Die Gipfelstürmer der Nation

Die Gipfelstürmer der Nation

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Teaserbild-Quelle: zvg
Das neue Gebäudeensemble auf der Luzerner Allmend, bestehend aus Fussballarena, zwei Hochhäusern und einem Sportgebäude, ist einmalig. Die einheitliche Strukturierung der Fassaden mit messingfarbenen Aluminium-Lisenen verleiht der Anlage einen hohen Wiedererkennungswert. Schon bei der Besichtigung war klar, dass nur die «Hochzwei»-Türme als Motiv für den Titel dieses Magazins infrage kommen. Nach Meinung der Redaktion sind sie die «Gipfelstürmer der Nation».
 
 
 
Die Fans in der Kurve geben Gas. Die neu eröffnete Swissporarena wird im ersten Heimspiel der Saison – FC Luzern gegen den FC Thun – zum Hexenkessel. Gigantisch, wie die Sprechchöre widerhallen! Allein schon für die Akustik gibt es von den Fans viele Komplimente an die Adresse der Stadion-Architekten. Die Luzerner lieben ihre neue Arena – und sie können zurecht stolz darauf sein.

Stadion mit Minergie Zertifizierung

Für die Verantwortlichen der Arbeitsgemeinschaft Halter/Eberli geht eine zweijährige Bauzeit zu Ende, die spannend aber auch anstrengend war. Zwei Wochen vor dem ersten Heimspiel konnte die «Gipfelstürmer»-Redaktion die Baustelle mit dem zuständigen Geschäftsführer der Halter Generalunternehmung, Stefan Wehner, besuchen. «Noch bin ich der Hausherr auf dem Gelände, aber schon bald werde ich den Schlüssel abgeben müssen», meinte er doch ein bisschen wehmütig. Damals fehlten noch die weissen Sitze, mit denen der FCL Schriftzug in die Zuschauerränge geschrieben wird, aber ansonsten war im Stadion alles bereit für den gelungenen Start. «Wir sind stolz darauf, dass wir die Abnahme des Gebäudes im ersten Durchlauf hinter uns bringen konnten. Gemäss Fussballverband ist dies alles andere als selbstverständlich. Stolz sind wir auch darauf, dass wir das erste Minergie- zertifizierte Stadion in der Schweiz realisieren konnten.» Wehner spricht in der Superlative. Die Freude am gelungenen Werk ist ihm deutlich anzusehen.

Wohnhochhäuser im Terminplan

Während das Stadion nun seiner Bestimmung zugeführt worden ist, sind die Arbeiter an den Hochhäusern noch fleissig am werken. Das erste Hochhaus ist Mitte Juli fertig aufgezogen und eingepackt. Das zweite Hochhaus liegt bei Stockwerk acht. «Warum die Hochhäuser nicht parallel aufgezogen wurden? In erster Linie geht es hier um die Optimierung des Materials», meint Wehner und fügt hinzu:«Allen voran die Schalungsform musste so nur einmal geformt werden. Die Grundform eines Kleeblattes ist nicht so einfach hinzubiegen, ist die Matrize aber einmal hergestellt wird diese immer wieder verwendet. Die Montagebühnen mit Windschild werden hydraulisch nach oben gehievt. So kann fortzu betoniert werden. Mit dem fest betonierten Erschliessungskern in der Mitte der Hochhäuser wird immer drei bis fünf Geschosse vorgegangen. Im Schnitt betonieren wir ein Geschoss pro Woche. Vorausgesetzt, dass das Wetter mitmacht». Dieses hätte den Terminplan des Baus auch fast über Bord geworfen. Allzu früh kam letzten Winter der Schnee und vor allem die tiefen Temperaturen legten die Baustelle teilweise lahm. Ausserdem war auch der Baugrund nicht so beschaffen, wie man es im Vorfeld angenommen hatte. Wehner: «Die Bauweise für Swissporarena, Wohnhochhäuser und Sportgebäude sah eine einzige grosse Baugrube vor. In dieser Baugrube hätte das Grundwasser, das in verschiedenen Schichten vorkommt, durch Abpumpen abgesenkt und über Brunnen ausserhalb der Grube wieder in den Boden zurückgeführt werden sollen.
 
