Die schwimmende Wirbelsäule

Die schwimmende Wirbelsäule

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Teaserbild-Quelle: Bilder: Dukas/GIANLUCA SANTOSUOSSO / CATERS NEWS

Es gibt nichts, was es nicht gibt: Ein Londoner Designer hat ein Hotel entworfen, das ohne Ziel und Zeitplan über die Weltmeere treibt – und aussieht wie ein Rückgrat.

Ohne Stress und ohne genaues Ziel: So stellt sich der 32-jährige Londoner Designer Gianluca Santosuosso den perfekten Urlaub vor. Den Stresslevel herunterzufahren dürfte ja noch gehen – aber wie siehts mit der Ziellosigkeit aus? Schliesslich hat doch jede Unterkunft ihren festen Standort. Nicht das „Floatel“ oder „Morphotel“, das der Mann entworfen hat: ein Hotel, das ohne ein konkretes Ziel und ohne einen Zeitplan über die Weltmeere treibt, angetrieben allein von der Meeresströmung.

Wie die Online-Ausgabe von „20 Minuten“ schreibt, verfügt das Hotel über eine wirbelsäulenartige Grundstruktur, an der Kapseln angebracht sind. Sie beherbergen Gästezimmer, Restaurants, Geschäfte oder einen Pool. An den Enden des 800 Meter langen Gebildes sind Boote angebracht, damit die Gäste die Umgebung erkunden können. Um überhaupt zu seiner Unterkunft zu gelangen – die ja überall und nirgends sein kann –, ist ein Helikopter nötig. Ausser dann, wenn das Hotel gerade an einer Küste Halt macht. Dafür ist ein Steg vorgesehen. Santosuossos Traum-Hotel soll als ein autarkes Ökosystem funktionieren, mit Solaranlage, Wellenenergie, Regenwasser-Tanks und schwimmendem Garten.

Laut „20 Minuten“ hat das Konzept in der Tourismusbranche bereits Interesse geweckt. Entwickler hätten den Designer bereits kontaktiert. „Ich bin mir ziemlich sicher, dass man mit der heutigen Technologie das Konzept des Morphotels umsetzen könnte“, lässt er sich zitieren.

Eine Schnapsidee?

Da sind die Kommentatoren auf 20min.ch etwas anderer Meinung. Sie finden die Idee zwar einerseits lustig, andererseits aber auch utopisch. Einer schreibt: „Ja klar doch. Zum Glück gibt’s auf den Weltmeeren keine Wellen, keine Stürme, keine Untiefen, keine Ufer und keine anderen Schiffe, denen man ausweichen muss. Beim ersten grösseren Wellengang bricht das Ding sowieso auseinander.“ Ein anderer ist überzeugt, dass es „in den ersten Monaten gegen eine Klippe knallt oder in einem Sturm zerbricht“. Ein weiterer Leser macht auf grosse Tiere aufmerksam, die im Meer unterwegs sind. „Kann ja sein, dass ein Wal damit kollidiert.“

Die Tatsache, dass das schwimmende Hotel ziellos unterwegs sein soll, macht einem weiteren Leser Sorgen. Er schreibt: „Und was ist, wenn man Badehosen einpackt, sich auf die Karibik freut, und dann treibt man durch die Gewässer am Nordpol?“

Aber es gibt auch einige wenige, die dem „Floatel“ durchaus etwas abgewinnen können. „Coole Idee“, kommentiert einer, „da der Meeresspiegel immer höher wird, könnte ich mir sowas schon vorstellen als einen alternativen schwimmenden Lebensraum. Und das bleibende Festland vorwiegend für Landwirtschaft zu nutzen.“ Andere wollen nicht so pessimistisch sein und fordern, den Entwicklern noch etwas Zeit zu geben, um das Konzept ausreifen zu lassen. (mt/pd)