Die Sonne als gestalterische Kraft

Die Sonne als gestalterische Kraft

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Teaserbild-Quelle: zvg
In Shanghai beginnt ab 1. Mai die Expo 2010. Der Swiss Pavillon beeindruckt schon im Vorfeld. Seine Aussenhülle besteht aus einem hängenden Netzgeflecht, bestückt mit 11 000 interaktiven Zellen, die Strom erzeugen und diesen für ein Farbenspiel nutzen.
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Die Fassade des Schweizer Pavillons reagiert auf Solarenergie.


Uhren, Alpen, Lebensqualität und Schokolade: Gemäss einer Imagestudie aus dem Jahr 2006 basiert das Image der Schweiz in China vor allem auf diesen Klischees. Auf der Expo 2010 in Shanghai präsentiert sich die Schweiz mit dem Motto «Better City, Better Life» als modernes, innovatives und umweltbewusstes Land. Dieses Bild verkörpert der «Swiss Pavillon», dessen Richtfest im Oktober 2009 gefeiert wurde. Das Gebäude macht mit einer interaktiven Kombination aus Edelstahl-Fassade, LED-Leuchten und Solartechnik die Energie der Sonne sichtbar – als faszinierend-wechselvolles Lichtspiel auf der Gebäudeoberfläche.

Aus dem 2006 vom Eidgenössischen Departement für auswärtige Angelegenheiten (Präsenz Schweiz) im Hinblick auf die Expo 2010 Shanghai lancierten zweistufigen Projektwettbewerb gingen die Projektautoren Buchner Bründler Architekten und Element GmbH mit ihrem innovativen Pavillon-Konzept als Sieger hervor. Ihr Vorschlag überzeugte die Jury aufgrund seiner Zeichenhaftigkeit, Originalität sowie der Fähigkeit, Nachhaltigkeit und Emotionen erlebbar zu machen. Einen entscheidenden Anteil an der Umsetzung darf das deutsche Seil- und Hebetechnikunternehmen Carl Stahl beanspruchen, das die geplante Netzfassade realisierte, die den Schweizer Pavillon als Vorhang umgibt. Errichtet wird das Bauwerk vom Schweizer Unternehmen Nüssli.

Ein begrüntes, grossflächiges Dach bildet zusammen mit zwei tragenden Zylindern die Struktur des Gebäudes. Das erste, bereits von weitem erkennbare Highlight des Pavillons ist jedoch seine äussere Hülle: Das Netz der 3800 Quadratmeter grossen und 15 Meter hohen Fassade besteht aus verzinkten Drahtseilen mit einem Durchmesser von vier Millimetern und ist an horizontalen wie vertikalen Spannseilen (Durchmesser zwölf und 16 Millimeter) befestigt. 11 000 Zellen aus umweltfreundlichem Polykarbonat erzeugen via Solartechnik Strom und nutzen die Sonnenstrahlung als gestalterische Kraft. Jede Zelle enthält eine der Form der Schweizer Landkarte nachempfundene Platine. Komplettiert wird das «Miniatur-Kraftwerk» durch eine Solarzelle, zwei Doppelschicht-Kondensatoren (das sind besonders leistungsfähige Energiespeicher), einer LED-Leuchte und Sensoren, die auf Licht und das Verhalten der benachbarten Zellen reagieren. Die Energie wird als «weisser Blitz» sichtbar gemacht, der die LEDs durchzuckt und aufleuchten lässt. Glimmt eine LED auf, breitet sich das Licht wellenartig über die Fassade aus. Dieser Effekt ist optisch sehr attraktiv – hat aber auch einen tieferen Sinn. Er symbolisiert die Vernetzung und Interaktion von Technik, Energie und Architektur, die für modernes Wohnen und Arbeiten so entscheidend ist.Durch die für Drahtseilnetze typische Eigensteifigkeit konnte Carl Stahl die rechnerischen Auflagerkräfte auf das Dachtragwerk so weit reduzieren, dass auf aufwendige Federelemente verzichtet werden konnte. Die leichte Bauweise führt zu einer kurzen Montagedauer von nur rund vier Wochen.

Im urbanen Innenraum präsentiert sich die Schweiz mit einer von der Element GmbH konzipierten Ausstellung zum Expo Unterthema «rural- urban interaction». Der Besucherrundgang führt vorbei an Zukunftsvisionen von zwölf Schweizerinnen und Schweizern zu einer Terrasse mit einem eindrücklichen Ausblick auf die Schweizer Bergwelt, welche das Leben in der Schweiz entscheidend prägt. Die Stadt/Land-Thematik wird durch 50 Ferngläser vertieft, die quasi-3D-Einblicke in konkrete Schweizer Lösungsbeispiele in den Bereichen Luft- und Wasserqualität, nachhaltiges Bauen sowie Mobilität geben. Als krönender Abschluss führt schliesslich eine Sesselbahn die Besucher auf das begrünte Dach des Pavillons und versinnbildlicht so die Wechselwirkung der ländlichen Schweiz im Gegensatz zum urbanen Innenraum. (pd/küm)