Der Taj Mahal wurde nach der Sonne angelegt

Der Taj Mahal wurde nach der Sonne angelegt

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Teaserbild-Quelle: *_*, flickr, CC

Der Garten des Taj Mahal richtet sich nach der Sonne: Die vier Pavillons in den Ecken der Anlage liegen exakt dort, wo an der Sonnenwende jeweils die Sonne auf- und untergeht. Dass dies kein Zufall ist, hat die italienische Physikerin Amelia Sparavigna von der Universität Turin unter anderem mit Hilfe von Google Maps festgestellt.

Während ihrer Blütezeit im 17. Jahrhundert errichteten Indiens Mogulherrscher prächtige Paläste und Mausoleen, zu denen oft persische Gärten gehörten. „In den mystischen islamischen Texten der Mugalzeit wird das Paradies als ein idealer Garten mit vier Flüssen beschrieben, die von einer Quelle oder einem Berg in die verschiedenen Himmelsrichtungen fliessen“, erklärt Sparavigna. Und danach richtete sich auch die Gestaltung von Gärten: Sie werden von vier Kanälen, die aus einer zentralen Quelle in vier Richtungen fliessen, in vier gleich grosse Bereiche unterteilt und symbolisieren so Paradies. Das gilt auch für die Umgebung des Taj Mahal.

Sparavigna vermutete hinter der strengen Geometrie der Anlagen mehr als blosse Ästhetik. Mit Hilfe von Google Maps und einem Astronomieprogram untersuchte sie verschiedene Gärten der Mogulepoche, darunter auch den Taj Mahal. Dabei entdeckte sie Hinweise darauf, dass die Anlagen nach astronomischen Gesichtspunkten gebaut wurden. Beim Taj Mahal stellte sie folgendes fest: Wer am Tag der Sommersonnenwende auf der Kreuzung zweier Wege steht, die sich an den Wasserkanälen befinden, sieht die Sonne exakt über einem der Nebenpavillons des Taj Mahal auf- und über dem gegenüberliegenden untergehen. Bei Wintersonnenenwende funktioniert dies bei zwei andern Pavillons ebenfalls.

Damit wird das Mausoleum während der Sonnenwende zum Zentrum der Anlage.  Was für den Taj Mahal zutrifft gilt auch für die übrigen Gärten, welche Sparavigna analysierte. Was die Ausrichtung nach der Sonne aber genau bedeutet weiss man allerdings noch nicht. (mai)