Die Musterschüler müssen nachsitzen!

Die Musterschüler müssen nachsitzen!

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Die Schweizer waren einmal Pioniere im Bereich erneuerbarer Energien. Besonders für Technologien zur Nutzung der Sonnenenergie waren Schweizer Ingenieure und Industrielle weltweit führend. Mit der Ablehnung des Solarrappens anfangs der Neunzigerjahre hat sich das Blatt gewendet, es fehlten die Mittel zur Förderung der erneuerbaren Energien. Die Schweizer Pioniere überlebten nur, wenn sie ihre Kompetenz und ihre Produkte im Ausland zur Verfügung stellen konnten.
 
Dafür wurden im auslaufenden zwanzigsten Jahrhundert die erneuerbaren Energien in ver-schiedenen unserer Nachbarländer zunehmend und wirkungsvoll gefördert. Die Einspeise-vergütung für Solarstrom gemäss dem Erneuerbare-Energien-Gesetz EEG löste zum Beispiel in Deutschland ab dem Jahr 2000 einen gewaltigen Boom für die Solarenergie aus.
Viele fortschrittliche Länder in der EU sind der Schweiz längst voraus. So liegt der Anteil erneuerbarer Energien am Gesamtenergieverbrauch in Ländern wie Schweden, Österreich oder Portugal bereits zwischen 23 und 44 Prozent, in der Schweiz liegt er bei 18.5 Prozent (Quelle: Sonntags-Zeitung/BFE).
 
Zwar trat in der Schweiz per Anfang 2009 endlich eine kostendeckende Einspeisevergütung in Kraft, die Mittel für Solarstromanlagen waren aber sofort ausgeschöpft. Rund 5000 blo-ckierte Projekte auf der Warteliste können auch trotz der im Juni 2010 beschlossenen Erhö-hung nur sukzessive abgebaut werden, die Fachleute sind sich einig, dass die zur Verfügung stehenden Mittel nicht ausreichen.
Es braucht mehr Mittel und politischen Willen, damit wir wieder zu den Musterschülern ge-hören, das know how und die Technologien wären vorhanden.
 
Ende Juni wurden im Rahmen des für Universitäten international ausgeschriebenen Wett-bewerbs «Solar Decathlon 2010» in Madrid die besten integralen Entwürfe für Plusenergie-häuser auserkoren. Das spanische Bauministerium und das US Department of Energy beab-sichtigten mit diesem weltweiten Solar-Wettbewerb für Hochschulen die Förderung des Bewusstseins für das energieeffiziente Bauen in Lehre, Forschung und Praxis.
 
Am ersten europäischen «Solar Decathlon» nahmen Teams aus 20 Universitäten aus aller Welt teil, darunter USA, Finnland, England, Frankreich und Spanien. Dabei wurde der Be-weis erbracht, dass Häuser des 21. Jahrhunderts zu eigenständigen Kraftwerken, ja Plus-energiehäusern auch in kritischem Klima werden können.
Es wäre zu wünschen, daß die Schweiz mit ihrer lebendigen Universitäts- und Fachhoch-schullandschaft am nächsten «Solar Decathlon» im Jahre 2011 ebenfalls teilnimmt.
 
Rudolf Locher, Geschäftsführer Schweizerische Zentrale Fenster und Fassaden