 
Dazu wurden rund um die Baugrube so genannte Spundwände gesetzt. Stand und Bewegungen des Grundwassers wurden seit Beginn der Arbeiten mit über 70 Sonden, davon 50 elektronische, kontinuierlich überwacht. Mitte Februar 2010 hätte eine zweite, tiefer gelegene und unter Druck stehende Grundwasserschicht für den weiteren Bau abgesenkt werden müssen. Eine Absenkung dieser zweiten Grundwasserschicht auf die bewilligte Höhe war aber nicht möglich: Die Veränderung des Grundwasserspiegels hätte die Baustelle der benachbarten Zentralbahn beeinflusst, obwohl einige Distanz zwischen den Baustellen liegt. Um mit den Bauarbeiten fortzuschreiten, wurde eine zweite Baugrube in der Baugrube erstellt. Hierfür mussten weitere Spundwände gesetzt werden, damit der Grundwasserspiegel lokal weiter abgesenkt werden konnte», erklärt Wehner. Nichts desto trotz ist man bei den Wohnhochhäusern im Terminplan. «Wenn alles so weiter geht wie bisher, sollten die Fassaden beider Wohnhochhäuser bis im Januar 2012 geschlossen sein. Im ersten Hochhaus haben wir bereits mit dem Innenausbau begonnen und wir sind zuversichtlich, dass wir den Bezugstermin vom 1. Oktober 2012 einhalten können.»

Wohnungen mit Perspektive

Über den Fassadenlift erreichen wir die obersten Geschosse des ersten Wohnturms der mit 88 Metern das höhere der zwei Geschwister ist. Hier wird die Einmaligkeit der Lage sichtbar. Die Allmend liegt eigentlich im Schnittpunkt dreier Sichtachsen: Eine Richtung Horw, eine Richtung Kriens, und eine Richtung Stadt Luzern. Von zwei Seiten sieht man auf den Vierwaldstättersee. Einmalig für den Hochhausbau ist auch, dass alle Wohnungen über einen grosszügigen Balkonbereich verfügen. Im Grundriss wird dieser Aussenbereich durch eine Veränderung des Radius ausgespart. Das verleiht der Fassade Dynamik und optische Tiefe. Eine der Spezialitäten der beiden Hochhäuser ist auch die grosse Auswahl an verschiedenen Grundrissen. Ob smarte Kleinwoh Projekt «Hochzwei», wie die Verantwortlichen die beiden Hochhäuser nennen, lässt in punkto Auswahl keine Wünsche offen. Im ersten Hochhaus stehen auf 25 von insgesamt 30 Etagen 138 Wohnungen und im zweiten Hochhaus auf 25 von 26 Etagen total 145 Wohnungen mit 2,5, 3,5, 4,5 und 5,5 Zimmern zur Auswahl. Nebst der tollen Aussicht auf Luzern, Pilatus oder direkt ins Stadion, steht den zukünftigen Mietern auch ein «Living Service» zur Verfügung.
 
Es beinhaltet bereits in der Miete inbegriffene Dienstleistungen wie einen Schuhreinigungsautomaten, eine Fensterreinigung pro Jahr oder der Ferienservice, durch den während der Ferienabwesenheit in der Wohnung nach dem Rechten ¬geschaut wird. Weitere Serviceleistungen wie Wohnungsreinigung, Wäscheservice und Troubleshooter können à la carte bestellt werden.

Präzision gefragt

Zwei Stockwerke weiter unten stehen die Fassadenelemente bereit für die Montage. Die Elemente werden in China produziert und auf dem Schiffweg nach Europa gebracht. Das logistische und planerische Zentrum der Fassadenfirma hat jedoch ihren Sitz in Basel. «Der Vorteil der Produktion in China liegt nicht nur im Preis, sondern auch darin, dass die Produktionsfirma ein eigenes Aluminiumwerk besitzt und daher die Produktion der Elemente von A bis Z in der gleichen Hand liegt. So war auch die Lieferungszeit für spezifische Bemusterungen sehr kurz», erklärt Wehner. In einem Fassadenelement ist alles integriert: Fenster, Aussen wie Innenprofile und die nötige Dämmung. Eine Montage der Elemente via Gerüst wäre logistisch schwierig geworden. Daher hat man sich in Luzern für eine gerüstlose Montage entschieden. Die Monteure müssen jedoch schwindelfrei sein. Wer sich ausserhalb der Abschrankung bewegt, muss sich anseilen. «Ausserdem muss der Rohbau in einer Präzision gemacht werden, der eine solche Elementmontage ermöglicht», meint Wehner, «bis jetzt ist aber alles rund gelaufen».

