Dieses Haus ist kompostierbar

Dieses Haus ist kompostierbar

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Teaserbild-Quelle: Bilder zvg

In Villarepos im Kanton Freiburg steht ein Einfamilienhaus, das beinahe vollständig aus nachwachsenden Materialien aus der Region besteht und weder Strom noch Wasser aus der öffentlichen Versorgung beziehen muss.

Ein Haus aus Material, das man quasi vor der Haustür findet und das autonom von externer Energie- und Wasserversorgung ist: Das war 2009 die Vision von Sibylle Kamber und Cédric Berberat aus dem Kanton Freiburg. Und nun haben die beiden seit letztem Juli ein Zuhause, das beinahe vollständig kompostierbar ist, wie es in einer Mitteilung heisst.

Das Fundament des Öko-Hauses besteht aus stark lehmhaltiger, gestampfter Erde, auf die eine verdichtete Kiesschicht aufgebracht wurde. Direkt darauf stehen die Kellerwände aus Naturstein, gesammelt im Jura hinter Basel. Zusammengehalten werden die Steine von einer Mörtelmischung. Auf der mit Eichenbrettern belegten Oberkante der Kellerwände schraubte man eine isolierte Grundplatte aus sechs Holzelementen auf. Für ausreichende Wärmedämmung sorgen Kleinballen aus Bio-Weizenstroh, das im Val de Ruz in Neuenburg gewonnen wurde. Auch die Aussenwände, bestehend aus Holz, sind mit diesem Material isoliert. Als Abschlussdämmung dienen eine Schilfmatte und Lehmputz. Die Innenwände sind als Holzständerwände konzipiert, die Isolierung besteht aus einer Hanf-Jute-Schicht, Schilfmatte und Lehmputz.

Der Kubus verfügt über eine Grundfläche von 120 Quadratmetern. Im Erdgeschoss befinden sich ein kleines Entrée, ein Bad und zwei Zimmer sowie ein getrenntes Studio mit separatem Eingang. Das Obergeschoss wird von einem 60 Quadratmeter grossen Multifunktionsraum für Kochen, Essen, Wohnen und Bibliothek dominiert. Daneben sind ein Schlafzimmer und ein Bad platziert. Vom Wohnraum gelangt man über eine Treppe in den Naturgarten hinauf. Dort sollen einheimische Pflanzen wachen wie Küchenkräuter, Wildblumen, Zierpflanzen und Obstbäume.

Die Energieversorgung ist so konzipiert, dass sich das Haus und seine Bewohner selbst versorgen können. „Wir sind nicht an die örtliche Strom- oder Gasversorgung angeschlossen und haben auch keine Ölheizung im Keller“, wird Sibylle Kamber in der Mitteilung zitiert. Auf dem Flachdach befindet sich eine thermische Solaranlage, deren gewonnene Energie im Keller in einem Wasserschichtspeicher gespeichert wird. Dieser speist das Haus und auch die Wandheizungselemente. Für den Strom sorgt eine Photovoltaikanlage. Überschüssige Energie wird zur Aufheizung des Brauchwassers genutzt. Das zentrale Heizelement ist ein vorgefertigter, aus Lehm gestampfter Ofen im Obergeschoss, der mit Stückholz „gefüttert“ wird. Ein Kochfach an der Frontseite ermöglicht das Kochen im heissen Ofen. Im Untergeschoss befindet sich ein Kamin. Er verläuft in den Stampflehmwänden, die die fehlende Masse zur Wärmespeicherung ersetzen, u-förmig durch das gesamte Untergeschoss, bevor er durch beide Etagen hindurch übers Dach nach aussen geführt wird. Die Fenster sind auf der Nordseite dreifach und auf der Südseite des Hauses zweifach isoliert und mit hölzernen Beschattungselementen ausgestattet. Vor dem Haus – im Erdreich – steht ein Wassertank, der das Regenwasser vom begrünten Dach sammelt, über Aktivkohle reinigt und im ganzen Haus verteilt.

Bei den Möbeln und Einbauten wurde ebenfalls auf Nachhaltigkeit geachtet. So bestehen sie zum grossen Teil aus Schweizer Holz und sind ohne Leim und Metall gebaut. Sämtliche Elektrogeräte erfüllen den höchsten Energiestandard. Die einzigen Erdölderivate im Haus sind der Silikon im Bad, der Kautschuk als Abdichtung auf dem Dach und einige Liter Benzin für das Notstromaggregat. Ansonsten könnte im Prinzip das ganze Haus kompostiert werden, sollte es einmal nicht mehr gebraucht werden. (pd/mt)