Der SNB-Entscheid und die Bauwirtschaft

Der SNB-Entscheid und die Bauwirtschaft

Gefäss: 

Die auch  für Fachleute unerwartete Freigabe des Frankenkurses durch die SNB dürfte das Wirtschaftsklima der Schweiz beeinträchtigen. Auch für die Entwicklung der Bauwirtschaft werden sich wohl mittel- bis langfristig Konsequenzen bemerkbar machen. Dies lässt sich aus verschiedenen ersten Kommentaren ableiten.

Ein raueres Wirtschaftsklima dürfte sich auf dem Immobilienmarkt zuerst einmal auf Geschäftsliegenschaften auswirken. Auch der Wirtschaftsbau ist davon betroffen. Viele Investoren und Unternehmen dürften Expansionspläne vorerst aufschieben und abwarten, wie sich im Gefolge der Währungsturbulenzen  die Wirtschaft und damit die Erfolgsaussichten für eigene Vorhaben entwickeln werden. Bei den Wohnungsbauten verhält es sich zögerlicher.

So erwartet etwa UBS-Immobilienspezialist Claudio Saputelli nach wie vor eher eine weiche Landung. Zeichnet sich jedoch ab, dass die Exportwirtschaft die neuerliche, massive Frankenaufwertung nicht verkraften kann, könnte es schwieriger werden. Eine rezessive Entwicklung der Schweizer Wirtschaft würde nicht nur die Einwanderung und damit auch die Nachfrage nach Wohnraum dämpfen. Auch eingetrübte Zukunftsaussichten und diesbezügliche Ängste in der Bevölkerung könnten sich auf dem Markt auswirken. Für diesen Fall kann gemäss UBS eine Preiskorrektur von 10 bis 15 Prozent nicht ausgeschlossen werden.  Dieses Szenario hat jedoch (noch) nicht den Stellenwert einer Immobilienkrise, weil Finanzierungs- und Verzinsungsprobleme angesichts der in näherer bis mittlerer Zukunft nicht steigenden oder sogar noch weiter sinkenden Kapitalkosten kaum gravierende Ausmasse annehmen dürften. 

Auf Grund der Selbstregulierung der Banken bei der Hypothekenvergabe, bei der die  Kriterien für die Tragbarkeit nach wie vor auf einem kalkulatorischen Zins von 4,5% bis 5% beruhen, dürfen die Risiken für Notverkäufe von Wohneigentum angesichts der real existierenden Kapitalkosten als klein eingestuft werden. 

Kapitalkosten

Die im gleichen Zug mit der Frankenkursfreigabe angekündigte Senkung des Dreimonate-Libors auf ein Zielband von von –1,25% bis –0,25% (bisher –0,75% bis +0,25%) läuft eigentlich auf eine noch attraktivere Situation für Immobilieninvestitionen hinaus. So liegt der Zins für eine Fünfjahresfesthypothek bei vielen Instituten schon deutlich unter 1% – teilweise mit weiterem Senkungs-Potenzial. 

Bevölkerungswachstum

Neben dem natürlichen Bevölkerungswachstum spielte die Zuwanderung in den letzten Jahren als Motor für die Wohnungsproduktion eine bedeutende Rolle. Die Annahme der Zuwanderungs-Initiative vor bald einem Jahr hat den Wachstumserwartungen bereits einen Dämpfer versetzt. Möglich, dass es im Zuge einer Verschlechterung des Wirtschaftsklimas  auf Grund der Währungsturbulenzen bei vielen Unternehmen auch zu einem faktischen Einstellungsstopp oder gar zu Personalreduktionen kommt. Dies könnte zu einer Abschwächung der Zuwanderung führen und damit auch zu einer tieferen Nachfrage im Wohnungssegment – was wiederum mittelfristig entsprechende Auswirkungen auf die Bauwirtschaft hätte. 

Wirtschaftswachstum und Arbeitslosenquote

In ersten Stellungnahmen wird mit einer Abschwächung des Wirtschaftswachstum auf noch immerhin noch +0,5% gerechnet. Für die Arbeitslosenquote wird dieses Jahr mit einer Zunahme auf einen Wert von gegen 4% gerechnet.  

Allerdings sind dies alles erste Einschätzungen und Erwartungen, die sich wegen der kommenden Entwicklungen in nächster Zeit noch mehr konkretisieren und damit vertieftere Einschätzungen erlauben werden. (mai)