Domat/Ems: Neues Leben für Sägerei-Brache

Domat/Ems: Neues Leben für Sägerei-Brache

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Brache mit Potenzial: Wo sich einst die grösste Sägerei der Schweiz befand, sollen "wertschöpfungsintensive und exportorientierte Unternehmen". (zvg)

Auf  der Industriebrache bei Domat/Ems, wo sich die grösste Sägerei der Schweiz befand, herrschte seit dem Konkurs des Betriebes der Mayer-Melnhof Swiss Timber 2010 Stillstand. Dies will der Kanton ändern: Er macht das Areal zur Industriezone und hat dazu die nötigen Baurechte erworben. Ein erstes Unternehmen plant bereits zu investieren.  –  Die  Option, auf einer reduzierten Fläche ein Sägewerk zu errichten, bleibt allerdings bestehen.

Brache mit Potenzial: Wo sich einst die grösste Sägerei der Schweiz befand, sollen "wertschöpfungsintensive und exportorientierte Unternehmen". (zvg)

Die rund 20 Hektaren umfassende Brache blickt auf eine bewegte und für Graubünden eher unrühmliche Geschichte zurück: 2007 hatte der Kanton die Ansiedlung der Grosssägerei grosszügig unterstützt. Mit dem Konkurs im  2010 setzte der Kanton über 23 Millionen Franken in den Sand. Zudem verloren 130 Angestellte ihre Arbeit. Rund ein Jahr später ersteigerte die Tiroler Pfeifer-Gruppe die Baurechte auf dem Gelände für zwei Millionen Franken. Ihre Pläne, ein redimensioniertes Sägewerk zu erstellen,  scheiterten jedoch jahrelang am Holzpreis.

Schliesslich verhängte Domat/Ems 2014 eine Planungszone über das Areal, um eine Fehlentwicklung zu verhindern. In der Folge kaufte der  Kanton die Baurechte für 10.8 Millionen Franken von der  Pfeifer-Gruppe zurück, damit aus dem Stück Land in der Nähe der Ems Chemie laut Mitteilung des Kantons „eine Industriezone für wertschöpfungsintensive und exportorientierte Unternehmen“ werden kann.  Im Gegensatz zu Pfeifer bezahlt Graubünden keinen Zins für die Baurechte. Bevor sich Firmen auf dem Gelände ansiedeln können, muss es saniert werden. Der Kanton rechnet mit Ausgaben zwischen 12 und 23 Millionen Franken. Allerdings sollen diese Ausgaben später wieder in Form von Baurechtszinsen, welche die Unternehmen entrichten müssen,  sowie aus Grundstücksverkäufen in die öffentliche Hand  zurück fliessen.

Acht Hektaren für eine Sägerei reserviert

Die Idee einer Sägerei ist aber nicht ganz vom Tisch: Vorderhand bleibt eine Fläche von acht Hektaren für ein Sägewerk und die dazu gehörige Holzweiterverarbeitung reserviert. Damit wahre sich Graubünden die Chance, bei geänderten Preis- und Währungsentwicklungen die Wertschöpfungskette Holz im Kanton zu verlängern, heisst es in der Medienmitteilung des Kantons. Wie es weiter heisst, sind allerdings „weder für einen Investor noch für die Bündner Gemeinden als Waldeigentümer  derzeit die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen gegeben, um eine längerfristige Bindung bezüglich Holzlieferung und Holzpreis eingehen zu können“.  Der Kanton und Pfeifer wollen die Entwicklung in der Wald- und Holzwirtschaft weiterhin gemeinsam beobachten.  Sollte sich die Situation verbessern, kann Pfeifer eine Sägerei erstellen. Allerdings hat der Kanton im Gegenzug auch das Recht, die reservierte Fläche für die Industrie zu öffnen, sofern das Areal belegt und Investoren mit einem entsprechenden Flächenbedarf vorhanden sind.  

Hamilton Plasticis will sich ansiedeln

Ein erstes Unternehmen konnte bereits gewonnen werden: die Hamilton Plastics. Dabei handelt es sich um die Tochterfirma der Medizinalgeräte-Herstellers Hamilton Bonaduz, die sich noch in der Gründung befindet. Sie will 25 Millionen Franken investieren und 100 Arbeitsplätze schaffen.  Der Kanton hat sich zum Ziel gesetzt in den kommenden zehn Jahren weitere Firmen anzusiedeln und weitere 200 Stellen zu schaffen. Die Regierung geht in diesem Zeitraum von einer Bruttogewinnschöpfung durch Unternehmen von 170 Millionen Franken aus sowie von Steuereinnahmen in der Höhe von 14 Millionen.

Damit die Pläne des Kantons umgesetzt werden können, bedarf es der Zustimmung der politischen Gemeinde Domat/Ems sowie der Bürgergemeinde als Landbesitzerin. Die Chancen stehen gut: Die Vorstände von Gemeinde und Bürgergemeinde setzen sich für das Vorhaben ein. Somit könnte Hamilton Plastics bereits kommenden Frühling auf dem Areal einziehen oder vielmehr die Bagger auffahren lassen. (mai/sda/mgt)