Der „Vater“ der Gurke wird heute 80

Der „Vater“ der Gurke wird heute 80

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Teaserbild-Quelle: wikimedia.org, Roland zh, CC

Der britische Stararchitekt Norman Foster kleckert nicht, er klotzt: Denn wo er baut, wird es teuer. Er ist bekannt dafür, dass die Baukosten seiner Projekte oft um Millionen oberhalb dessen liegen, was veranschlagt wurde. Heute feiert er seinen 80. Geburtstag.

Das Geldschleudern tut der Popularität des britischen Visionärs keinen Abbruch. Norman Foster gilt als einer der berühmtesten Baumeister unserer Zeit. Denn wenn er ans Werk geht, geht es um die grossen Dinge – und meistens um viel Glas und Stahl. In der Schweiz baute er das spektakuläre Apartmenthaus Chesa Futura in St. Moritz und renovierte für 440 Millionen Franken das Grand Hotel Dolder in Zürich. Für seinen Entwurf der Swiss Re-Zentrale in London – der berühmte Gherkin-Tower – wurde er mit dem Stirling Prize ausgezeichnet. In Frankfurt erschuf er mit dem Commerzbank-Tower das höchste Gebäude Deutschlands. Und in Berlin verewigte er sich mit der gläsernen Reichstagskuppel.

„Wackelbrücke“

Viele Experten halten Norman Foster allerdings für masslos überschätzt, den Star-Kult um seine Person für deutlich übertrieben. Auf einer Liste der am meisten überschätzten Architekten landet der Brite immerhin auf Platz fünf – hinter grossen Namen wie Zaha Hadid und Daniel Libeskind. Fosters Millennium Bridge, eine Fussgängerbrücke über die Themse, wurde zuerst nicht rechtzeitig fertig, dann war sie um zwei Millionen Pfund zu teuer. Schon wenige Tage nach der Eröffnung musste das als „Wackelbrücke“ verspottete Bauwerk eineinhalb Jahre lang geschlossen werden, weil sich die Architekten verrechnet hatten und die Brücke viel zu stark schwankte. Für die Reparatur waren acht Millionen Pfund fällig. Bereits im Jahr 2008 schrieb der britische Architekturhistoriker David Watkin: „Fosters Architektur ist überbewertet, weil ihr der Klang fehlt und sie keine Seele hat.“

Dennoch wurde Foster mit Preisen überhäuft: Er ist der einzige britische Architekt, der den Stirling-Preis zweimal gewann. 2007 wurde ihm ausserdem der Aga Khan Award für Architektur überreicht, der höchstdotierte Architektenpreis der Welt.

Wohnen auf dem Mond

Der in dritter Ehe verheiratete Vater von fünf Kindern ist auch mit 80 Jahren noch ein vielbeschäftigter Mann. Er verfügt über Wohnsitze in Grossbritannien, der Schweiz und Frankreich, einen Privatjet und einen Helikopter. Und selbst die Welt ist Foster nicht genug: In einem Projekt erforscht er nämlich, wie man menschliches Wohnen auf dem Mond ermöglichen könnte. Gemeinsam mit der Europäischen Raumfahrtbehörde versucht er Möglichkeiten zu finden, Gebäude zu entwickeln, die Menschen wirksam vor extremen Temperaturschwankungen, Strahlen und Meteoriteneinschlägen schützt. Die Entwürfe für das Heim eines Vier-Personen-Haushalts stehen schon. (sda/mt)