«Die KEV lässt die Banken ruhig schlafen»

«Die KEV lässt die Banken ruhig schlafen»

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Lenkungsabgabe statt KEV und EIV? Rolf Wüstenhagen, Professor für Management erneuerbare Energien an der HSG, bezieht im Interview mit bauwelt.ch Stellung.

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Rolf Wüstenhagen, Professor für Management erneuerbare Energien an der HSG.


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Bauwelt.ch (BW): Herr Wüstenhagen, der Bund überlegt, die Solarstrom-Förderungen via kostendeckende Einspeisevergütung und Einmalvergütung ab 2021 durch eine Lenkungsabgabe zu ersetzen.

Rolf Wüstenhagen (R.W.): Ja, das stimmt. Für neue Anlagen wird langfristig über einen Systemwechsel diskutiert. Obwohl die KEV ja auch eine Art Lenkungsabgabe ist, allerdings eine zweckgebundene. Diese verteuert den Strompreis schon jetzt um etwa einen Rappen pro bezogene Kilowattstunde.

BW: Welche Auswirkungen hätte eine Lenkungsabgabe?

R.W.: Das kommt natürlich ganz auf die Höhe der Abgabe an. Allerdings spielt die psychologische Komponente eine grosse Rolle. Die KEV gibt den Photovoltaik-Produzenten finanzielle Sicherheit, wirkt auf Investoren stabilisierend und lässt die Banken ruhig schlafen. Wobei die lange Warteliste ein echtes Problem ist.

BW: Was könnte im schlimmsten anzunehmenden Fall passieren?

R.W.: Schlecht wäre es, wenn die aktuellen politischen Unsicherheiten noch lange anhalten. Das würde zu einem Investitionsstau führen, die Abhängigkeit von nicht-erneuerbaren Energien verlängern und schlimmstenfalls dazu führen, dass der Technologiestandort Schweiz den Anschluss an den boomenden Weltmarkt für Photovoltaik verliert.

BW: Und Ihr positivstes Szenario?

R.W.: Die Politik schafft rasch Klarheit, die KEV-Warteliste wird abgebaut, dadurch installieren viele Private und Firmen Solarmodule und produzieren Strom auf dem eigenen Dach. Dank ihrer starken Position bei Energie-, Informations- und Speichertechnologien wird die Schweiz in aller Welt nicht mehr nur für ihren legendären öffentlichen Verkehr, sondern auch für ein zuverlässiges erneuerbares Energiesystem geschätzt.

BW: Apropos Solarmarkt. Die Branche jammert, sie stehe extrem unter Kostendruck. Woran liegt das?

R.W.: Dabei spielen die günstigen chinesischen Produzenten eine Rolle. Die momentane Debatte um die Entwicklung und Förderung der Solarenergie hat Einfluss. Auch der Handelskrieg zwischen China und der EU verschlechtert die Bedingungen.

BW: Handelskrieg?

R.W.: Ein deutscher Solarhersteller klagte vor einigen Jahren bei der EU-Wettbewerbskommission, weil die Chinesen Ihre Solarpaneele zu Dumpingpreisen verkaufen würden, und bekam Recht. Seit 2013 gibt es Strafzölle auf die chinesischen Module. Nun sind die Preise höher, genutzt hat dies keinem.

BW: Hand aufs Herz: Lenkungsabgabe ja oder nein. Wie soll sich der Bund entscheiden?

R.W.: Es gibt nicht nur Schwarz oder Weiss. Sinnvoll wäre ein gleitender Übergang, bei dem die Höhe der Förderung schrittweise heruntergefahren und gleichzeitig die Lenkungsabgabe erhöht wird.

Das Interview führte Nina Gerwoll für bauwelt.ch