„Die Kosten sind in ihrer Höhe völlig unplausibel“

„Die Kosten sind in ihrer Höhe völlig unplausibel“

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Teaserbild-Quelle: Herzog & de Meuron
Die Eröffnung der Hamburger Elbphilharmonie von Herzog & de Meuron verzögert sich einmal mehr, zudem sind die Kosten stark gestiegen. In einem Interview mit Spiegel-Online erklärt Projektmanagement-Experte Franz-Josef Schlapka die Kostensteigerungen und wirft der Projektleitung vor, das Projekt nicht im Griff zu haben.
 
 
Ursprünglich hätte die Elbphilharmonie von Herzog & de Meuron nächstes Jahr eröffnet werden sollen. Dann kündigte die verantwortliche Bauunternehmung Hochtief Construction AG an, dass das Gebäude erst im Mai 2012 steht. Sie machte die Architekten Herzog & de Meuron für die Verzögerungen verantwortlich. Man brauche Pläne, ohne Pläne könne man die Elbphilharmonie nicht bauen, hielt dazu Hochtief-Sprecher Bernd Püttner gegenüber der Deutschen Presseagentur (dpa)  fest. Nun könnte es noch ein weiteres Jahr dauern, bis im Glaspalast über der Elbe das erste Konzert statt findet. Die von der Hochtief angekündigte Verzögerung bei der Fertigstellung soll nichts mit der aktuellen Situation auf der Baustelle zu tun haben: Man habe auf der Grundlage der aktuellen Verzögerungen von acht bis zehn Wochen einfach eine Hochrechnung aufgestellt, erklärte man im Januar dieses Jahres bei der Bauunternehmung auf Anfrage der dpa.

Über 200 Millionen Euro teurer

Das Projekt verzögert sich nicht nur, sondern auch seine Kosten sind im Laufe der Zeit massiv angestiegen. Ursprünglich war der Kostenanteil der Stadt Hamburg an das Projekt auf 114 Millionen Euro angesetzt gewesen. Mittlerweile sind es 323 Millionen Euro. „Ich wäre mit diesen Kosten an der Stelle von Hochtief nicht ins Rennen gegangen. Die Forderungen sprengen jeden Rahmen und sind völlig unüblich“, erklärt dazu Projektmanagement-Experte Franz-Josef Schlapka in einem Interview mit „Spiegel-Online“. Die Kosten seien in ihrer Höhe völlig unplausibel, so Schlapka weiter. Als Beispiel führt er die Mehrkosten, die Hochtief der Stadt für die Verlängerung der Bauzeit in Rechnung gestellt hat. Man habe 1,44 Millionen Euro pro Monat für die Einrichtung und den Betrieb der Baustelle gefordert. „Wenn Sie so ein Unikat bauen, dann kommen auf dem Wege Probleme, die Sie vorher gar nicht haben erkennen können“, relativiert Schlapka. „Der Teufel steckt im Detail. Die Fassade, das Dach, der Innenausbau des Konzertsaals – natürlich führt das zu weiteren Steigerungen.“ Der Reigen sei noch lange nicht vorbei.

Am falschen Ende gespart?

Bei der Elbphilharmonie kümmert sich eine städtische GmbH als Projektierungsgesellschaft um die Projektleitung. Einen Fehler ortet Schlapka hier bei der kleinen Besetzung: „Man muss eine Mannschaft aufstellen, die vom ersten Tag an das Projekt im Griff hat. Wenn man da spart, spart man am falschen Ende. Genau das ist aber in Hamburg geschehen: Die Baustelle war in der ersten Bauphase seitens der Projektkleitung gerade mal mit fünf Leuten besetzt. Die Begründung war: Man habe sparen wollen. Das kann nicht funktionieren.“
 
Städtische oder staatliche Auftraggeber wollten ein besonders Architekturwunderwerk auf den Weg bringen, resümiert Schlapka. Sie machten aber vor lauter Ehrgeiz ihre Hausaufgaben nicht. Das räche sich immer. (mai)
 
Siehe auch Artikel vom 7. April 2010: Die Elbphilharmonie wird zum Gerichtsfall