Die Lagunenstadt sinkt schneller als befürchtet

Die Lagunenstadt sinkt schneller als befürchtet

Gefäss: 
Teaserbild-Quelle: Roberto Tim/flickr
Venedig versinkt immer schneller im Wasser. Der Forscher Yehuda Bock, Experte des Ozeanografischen Instituts der Universität von San Diego in Kalifornien, und sein Team errechneten, dass der Grund von Venedig um zwei Millimeter pro Jahr sinkt.
 
Roberto Tim/flickr
Quelle: 
Roberto Tim/flickr
Wegen der Klimaerwärmung wird Venedig immer öfter unter Hochwassern leiden.
 
Sinkt die Lagunenstadt weiterhin mit derselben Geschwindigkeit, erhöht sich der Meerespiegel Venedigs in den kommenden 20 Jahren um acht Zentimeter. Allerdings betrifft dieses Phänomen nicht nur die Stadt, sondern auch die übrigen 120 Inseln der Lagune. Wie Yehuda Bock berechnete, sinkt der nördliche Teil der Lagune jährlich bis zu drei und der südliche bis vier Millimeter. Basis für diese Berechnungen lieferten GPS- und Satellitenmessungen.
 
 
Ursache für die alarmierende Entwicklung sind laut Bock der Rückgang des Grundwassers und der steigende Meeresspiegel. Der Verlust des unterirdischen Wasserreservoirs bringe mit sich, dass sich der Boden senke, auf dem Venedig gebaut ist, so Bock. Gleichzeitig steigt der Meeresspiegel als Folge der globalen Erwärmung. Das heisst: Voraussichtlich reicht das als geniales Mittel gegen den steigenden Meeresspiegel gelobte Schleusensystem „Mose“, an dem seit einigen Jahren gearbeitet wird, nicht aus, um die Serenissima zu retten.

Wenn 78 Fluttore nicht mehr genügen

Das sogenannte Mose-Projekt besteht aus 78 riesigen mobilen Fluttoren, die den Eingang der Lagune von Venedig bei drohendem Hochwasser versperren und so die Stadt vor Hochwasser schützen sollen. Doch auch der Untergrund unter den Toren würde sinken. Zudem dürfte es wegen der weltweiten Klimaveränderung künftig in Venedig öfter Hochwasser geben, als es die Ingenieure des Mose-Projekts einkalkulieren. In Hochwassermonaten wäre die Stadt somit fast ständig vom Frischwasser abgeschnitten und könnte sich schnell in eine Kloake verwandeln. Das Schleusensystem sollte bis Ende 2013 gebaut werden.
 
Doch nicht nur vom steigenden Meerespiegel geht Gefahr aus, sondern auch von grossen Schiffen: Die Bürgerbewegung „No Grandi Navi“ will per Gesetz verbieten, dass grosse Kreuzfahrtschiffe zu Nahe an der Stadt vorbeifahren. Denn die schwimmenden Kolosse verschmutzen nicht nur die Luft und sorgen für Lärm, sondern beschädigen auch die Gebäude, die oft ins Wackeln geraten. Die Belastung ist erheblich: rund 650 Mal pro Jahr steuern Kreuzfahrtschiffe die Lagune an, wie die Online-Ausgabe der österreichischen Tageszeitung „der Kurier“ berichtet. (mai/sda)
 
Mehr über das Projekt Mose erfahren Sie im Artikel "Mammutprojekt soll Venedig vor Hochwasser schützen" vom 20.11.2009.