Die fliegenden Baustellen

Die fliegenden Baustellen

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Teaserbild-Quelle: Ben Kron
Bei der Sanierung der Luzerner Stadtautobahn stehen die beiden Tunnels im Mittelpunkt. Nachts wird darin gearbeitet, tagsüber fliesst der Berufsverkehr hindurch. Es bedarf also „fliegender“ Baustellen, die jeden Abend auf- und am Morgen wieder vollständig abgebaut werden.
 
Wer auf der A2 durch Luzern Richtung Süden fährt, merkt tagsüber nichts davon, dass das Autobahnteilstück Cityring umfassend saniert wird. Das ist Teil einer ausgeklügelten Bauplanung, welche die Arbeiten auf der stark befahrenen Strasse überhaupt erst möglich macht. Konkret sieht das Konzept so aus, dass beim Sonnenbergtunnel jeweils eine der beiden zweispurigen Röhren für die Arbeiten gesperrt wird. Auch im Reussporttunnel wird nur in einer der beiden Tunnelröhren gearbeitet. Da dieser aber dreispurig ist, bleibt eine Spur für den Verkehr frei. Gesamtprojektleiter Franz Koch vergleicht die Arbeiten mit einem Eingriff am offenen Herzen.
 
Die Arbeiten, die gegen 20.30 Uhr beginnen, stehen unter stetigem Zeitdruck: Um 5 Uhr in der Früh müssen alle Bauleute wieder aus dem Tunnel, mitsamt all den Maschinen und dem Material. Kein Schraubenzieher darf auf der Autobahn liegenbleiben. Am Ende muss auch noch die Wischmaschine durch. "Bei der Tunnelfreigabe am Morgen kann schon eine Verspätung von 15 Minuten 2 bis 3 Kilometer Stau verursachen", erläutert Franz Koch.
 

"Bös gesamt nullachtfünfzehn"

Die Sanierungsmassnahmen in den Tunnels sind "bös gesagt nullachtfünfzehn", so Flavio Modetta, der Bauleiter im Sonnenberg-Tunnel. "Es gibt eine neue Entwässerung, Bankette mit Kabelrohranlagen, SOS-Nischen und eine neue Lüftung." Dazu werden die Decken und Wände saniert und die Blockfugen erneuert. "Nur dort, wo die Betonteile bewehrt sind, mussten wie diese vollständig instand setzten. Aber beide Tunnels sind grösstenteils unbewehrt, weshalb meist nur punktuelle Massnahmen nötig waren." Bei der Fahrbahn wollte man zuerst alles bis zur Fundationsschicht herausräumen. Materialtests ergaben aber, dass nur die Deck- und die Binderschicht erneuert werden müssen.
 
Trotz ausgeklügelter Logistik sind für 25 Wochenenden Vollsperrungen unvermeidlich. "Es gibt Arbeiten, die nicht im Laufe der Nacht erledigt werden können", erläutert Modetta. "Neben der erwähnten Zwischendecke zum Beispiel Eingriffe an der Fahrbahn wie der Einbau von Siphonschächten und Querungen. Auch Aufgaben, die sicherheitstechnisch relevant sind, können wir nur bei Vollsperrung wahrnehmen, so den Austausch der Ventilation."
 
Während der Sommerferien, wenn der Reiseverkehr am grössten ist, verzichtet man aber auf diese Wochenendsperrungen. Die nächste findet erst wieder am 27. und 28. August statt. (bk)
 

Projekt Cityring Luzern

Die A2 bei Luzern, die täglich von über 85’000 Fahrzeugen benutzt wird, zeigt nach knapp 40 Jahren deutliche Alterserscheinungen. Für rund 400 Millionen Franken wird deshalb der Luzerner Cityring einer Gesamterneuerung unterzogen, die im Juni 2013 abgeschlossen sein soll. Das gewählte Konzept mit der Nacht- und Wochenendarbeit verursacht dabei Mehrkosten von rund 100 Millionen.
 
Die Sanierung beinhaltet fünf Teilabschnitte: das Lehnenviadukt Reussegg-Lochhof, den 600 Meter langen Reussporttunnel, die Sentibrücken, den Stadtanschluss und den 1500 Meter langen Sonnenbergtunnel. Dazu kommen neue Fahrbahnbeläge, die Erneuerung der Betriebs- und Sicherheitsausrüstungen (BSA) sowie des Entwässerungssystems. Rund 60 Unternehmen teilen sich die Aufgaben im Cityring.
Als Vorbereitung auf das Grossprojekt wurden von 2006 bis 2010 die beiden Tunnels mit je einem Werkleitungsstollen ausgerüstet. Alle Leitungen für die Betriebs- und Sicherheitsausrüstung wurden in diese neuen Stollen verlegt, um die Hauptarbeiten in den Tunnels überhaupt zu ermöglichen. Diese begannen am 2. November 2010. (bk)