Dietikon wächst in den Himmel

Dietikon wächst in den Himmel

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Teaserbild-Quelle: zvg
Die Stadt Dietikon ZH bekommt ihr erstes Hochhaus, den Limmat Tower. Er wurde von Huggenbergerfries Architekten geplant. Ihr Projekt ging als Sieger eines Wettbewerbs hervor. Nachstehend ein Interview mit Maik Neuhaus von der Entwicklerfirma Halter.
 
 
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Visualisierung des Limmat Towers von Huggenbergerfries.
 
Der Erlenhof ist seit 2009 bewohnt. Wie sind die Erfahrungen?
Bei Bezug Ende 2009 waren sämtliche 85 Wohnungen vermietet und verkauft, was beim Erlenhof als Initialprojekt des Limmatfelds enorm wichtig war und einen sehr positiven Start bedeutete. Die Zufriedenheit bei den ersten Bewohnern des Limmatfelds war erfreulicherweise bereits von Anfang an sehr gross. Diese Tendenz wird einerseits dank dem fortlaufenden Ersetzen der einstigen Produktions- und Lagerhallen durch städtebaulich sowie architektonisch spannende und attraktive Nachbargebäude sicherlich anhalten, andererseits aber auch durch die Einkaufsmöglichkeiten um den Rapidplatz, die den Bewohnern von diesem Herbst an zur Verfügung stehen.
 
 
Was waren die grössten städtebaulichen Herausforderungen im Limmatfeld?
Der städtebaulichen Grundstruktur als Basis für die Entwicklung und Umsetzung der Vision des Limmatfelds als «unsere kleine Stadt» kam von Anfang an eine grosse Wichtigkeit zu. Die grosse Herausforderung bestand darin, bereits zu Beginn der Entwicklung Regeln zu formulieren, welche eine zukunftsorientierte und nachhaltige Entwicklung zulassen. Diese solide Grundstruktur erlaubt es nun, die elf Baufelder architektonisch weitestgehend autonom zu behandeln, was dem Anspruch nach Kleinmassstäblichkeit und Diversität entgegenkommt und das Bild einer anonymen Megastruktur vermeidet.
 
Die architektonische Vielfalt im Limmatfeld ist gross und für Schweizer Verhältnisse eher ungewohnt. Welches ist der Leitgedanke von Halter Entwicklungen hinter dem Projekt?
Im Unterschied zu anderen, bezüglich Dimension vergleichbaren Stadtentwicklungen streben wir eine gezielte Vielfalt von Architektursprachen an. Dies soll sich positiv auf die Akzeptanz bei den potentiellen Bewohnern des Limmatfelds und auf dessen Attraktivität als autonom funktionierender Stadtteil auswirken. Diese grosse Diversität an Gebäuden, Nutzungen und Wohnungen gewährleistet die gesunde Durchmischung der Bewohner-, Beschäftigten- und Besucherstruktur im Limmatfeld. Das überzeugende städtebauliche Konzept von Professor Hans Kollhoff, der Gestaltungsplan, sowie die von Halter Entwicklungen übergeordnet koordinierten und für jedes einzelne Projekt spezifisch definierte Zielgruppen- und Produktedefinition sind dabei die klaren und für eine harmonische und nachhaltige Stadtentwicklung wichtigen Spielregeln.
 
 
Zum Limmat Tower: Welche Funktion soll das Hochhaus im neuen Quartier erfüllen?
Der Limmat Tower wird mit seiner Höhe von 80 Metern das höchste und prominenteste Gebäude des Limmatfelds und des ganzen Limmattals. Er muss die unterschiedlichen Bedürfnisse der direkten Anwohner, der Bevölkerung, der Stadt sowie auch der Investoren und der zukünftigen Mieter und Käufer berücksichtigen und damit höchsten Anforderungen gerecht werden. Der Limmat Tower wird zum Wahrzeichen für das Limmatfeld, die Stadt Dietikon und die Region und unterstreicht deren wirtschaftliche, politische und soziale Wichtigkeit, ohne jedoch die bestehenden lokalen Strukturen zu konkurrenzieren.
 
Nach welchen Kriterien wählten Sie die sieben Teilnehmer am Architekturwettbewerb aus?
Die erwähnten hohen Anforderungen und Erwartungen verlangten dabei besonders grosse Sorgfalt. Halter Entwicklungen hat Erfahrung mit grossen, vergleichbar komplexen Projekten und achtete bei der Auswahl der Teilnehmer darauf, dass diese nicht nur über die Fachkompetenz zur Umsetzung des vielschichtigen Wettbewerbsprogramms verfügen, sondern dass durch die Zusammenstellung des Teilnehmerfelds eine grosse Vielfalt an bereichernden Beiträgen erlangt werden konnte – was ja durchaus gelungen ist.
 
 
Was überzeugt Sie am Siegerprojekt?
Der Beitrag von Huggenbergerfries reagiert überzeugend auf die wichtigsten Projektanforderungen. Die Verfasser erreichen die städtebaulich und architektonisch hohe Qualität ebenso souverän wie die wirtschaftlichen Zielsetzungen. Das Projekt bildet den Leitgedanken des Limmatfelds ab und hat das Potenzial, dieses und dessen Umgebung positiv und nachhaltig zu beeinflussen.
 
Die Jury war ebenfalls prominent besetzt. Wie erlebten Sie die Jurierung?
Eine sehr kompetent besetzte Jury ist zur Bewertung und Beurteilung eines so anspruchsvollen Wettbewerbs essentiell. Die Fachjuroren sind grösstenteils selber Architekten von Hochhäusern und beeindruckten bereits mit national und international bekannten Bauten. Mit ihrem grossen Engagement, ihrer Professionalität und Kompetenz haben sie einen unersetzlichen und sehr bereichernden Beitrag bei der Auswahl des besten und potentialreichsten Wettbewerbsbeitrags geleistet.
 
Das Hochhaus soll nach Zero-Emission gebaut werden. Weshalb und was heisst das für die Kosten?
Der Limmat Tower wird in allen Belangen höchsten Anforderungen genügen und unter anderem auch bezüglich Energieeffizienz, Komfort und Nachhaltigkeit Vorbildcharakter haben. Zero-Emission hat genau dies zum Ziel. Entsprechend kommt dem Thema eine wichtige Bedeutung zu und wurde bereits in der Wettbewerbsphase initiiert. Die frühe Berücksichtigung der entsprechenden Parameter, die kontinuierliche Begleitung durch speziell entwickelte, digitale Tools, aber auch die beigezogenen internen und externen Experten werden zudem sicherstellen, dass sich die Kosten weitestgehend neutral verhalten. (ka)