Designpionierin in Le Corbusiers Atelier

Designpionierin in Le Corbusiers Atelier

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Teaserbild-Quelle: 2010, ProLitteris
Die geschwungene Corbusier-Liege oder vielmehr die Chaisonlongue LC4 ist eine Ikone der Designgeschichte. Entworfen hat das legendäre Stück die Innenarchitektin und Designerin Charlotte Perriand. Das Zürcher Museum für Gestaltung widmet der Pariserin eine ausführliche Werkschau.
 
 
Zwar wird Charlotte Perriand erst an dritter Stelle des berühmten Pariser Ateliers von Le Corbusier genannt. Obwohl sie während ihrer zehnjährigen Zusammenarbeit mit Le Corbusier und seinem Bruder Pierre Jeanneret einige Klassiker entworfen hat. Dazu gehört unter anderem die legendäre Liege LC4 (LC steht für Le Corbusier) und den eher zierlichen kubusförmigen Fauteuil, der LC2. Die „Chaise longue basculante“ von 1928 ist zählt ebenfalls zur Vielzahl der Stahlrohrmöbel, die sie in Zusammenarbeit mit den beiden entwickelte. Später sollte man der damals Mitte Zwanzigjährigen nachsagen, dass sie dem oft kalten Rationalismus Corbusiers eine menschliche Dimension einzuhauchen vermocht habe. In den Dreissigerjahren wandte sie sich allerdings vom Stahl ab und dem Holz zu, dem sie freie Formen abgewann. Regale, Tische, Sessel oder stapelbare Sperrholzstühle entstanden. Mit Holz sollte sie sich bis weit in die Fünfzigerjahre hinein beschäftigen.

Fundstücke ins rechte Licht gesetzt

Ebenfalls in den 30er Jahren setzte sich Perriand mit der Fotografie auseinander: grandiose Inszenierungen von am Strand oder auf Schrottplätzen gefundenen Objekten. Die Liebe zur Poesie dieser sogenannten „Art Brut“ teilte Charlotte Perriand mit Pierre Jeanneret und dem Maler Fernand Léger, mit denen sie während jener Jahre wiederholt zusammenarbeitete. Sie benutzte die Fotografie aber auch für grossformatige Foto-Text-Collagen, die sie für Ausstellungen realisierte: Für den Pariser Salon des Arts Ménagers von 1936 schuf sie ein gestalterisch wie didaktisch überzeugendes drei auf 15 Meter grosses Werk mit dem Titel „La Grande Misère de Paris“, in dem sie den prekären Lebensverhältnissen der französischen Metropole preisgünstige Möbelentwürfe für den Wohnbereich gegenüberstellte. Arbeiten wie diese wurden extra für die Ausstellung im Zürcher Kunstgewerbemuseum in ihren wesentlichen Teilen rekonstruiert.

Zwischen 1940 bis 1946 lebte Charlotte Perriand übrigens in Japan, dessen Wohnkultur sie faszinierte und die in ihren Werken einen Niederschlag finden sollte. Perriand schuf Möbelstücke aus Bambus, die zwar mit alten, traditionellen Techniken hergestellt wurden, aber dieselbe Formsprache aufwiesen, mit denen Sie schon bei den Stahlrohrmöbeln experimentierte.

Die Ausstellung gibt nicht nur einen Überblick über das vielseitige Schaffen Perriands. So wird die Schau auch mit Fotografien ergänzt, die befreundete Fotografen machten. Das Publikum erhält damit Einblick in ihr Leben und lernt neben der Designpionierin und Fotografin auch eine sozial engagierte und faszinierende Persönlichkeit kennen. (mai/mgt)
 
Ort: Museum für Gestaltung, 8005 Zürich
Datum: bis 24. Oktober
Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag 10 bis 17 Uhr, Mittwoch 10 bis 20 Uhr, Lange Nacht der Museen am 4./5. September 19 bis 02 Uhr, Montags geschlossen
Weitere Informationen: www.museumfuergestaltung.ch