Digitalisierung: Angst vor Jobverlust?

Digitalisierung: Angst vor Jobverlust?

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Die Digitalisierung bereitet vielen Arbeitnehmern sorgen.

Digitalisierung: Angst vor Jobverlust?

Zunehmend prägt die Digitalisierung den Arbeitsalltag – und auch den Arbeitsmarkt. In der Schweiz schätzt über ein Viertel der Arbeitnehmer die Wahrscheinlichkeit eines Stellenverlustes innerhalb der nächsten zehn Jahre durch die Digitalisierung als mittel bis hoch ein. Dies zeigt der heute veröffentlichte „Barometer Gute Arbeit“. Er wird von der  Arbeitnehmerorganisation „Travail.Suisse“ regelmässig in Zusammenarbeit mit der Berner Fachhochschule erhoben.
 

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Die Digitalisierung bereitet vielen Arbeitnehmern Sorgen.

Dabei kristallisierten sich drei Gruppen heraus: Rund die Hälfte der Angestellten erachtet die Wahrscheinlichkeit eines Stellenverlustes im Zuge digitaler Technologien als sehr niedrig und knapp ein Viertel als niedrig. Ein weiteres gutes Viertel schätzt das Risiko als mittel bis hoch ein. Das ist insgesamt ein gutes Prozent mehr als im Vorjahr.

Weniger Sorgen auf dem Bau

Allerdings wird dieses Risiko nicht in allen Branchen gleich gesehen. Am wenigsten Sorgen macht sich, wer auf dem Bau arbeitet. Bauleute erachten die Gefahr eines Stellenverlustes durch die Digitalisierung als sehr gering: Lediglich 14 Prozent der Befragten gehen von einer mittleren bis hohen Wahrscheinlichkeit eines Stellenverlustes aus. Am stärksten sorgen sich Angestellte des Detailhandels, von ihnen befürchten ein Drittel, dass ihr Job der Digitalisierung zum Opfer fällt.

Bildungsunterschiede

Zudem gibt es je nach Bildungsniveau der Arbeitnehmer Unterschiede: Bei denjenigen, die eine Fachhochschule oder ein Studium absolviert haben schätzen lediglich 22 Prozent der Befragten das Risiko mittel bis hoch ein. Derweil sind es bei denjenigen, die nur die obligatorische Schule abgeschlossen haben, mehr als doppelt so viele. (mai/pd)

Gute Noten für Arbeitsbedingungen in der Schweiz

Arbeitnehmer stellen den Arbeitsbedingungen in der Schweiz erneut ein gutes Zeugnis aus.  So ist die Motivation der Arbeitnehmer laut dem "Barometer Gute Arbeit" der „Travail.Suisse“ seit mindestens vier Jahren auf hohem Niveau stabil. Gemessen wird dies etwa an Fragen darüber, wie Wertschätzung und Unterstützung durch Arbeitgeber wahrgenommen werden, welchen Sinn die Arbeit für die Gesellschaft hat oder wie stark sich die Beschäftigten mit dem Arbeitgeber identifizieren.

Vereinbarkeit von Beruf und Privatem

Eine negative Tendenz zeigt sich jedoch bei der Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben - wenngleich auf hohem Niveau, wie der Arbeitgeberverband einräumt. Der Anteil derjenigen, die Probleme mit der Vereinbarkeit haben, hat demnach um drei Prozentpunkte zugenommen auf 21,6 Prozent in vier Jahren, wie Gabriel Fischer von „Travail.Suisse“ vor den Medien ausführte.

Als grösste Belastung wird weiterhin der Stress empfunden. 40 Prozent der Befragten fühlen sich laut der Studie oft oder sehr oft gestresst. Der Stress wird beispielsweise wegen des grösseren Termindrucks als erhöht wahrgenommen. Ebenfalls negativ entwickelt sich die Wahrnehmung der zeitlichen Belastung: So sind aus Sicht der Befragten die Faktoren Überstunden, Erreichbarkeit, überlange Arbeitstage und verkürzte Pausen gegenüber 2015 gestiegen. Einige arbeiten zudem häufiger, wenn sie krank sind, als noch vor vier Jahren.

Unzufrieden mit dem Lohn

Schlechter beurteilt wird zudem das Einkommen. Von 2015 bis 2018 nahm der Anteil der Angestellten, die gar nicht zufrieden sind, von 9,4 auf 11,6 Prozent zu. „Das verwundert nicht, wenn man die Lohnentwicklung in den letzten Jahren beobachtet“, so „Travail.Suisse“-Präsident Adrian Wüthrich. Indes glaubt gut die Hälfte der Arbeitnehmenden nicht oder kaum daran, dass sie eine vergleichbare Stelle mit vergleichbarem Einkommen fänden, wenn sie ihren Job verlieren würden. Ebenso viele erleben keine oder nur eine unzureichende Förderung durch ihren Arbeitgeber.

Arbeitszeit

Die Arbeitnehmer schätzen zudem ihren Einfluss auf die Gestaltung der Arbeitsmengen und der Arbeitszeiten geringer ein als noch vor vier Jahren. Damit setzt sich der Trend aus dem Vorjahr fort. Der Anteil derjenigen ohne Einfluss auf ihre Arbeitszeiten ist in den vergangenen vier Jahren von 13,1 auf 17,8 Prozent gestiegen. Umgekehrt hat sich der Anteil der Personen mit grosser Gestaltungsmöglichkeit von 29 auf 24,5 Prozent reduziert. (sda/mai)