herbst war Baubeginn für die ­Arbeiten auf zwei von insgesamt elf Baufeldern auf dem 8,8 Hektar grossen Gesamtgrundstück. «Mitten im Leben und doch im ­Grünen. So lässt sich das Konzept Breitenpark erklären», sagt ­Markus Schmid, CEO der Schmid Gruppe (siehe «Kurz notiert» auf Seite 32). Sie, beziehungsweise der Bereich Schmid Immobilien AG, ist Bauherrin der zwei Baufelder. Hier werden zwei Wohnhäuser und ein Einkaufszentrum mit Läden und Restaurants gebaut. Seit dem Spatenstich ist es zügig vorwärts gegangen. Nur einige Kälteeinbrüche haben die Arbeiten vorübergehend zum Stillstand gebracht. Ein Szenario, das auch an diesem ­Wintertag mit einigen Graden ­unter Null droht. ­«Einige Bauarbeiter müssen wir  wohl nach Hause schicken», sagt Alfred Schmid, ­Projektleiter des Breitenparks. Zurzeit stehen ­Betonierarbeiten am Einkaufszentum an. Zwar könne bis minus 5 Grad Celsius betoniert werden. «Aber wenn Eis auf den Betondecken liegt, muss dieses zuerst weg­gepickelt werden», erläutert Schmid. «Das ist ein riesiger Aufwand, bei dem man sich schon ­fragen muss, ob er noch verhältnismässig ist.» Deshalb sind es an diesem Tag etwas weniger als die rund 47 Bauarbeiter, die in dieser Bauphase durchschnittlich im Einsatz sind. Für die beiden Wohnhäuser wird zurzeit noch der Aushub gemacht, beim Einkaufszentrum sind Unter- und Erdeschoss bereits ­betoniert, nun folgen das erste und zweite Obergeschoss. Ein Kran liefert die Schalungselemente, die von den Arbeitern fixiert ­werden.
Das Einkaufszentrum liegt wie ein Riegel ­parallel zur Neuen Aarburgerstrasse. An diese Seite kommt der Haupteingang für das Zentrum mit insgesamt 2500 Quadratmetern Verkaufs-flächen zu liegen. Neben der Migros und dem ­Denner werden sich eine Drogerie, ein Restaurant sowie Kleider- und Schuhläden einmieten. Die Einkaufszonen sind als grosse, helle Mall konzipiert. In den Etagen über den Läden ­liegen Lofts. Sie bestehen aus einer grosszügigen einräumigen zweigeschossigen Wohnfläche mit ­einer Galerieebene.


Etwas traditioneller, aber nicht minder attraktiv sieht das Raumkonzept der beiden Wohnhäuser aus. Alle 2,5- bis 5,5-Zimmer-Wohnungen ­haben einen offenen Koch-Ess-Wohnbereich. «Speziell sind die durchgehenden Grundrisse», sagt ­Alfred Schmid. Fast jede Wohnung hat dadurch zwei unterschiedliche Aussenbereiche: einen ­Balkon oder eine Terrasse Richtung Innenhof und eine Loggia gegen aussen. Auf der Hofseite sind die Balkone durchlaufend, zum Teil als Laubengänge konzipiert. Besonders viel Aussenraum haben die Attikawohnungen mit Dachterrassen von bis zu 80 Quadratmetern Fläche. Entlang der Zufahrtsstrasse ­Grüthgässli sind 25 Mietwohnungen ­platziert, an den anderen, besseren Wohnlagen sind es 45 ­Eigentumswohnungen.

Grosser Park als Herzstück

Die Überbauung Breitenpark wird die Schmid ­Immobilien AG rund 70 Millionen Franken ­kosten. Die Bauweise entspricht zwar dem Minergie-Standard; weil jedoch nicht alle Wohnungen über eine kontrollierte Lüftung verfügen, sind die ­Gebäude nicht minergie-zertifiziert. Das architektonische Konzept basiert auf einer Blockrandbebauung (siehe auch «Nachgefragt», Seite 30). Das Gebäudeensemble von Einkaufscenter und Wohnbauten bildet in der Mitte einen geschützten Hof mit den privaten Sitzplätzen der Woh-nungen, mit Spielplätzen und Wegen durch die ­Häuseranlage und zum Einkaufszentrum. Nördlich der Wohnbauten hingegen ist ein ­grosser offener Park mit Teich geplant. Er soll das Herz des neuen Dorfteils werden und allen Bewohnern von Rothrist offenstehen.

«Mit dem Breitenpark erhält die Gemeinde ein attraktives Zentrum in einem lebendigen Umfeld», freut sich Gemeindeammann Hans-Jörg Koch. Lebendig wird es Schritt für Schritt. Im Frühling 2014 beginnt der Bezug der Wohnungen im Breitenpark und das Einkaufszentrum wird eröffnet. Bis dann sind wahrscheinlich auch die konkreten Pläne für einen Teil der weiteren neun Baufelder auf dem Tisch. Bis alle Baustellen auf dem Acker verschwunden sein werden, dauert es also noch rund 15 Jahre. Bis dann wird Rothrist, das heute rund 8000 Einwohner zählt, um mindestens 1200 Bewohner des neuen Quartiers gewachsen sein. (Katrin Ambühl)