Die Architektur und die Zukunft der Berge

Die Architektur und die Zukunft der Berge

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Für gelungene Architektur in Tourismusgebieten müssen sich Gastgeber und Gäste auf Augenhöhe begegnen, fordert der Architekt Gion A. Caminada im Interview mit dem „Tages-Anzeiger“. Denn die Zukunft der Berge liegt laut dem Bündner Architekten in der Stärkung der Beziehungen mit der Stadt.

„Der Berg ist noch keine Stadt, nur weil an spezifischen Orten viele Leute auf engem Raum sind“, sagt Caminada und fügt hinzu, dass eine Masse von Wohnformen noch keine Urbanität sei. Eine Stadt sei viel komplexer, sie zeichne sich durch Beziehungsnetze aus. Allerdings fehlen diese laut dem Architekten im Tourismus. Er erklärt dies damit, dass Zweitwohnungsbesitzer häufig kaum Kontakt zum Ort haben und kulturell sowie sozial wenig zum Kontext beitragen. „Es ist paradox, die Dörfer werden immer grösser und gleichzeitig leerer.“

Natürliche Eigenschaften entdecken

Auf die Frage, ob es an den Architekten oder an den Kunden liegt, dass Bau und Landschaft oft nicht zusammenpassen meint er, dass heutige technischer Mittel einen anderen Umgang mit der Landschaft erlauben und dass dies oft unsensibel ende. Als Beispiel führt er energieeffiziente Gebäude an: „Statt intelligente Häuser zu bauen, die kein Mensch dauerhaft erträgt, sollten die natürlichen Eigenschaften entdeckt und zu einem Mehrwert geführt werden.“ Die klimatischen Bedingungen eines Ortes seien ebenso zu berücksichtigen wie Grundphänomene der Architektur. Das heisst Geometrie, Form und Material. „Die alleinige Konzentration auf Effizienz schafft auf die Länge Nebensächliches.“

Auf seine Meinung zum Hotel Chedi in Samih Sawiris Andermatter Tourismus-Resort in Andermatt angesprochen, sagt Caminada, dass er für die Andermatter und das Gebiet hoffe, dass ihr Konzept aufgehe. So lange ein das Beziehungsnetz zu gut zahlenden Gästen funktioniere, sei ein gewisser Erfolg da. Er sieht jedoch eine grosse Gefahr darin, dass gerade wegen „des kulturell Unbedeutenden“ und durch die verwendeten Materialien und Konstruktionen „die Ruine ganz nah“ sei. (mai)

Das Interview finden sie unter www.tagesanzeiger.ch