Der Napoleonturm „Belvedere“ wird gebaut

Der Napoleonturm „Belvedere“ wird gebaut

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Teaserbild-Quelle: Bild: zvg

200 Treppenstufen führen bis zur Aussichtsplattform in fast 35 Meter Höhe. Von dort oben bietet sich eine Weitsicht in den Thurgau und über den Untersee mit der Insel Reichenau. Noch ist der Turm zu Hohenrain in Wäldi nur auf dem Papier und als Modell zu sehen. Aber jetzt wird er gebaut, im nächsten Frühling soll er fertig sein.

Mit Geduld und Hartnäckigkeit hat der Thurgauer Förderverein sein Ziel erreicht. Zunächst musste die Finanzierung abgesichert und Sponsoren gesucht werden. Inzwischen wurden Unterstützung und finanzielle Hilfe für die nötigen 875 000 Franken von mehreren hundert privaten und gewerblichen Sponsoren, Gemeinden, dem Kanton und aus dem Lotteriefonds zugesichert. Der Bau kann starten, die Baubewilligung ist erteilt. Unterstützung erhält der Verein aus allen Bevölkerungsschichten. Ein Grossteil der Arbeiten ist bereits an Thurgauer Firmen vergeben, so dass voraussichtlich im November der erste Spatenstich erfolgen kann. Zwei Jahre waren zuvor für die Abklärung und die Planung nötig. Bewusst wurde von einer historischen Rekonstruktion Abstand genommen: Der Turm wäre sonst zu klein für einen guten Ausblick und laut Erfahrungen zu unterhaltsintensiv ausgefallen.

Die Idee für einen neuen Turm auf Hohenrain besteht seit langem. Hier wurde schon im Sommer 1829  das sogenannte „Belvedere zu Hohenrain“ errichtet. 70 Fuss ragte der Turm aus den Wald hervor und ermöglichte einen Rundblick vom Voralberg zum Alpstein und Churfirsten, zu den Glarner- und Innerschweizerbergen bis zu den Berner Alpen. Im Norden sah man den Untersee, die Insel Reichenau, Konstanz und den Bodensee. Erbaut wurde der Holzturm vom Zimmermann Peter aus Egelshofen für 650 Gulden. Um den Ausblick geniessen zu können, mussten Besucher 6 Kreuzer bezahlen. Seinen Namen erhielt der Turm vom auf Schloss Arenenberg wohnenden Prinzeb Louis Napoleon, dem späteren Kaiser Napoleon III. Er soll angeblich die treibende Kraft für den Bau gewesen sein und den Ausblick sehr genossen haben. 1855 musste der Turm wegen Baufälligkeit abgebrochen werden.

Seitdem fehlt dem Thurgau ein hoher Aussichtsturm. Vor viereinhalb Jahren wurde deshalb ein Förderverein gegründet. Das Projekt entstand aus einem Studienauftrag unter Konkurrenz. Im Juni 2014 wählten die Mitglieder des Fördervereins das Projekt von Markus Krattiger und Peter Dransfeld (Krattiger Engineering und Dransfeldarchitekten) für die Turmvariante aus. Eine Betonstruktur bildet den Sockel, der das erste Turmsegment trägt. Alle 3.4 Meter Höhe ist ein Zwischenpodest geplant und alle 10.2 Meter Höhe eine Zwischenplattform vorgesehen. Hinauf zur Panoramaplattform in 34,38 Metern Höhe geht es über eine verzinkte Treppe mit hölzernen Trittstufen. Die Plattform bietet für 50 Personen Platz. Ein auskragendes Dach überdeckt die Struktur. Die drei grossen Turmsegmente von jeweils 15 bis 18 Tonnen werden vor Ort vollständig inklusive Treppe und Fassade vormontiert und anschliessend aufeinander gesetzt.

Neben dem Ausblick erwarten den Besucher Informationen über die umliegende Natur und den historischen Hintergrund des Turms. Im Eingangsbereich erfährt er Wissenswertes über die Geschichte des Napoleonturms. Es sind auch Einblicke in die Ausgrabungen der Fundamente und die archäologischen Dokumentationen möglich. (cb)

Weitere Infos unter www.napoleonturm.ch