Die langen Schatten der Kelten

Die langen Schatten der Kelten

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Unter dem Wald bei der Berner Gemeinde Kallnach befindet sich eine bis zu 50 Meter dicke Kiesschicht. Könnte diese abgebaut werden, wäre der Kiesbedarf für die Region auf die nächsten Jahrzehnte hinaus gesichert. Weil der Boden aber reich an archäologischen Funden ist, ist derzeit nicht klar, ob hier dereinst Kies abgebaut wird.
 
Das fragliche Gebiet ist bereits im Teilrichtplan als Kiesabbaustandort aufgenommen. Zudem hat die Landbesitzerin, die Burgergemeinde Kallnach, mit der Kiesabbau und Recylingfirma Hurni Holding AG einen entsprechenden Vertrag abgeschlossen. Kein anderer Standort sei so ergiebig wie Kallnach, erklärt Fritz R. Hurni, Delegierter des Verwaltungsrates, gegenüber der „Berner Zeitung“.
 
Doch nun könnte die Vergangenheit dem Vorhaben einen Strich durch die Rechnung machen: Neben Kies befinden sich unter dem Wald keltische Grabhügel. Und in Kallnach selbst wurden in den vergangenen hundert Jahren immer wieder keltische und römische Funde gemacht, etwa Überreste einer römischen Villa samt Mosaikboden und Badetrakt mit Bodenheizung. Aus diesem Grund vermuten Archäologen im künftigen Abbaugebiet weitere Überreste vergangener Zeiten. Wie die „Berner Zeitung“ berichtet, haben Untersuchungen mittels Geoelektrik, Georadar sowie Laserscanning gezeigt, dass der fragliche Grund tatsächlich archäologische Funde birgt, und zwar aus mehreren Epochen. Prähistorische Gräber und Befestigungsanlagen, Ackerterrassen aus dem Mittelalter sowie Spuren der Römer und Kelten.

Teure Rettungsgrabungen?

Das Problem: Im Kanton Bern ist Kiesabbau in archäologischen Schutzgebieten untersagt. Zwar heisst dies nicht, dass bei Kallnach definitiv kein Kies gewonnen werden darf. Aber nun muss das kantonale Amt für Gemeinden und Raumordnung die Interessen gegeneinander abwägen und dann einen Entscheid fällen; pro Kiesabbau oder pro archäologisches Schutzgebiet. Entscheidet er sich für den Kiesabbau, stellt sich die Frage, wer die Rettungsgrabungen bezahlen muss. Kiessabbau und Archäologie würden sich nicht ausschliessen, erklärt Hurni gegenüber der „Berner Zeitung“. Doch für die Grabungen muss seiner Meinung nach der Kanton aufkommen. „Für uns ist es nicht möglich die Kosten zu tragen“, wird Hurni im Artikel zitiert. Zahle der Kanton nicht, und gebe es bei Kallnach keine Grube, habe dies für die Hurni AG schwerwiegende Folgen. Es bedeutete laut Hurni das Ende der Kiessparte des Unternehmens. (mai)
 
Den Artikel aus der Berner Zeitung finden Sie hier: www.bernerzeitung.ch
 
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