Die Limette hilft der Sonne

Die Limette hilft der Sonne

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Teaserbild-Quelle: Henrik Thorn, flickr
Die vom ETH-Wasserwirtschaftsinstitut Eawag entdeckte Wasseraufbereitung in der PET-Flasche ist weltweit verbreitet: Füllt man Wasser in eine solche Flasche ab und legt diese für rund sechs Stunden in die Sonne, neutralisiert die UV-Strahlung einen Grossteil der Keime. Wird Limettensaft beigefügt, reichen schon 30 Minuten. Dies haben US-Forscher entdeckt.
 
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Zwar hat die Limette nicht so viel Vitamin C wie die Zitrone, hilft aber schädliche Keime im Wasser zu neutralisieren.
 
Die Schweizer Bevölkerung verbraucht etwa 237 Liter sauberes Wasser pro Person und Tag. Damit gehört sie zu den Grossverbrauchern. Zum Vergleich: In Deutschland liegt dieser Wert bei 129 Litern. In anderen Weltgegenden ist genügend Trinkwasser nicht selbstverständlich und billige Lösungen, geniessbares Wasser zu gewinnen, sind gefragt und überlebenswichtig.
 
In manchen Entwicklungs- und Schwellenländern ist die Trinkwasser-Aufbereitung mit PET-Flaschen, die an die Sonne gelegt werden weit verbreitet. Organisationen wie Unicef, WHO, Rotes Kreuz und zahlreiche Regierungen empfehlen das von der EAWAG entdeckte Verfahren, das unter dem Begriff Sodis (Solar Desinfection) bekannt ist. Für viele ist es die einzige Möglichkeit, um zu einigermassen geniessbarem Trinkwasser zu kommen. PET-Flaschen sind überall leicht zu beschaffen und die Instruktion - wie man es macht - ist einfach und unmissverständlich.

Schneller mit Limettensaft

Laut einer Publikation im Fachblatt „American Journal of Tropical Medicine und Hygiene“ haben US-Forscher entdeckt, dass die Desinfektionszeit bei dieser Form der Trinkwasser-Gewinnung durch die Zugabe von Limettensaft entscheidend verkürzt werden kann. Und zwar von sechs Stunden auf 30 Minuten. Gemäss Kellogg Schwab von der John Hopkins School of Medicine werden dazu etwa 30 Millilieter Limettensaft benötigt, dies entspricht etwa einer Limette auf zwei Liter Wasser. Diese natürliche Zugabe eliminiert innert einer halben Stunde E.coli-Darmkeime und Bakteriophagen, allerdings nicht aber den murinen Norovirus (Durchfall, Erbrechen). Die grüne bis gelbliche Frucht von drei bis sechs Zentimetern Durchmesser, im Fruchtfleisch etwas saurer und weniger Vitamin C-haltig als bei der Zitrone, wächst vor allem in Südeuropa, Ägypten, Iran, Indien, Südostasien, Süd- und Mittelamerika und Südafrika - in Gegenden, die massiv unter Trinkwasser-Problemen leiden.
 
Für das Eawag liegt diese Leistungssteigerung ganz auf der Linie eines auf Einfachheit und Verfügbarkeit ausgerichteten Verfahrens für die Trinkwasser-Gewinnung. „Bisher durchliefen die Beigabe von Kupfer, Titanoxid und auch Limettensaft bereits Feldtests, haben sich aber noch nicht durchgesetzt“, erklärt Fabian Suter von der Eawag. „Einfachheit und Verfügbarkeit müssen oberstes Prinzip bleiben.“. Forciert wird deshalb eher eine nicht-chemikalische Beschleunigung. „Etwa fünf Prozent schneller geht es, wenn man die Plastikflasche auf reflektierende Unterlagen wie etwa Wellblech legt“, erklärt Suter.
 
Für die Aufbereitung grösserer Trinkwasser-Mengen ist diese Trinkwassergewinnung mit Limetten zu wenig effektiv. Der noch relativ günstige Zusatz von Chlor ist für grössere Wassermengen das geeignetere Verfahren. Und die Verwendung von Keramik- und Membranfiltern wesentlich teuerer und damit für viele unerschwinglich.

Beutel statt Flasche

Experimentiert wird beim Eawag zurzeit mit Sodis-Beuteln. Sie punkten mit einer grösseren Oberfläche für die Sonnenbestrahlung und einer besseren UV-Strahlen-Durchlässigkeit gegenüber PET-Flaschen. Ein Pilotprojekt wurde soeben in Haiti gestartet wo solche Beutel unter realen Bedingungen eingesetzt werden. Während zwei Monaten werden 200 Familien den Beutel täglich brauchen und Handhabung, Robustheit und Bedienungsfreundlichkeit testen. In Haiti ist Wasser und Trinkwasser knapp. Die erneuerbare Wassermenge pro Person und Jahr beträgt 960 Kubikmeter, in der Schweiz 6520 Kubikmeter. Diese Form dezentraler Trinkwassergewinnung könnte in einem der ärmsten Länder wirklich Leben retten. (mai)