Die Schweiz, ein Land von Pendlern

Die Schweiz, ein Land von Pendlern

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Wer in der Schweiz wohnt, legt für Freizeit, Beruf und Einkaufen immer grössere Distanzen zurück. Dafür benutzen gemäss einer heute Dienstag veröffentlichten statistischen Erhebung des Bundes die Menschen vermehrt öffentliche Verkehrsmittel.
 
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Der grösste Bahnhof der Schweiz liegt in Zürich.
 
Mit der Bahn wurden im Jahr 2010 rund ein Viertel mehr Kilometer zurückgelegt als fünf Jahre zuvor. Die im Auftrag des Bundesamts für Statistik (BFS) und des Bundesamts für Raumentwicklung (ARE) befragten Menschen legten im Tagesdurchschnitt 7,1 km im Zug zurück, dies sind 1,5 km mehr als im Jahr 2005. Im Bus oder im Tram waren sie 1,4 km (2005: 1,3 km) unterwegs. Über alle Verkehrsmittel gesehen war jede in der Schweiz wohnhafte Person ab 6 Jahren durchschnittlich pro Tag 36,7 km unterwegs. Das sind rund 4 Prozent mehr als 5 Jahre davor. Der Löwenanteil davon wird immer noch im Privatauto zurückgelegt.

Strassenanteil geht zurück

Mit 23,8 km blieb der Strssenanteil aber nunmehr seit 10 Jahren praktisch unverändert. Der relative Anteil sank aber seit 2005 um knapp 3 Prozentpunkte auf rund 66 Prozent. Praktisch gleich lang blieben die zu Fuss (2 km) oder per Velo (0,8 km) zurückgelegten Strecken. Obwohl die gesamthaft zurückgelegte Strecke weiter anstieg, mussten die Menschen dafür weniger Zeit aufwenden. Sie waren inklusive der Warte- und Umsteigezeiten täglich rund 1,5 Stunden unterwegs. Das sind knapp 6 Minuten weniger als im Jahr 2005. Grund dafür ist, dass der Anteil der Bahn - ein vergleichsweise schnelles Verkehrsmittel - zugenommen hat, wie die Direktorin des Bundesamts für Raumentwicklung (ARE), Maria Lezzi, vor den Medien in Bern sagte. Im Schnitt konnten so in kürzerer Zeit mehr Kilometer zurückgelegt werden.

Beschleunigter Bahnverkehr verleitet zum Pendeln

Die Beschleunigung im Fernverkehr habe zu Wachstum beim Bahn-Pendlerverkehr geführt. Die Zeitgewinne führten dazu, dass man in kürzerer Zeit weiter komme, sagte Lezzi. Sie sieht diesen nicht nur positiv, da er zu mehr Pendlerströmen führt. Aus ihrer Sicht soll in Zukunft vor allem die Kapazität der Bahn und nicht deren Geschwindigkeit erhöht werden. Die Länge der Tagesstrecken variiert je nach Bevölkerungsgruppe. So sind die Tagesdistanzen der Männer im Mittel gut 11 km länger als jene der Frauen. Auffallend ist auch, dass Personen aus einem Haushalt mit hohem Einkommen, im Schnitt deutlich längere Tagesdistanzen absolvieren als Personen mit vergleichsweise tiefem Haushaltseinkommen.
 
Mit Abstand am mobilsten sind junge Erwachsene im Alter von 18 bis 24 Jahren. Sie absolvierten täglich 49,2 km. Personen dieser Alterskategorie waren auch überdurchschnittlich oft im Zug oder in einem anderen öffentlichen Verkehrsmittel unterwegs. Der öV-Anteil an der Tagesdistanz lag bei ihnen bei 38,7 Prozent. Bei allen anderen Alterskategorien liegen die Anteile unter 30 Prozent.

18- bis 24-Jährie: Bahn statt Fahrausweis

Ein Hinweis für diesen Umstand liefert auch die Statistik über den Besitz eines Führerscheins oder eines Generalabonnements (GA). Während der Anteil jener Personen im Alter von 18 bis 24 Jahren mit einem Führerschein seit 1994 von knapp 71 auf noch knapp 59 Prozent im Jahr 2010 zurückgegangen ist, hat sich der Anteil GA-Besitzer in dieser Alterskategorie im gleichen Zeitraum auf knapp 20 Prozent verdoppelt. Hauptsächlicher Auslöser für die Mobilität der Befragten ist wie in den Vorjahren die Freizeit. Auf ihr Konto gingen im Jahr 2010 rund 40 Prozent der Tageskilometer. Hier hat nun aber ein rückläufiger Trend eingesetzt. Gegenüber 2005 sank der Freizeitanteil nämlich um 5 Prozentpunkte, gegenüber 1994 gar um 10 Prozentpunkte. Parallel dazu stieg der Anteil des durch Arbeit und Ausbildung verursachten Pendlerverkehrs um 5,4 Prozentpunkte auf 29,7 Prozent.
 
Bei der Erhebung, die im Rahmen der modularen Volkszählung durchgeführt wurde, wurden im Jahr 2010 rund 63'000 Personen befragt. (sda)