Eine Fassade steht Spalier

Architektonisch gesehen ist die Ausbildung der Fassade mit den messingfarbenen Lisenen das Kernstück der Anlage. Sie bindet die verschiedenen Projekte zusammen und verleiht einen hohen Wiedererkennungswert. Die Referenzen für die vorgeschlagene Architektursprache finden sich in klassischen Elementen von Parkanlagen, wie Zäune, Gittertore und Lauben. Der aus diesen Referenzen entwickelte filigrane Ausdruck der Architektur soll sich auf die Atmosphäre von Parklandschaften und Aussensportanlagen beziehen. Die Allmend wird als zusammenhängender Grünraum angesehen, worin die Gebäude in offener Bebauung gesetzt werden. Die Durchlässigkeit der Räume wird vor allem beim Stadion sehr gut sichtbar. In der Vorzone zum eigentlichen Stadioneingang, dort wo man sich während des Spiels mit Wurst und Bier in der Pause eindeckt, wähnt man sich in einer Allee, gebildet von goldenen Lamellen-Elementen, die sich dann noch im Blau der inneren Metallfassade spiegeln. Ein ganz besonderes Erlebnis – auch für Sportmuffel. Das erste Pflichtspiel in der Swissporarena in Luzern endete unentschieden. Ob es die Kicker des FCL wie ihr Stadion, die Sporthalle und die Hochhäuser auf dem gleichen Areal, zu Gipfelstürmern der Nation schaffen, wird der weitere Saisonverlauf zeigen. Am Ambiente kann es jedenfalls nicht liegen, wenn sie dabei scheitern sollten... (Anita Simeon Lutz)
 
Den Jurybericht können Sie hier herunterladen.
 
 
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Swissporarena
  • Bauherrschaft: Stadion Luzern AG
  • Aktionariat: 60% ARGE Halter/Eberli, 40% Löwen Sport und Event AG
  • Fassungsvermögen: 14 000 Sitz- und 4000 Stehplätze
  • Logen: 14
  • Standard: A+
  • Bauvolumen: rund 75 Millionen Franken
  • Bezug: Juli 2011
 
Sportgebäude
  • Bauherrschaft: CSA Real Estate Switzerland, eine Immobiliengruppe der Credit Suisse Anlagestiftung.Die Credit Suisse Anlagestiftung Real Estate Switzerland (CSA RES) ermöglicht steuerbefreiten Vorsorgeeinrichtungen in ein Portfolio von ausgewählten Immobilien in der Schweiz zu investieren. Es setzt sich mehrheitlich aus Wohn- und Geschäftsliegenschaften sowie aus verschiedenen Wasser- und Sportanlagen zusammen.
  • Nutzungen: Hallenbad, Doppelturnhalle, Fitnesscenter, Verkaufs- und Büroflächen, Gastronomie
  • Anlagekosten: 78,2 Millionen Franken
  • Ausbau Hallenbad: rund 14,3 Millionen Franken
  • Bezug: Herbst 2012
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Wohnhochhäuser
  • Bauherrschaft: CS Real Estate Fund (CS REF) LivingPlus, ein Immobilienfonds der Credit Suisse.Dieser richtet sich sowohl an private als auch an institutionelle Anleger. Er investiert unter anderem an attraktiven Standorten in der Schweiz in Wohnformen mit integrierten Serviceleistungen, Seniorenimmobilien sowie in Gesundheit und Wellness.
  • Anzahl Wohnungen: 286
  • Appartements: 48
  • Anlagekosten: 134,7 Millionen Franken
  • Höhe: 88 und 77 Meter
  • Bezug: Herbst 2012
Wohnhochhäuser «Hochzwei»; am Bau Beteiligte
  • Architektur: Marques AG & Iwan Bühler GmbH, Architektengemeinschaft, Luzern
  • Totalunternehmer: Halter AG, Zürich und Eberli Partner Generalunternehmen AG, Sarnen
  • Bauingenieure: BlessHess AG, Luzern
  • Baumeister: Anliker AG, Emmenbrücke
  • Schalungen: Holzco-Doka, Schalungstechnik AG, Niederhasli
  • Fassadenbau: Yuanda Europe Ltd., Basel
  • Elektroanlagen: Maréchaux Elektro AG, Luzern
  • Lüftungsanlagen: ID Lufttechnik + Anlagebau AG, Schlieren
  • Sanitäranlagen: Benz & Cie. AG, Zürich
  • Kücheneinrichtungen: Bruno Piatti AG, Dietlikon
  • Aufzüge: Schindler Aufzüge AG, Ebikon
  • Fassadenreinigungsanlage: PB Tech AG, Samstagern
  • Gipserarbeiten: PUMAG-BAU GmbH, Rümlang
  • Innentüren aus Holz: Heinzer Schreinerei, Muotathal und RWD Schlatter AG, Dietikon;
  • Unterlagsboden Anhydrit: Floorgroup Bodensysteme AG, Luzern
  • Fugenloser Bodenbelag, Gussasphalt: Aeschlimann AG, Zofingen
Leichtathletik- und Breitensportanlagen
  • Bauherrschaft: Stadt Luzern
  • Nutzungen: Tribüne, Garderoben, Vereinsräume, Talentförderungszentrum
  • Bauvolumen: rund 12,8 Millionen Franken
  • Bezug: Herbst/Winter 2010/2011